Tschechisches Ensemble tanzt „Der Nussknacker“ / Märchenhaftes Sujet

Szenische Winterträume im Neuen Theater

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Klassisch: Im Tutu und mit glitzernden Stern-Diademen tanzen die Schneeflocken vor der Winterwaldkulisse.

Espelkamp - Von Ralf Kapries. Märchenhaft ging es Samstagabend im Neuen Theater Espelkamp zu. Das Mährische Theater Olomouc gab unter der Leitung von Robert Balogh „Der Nussknacker“, ein Ballett in zwei Akten zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikovsky, vor vollem Haus. Marius Petipa schrieb dazu das Libretto nach dem Märchen von E.T.A. Hoffmann.

Jìrí Horák choreographierte klassisch nach Marius Petipa und Lew Iwanov. Dazu passten die aufwändigen, oft farbenprächtigen, sehr geschmackvollen Kostüme von Eliška Zapletalová. Es gab also auch hier viel fürs Auge. Das Bühnenbild von Eduard Prikzyl bestand im wesentlichen aus Aushängungen an der Rückwand und zwei hintereinander gestaffelten portalartigen, die zugleich die Gassen bildeten. Ihre ausgezeichnete romantische Ausmalung gab zusammen mit der raffinierten Ausleuchtung Jaroslav Lacinas große, stimmungsvolle Räume vor. Ein geschmückter Weihnachtsbaum und zahlreiche, festlich verpackte Pakete komplettierten die Ausstattung. So waren die Voraussetzungen geschaffen, die Leistungen des mehrfach preisgekrönten Ensembles in Szene zu setzen. Dessen Mitglieder tanzen grazil und mit scheinbarer Leichtigkeit so geschmeidig, dass ihre Schritte auf dem nicht besonders gedämpften Bühnenboden nahezu geräuschlos blieben.

Äußerst eindrucksvoll war gleich am Anfang der Auftritt Damani C. Williams' als Onkel Drosselmeyer allein schon wegen seiner Größe, gepaart mit wunderbar ausgeprägten tänzerischen Bewegungen. Hautfarbe und Kostüm taten ihr Übriges, um die Illusion eines mysteriösen Zauberers zu erzeugen, der die Kinder beim Weihnachtsfest erfreut. Die vielen Kinder auf der Bühne waren nicht nur von Natur aus „herzig“, sondern die durchdachte und phantasievolle Regie Baloghs sorgte für nette, individuelle kleine Szenen. Dazu gehört auch die der ängstlichen Maus, die – nachdem die Armee des Mäusekönigs von der der Pfefferkuchensoldaten geschlagen wird – von einer Kollegin von der Bühne geholt werden muss.

Zu den herausragenden Tänzern gehörten die bezaubernde Yui Kyotani und der charmante Ivo Jambor als Prinz. Dmitri Savakov erwies sich inmitten des Mäusegewimmels als ordnender Wirbelwind. Er hatte schon zuvor als Präsident Silbergans stark beeindruckt. Kraftvoll und männlich wirkte Tomaš Derka beim russischen Tanz. Auch kleine Rollen können einen guten Eindruck hinterlassen, wie sich am Beispiel der amüsanten „chinesischen“ Tänzer Svatva Porizková und Goh Shibata zeigte.

„Der Nussknacker“ kommt bei Kindern und Erwachsenen gut an. Das liegt am weihnachtlichen und märchenhaften Sujet und den vielen abwechslungsreichen Tanzszenen im zweiten Akt in Verbindung mit der Vielfalt der Musik Tschaikowskys. Man muss den Inhalt nicht im Voraus kennen, um die Abläufe zu verstehen; vielmehr erschließt sich alles über Auge und Ohr, wirkt unterhaltsam und anregend. Sicherlich eine gute Wahl, um ein Publikum mit wenig Balletterfahrung an dieses Genre zu gewöhnen. Dass diese Inszenierung sehr genau seinen Geschmack traf, zeigte nicht nur der Applaus, sondern allein schon die Tatsache, dass die freien Karten der Aufführung – einem Bestandteil der Abo-Reihe 2 – als erstes ausverkauft waren.

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