Tatbestand ist nicht nachweisbar

Wende im Prozess um Totschlag

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Der Angeklagte könnte beim nächsten Prozesstag am 16. Februar ein Geständnis ablegen.

Espelkamp/Bielefeld - Von Guntmar Wolff. Der Prozess wegen versuchten Totschlags gegen einen 46-jährigen Angeklagten aus Espelkamp, der eine Massenschlägerei am Ludwig-Steil-Hof angezettelt und einen Beteiligten mit einem Beil attackiert haben soll, steuert mit dem zweiten Tag auf das Ende zu.

Den Anfang machten beim zweiten Prozesstag am Dienstag Zeugen, die Teil der „Massenschlägerei“, so der vorsitzende Richter Albert, vor dem Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp im Februar 2012 waren.

Genau wie am ersten Prozesstag konnten sich die Zeugen entweder nicht mehr an die Abläufe des Abends erinnern oder ihre Aussagen standen im Gegensatz zu den Einlassungen, die sie bei den Polizeibefragungen in den Tagen nach dem Vorfall gemacht hatten.

Ein Zeuge, dessen Zwillingsbruder am ersten Prozesstag vernommen worden war, hatte noch direkt nach dem Vorfall bei der Polizei angegeben, dass er mit einem Beil attackiert worden sei und sein Kiefer aus diesem Grund ausgerenkt sei. In der Verhandlung stellte er den Ablauf nun ganz anders dar. Mit den Worten „Ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemand mit dem Beil attackiert hat. Das Beil habe ich nur gesehen, als es jemand über meinen Bruder erhoben hatte, danach ist aber alles bei mir dunkel“ verwunderte er die Prozessbeteiligten.

Im Anschluss an die Zeugenaussagen stellte Dr. Ingbert Rinklake, Facharzt aus der Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem, sein Gutachten vor. Darin beschrieb er ausführlich, wie es bei dem Angeklagten zur Alkoholabhängigkeit kam. Der Gutachter führte auch aus, dass der Tatverdächtige zum Tatzeitpunkt einen Hang zum Alkoholismus gehabt habe. „Auch ist eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen“, so der Facharzt. Er befürwortet eine Therapie unter ärztlicher Kontrolle. „Diese muss nicht in einer Anstalt erfolgen. Ich stelle eine gute Prognose für eine ambulante Therapie“, so Dr. Rinklage.

Nachdem sich die Kammer zur Beratung zurückgezogen hatte, stellte sie nach einer Bewertung des bisherigen Prozesses ein Strafmaß zwischen einem Jahr und neun Monaten in Aussicht, sollte der Angeklagte ein Geständnis ablegen. Dieses Strafmaß könnte dann zur Bewährung ausgesetzt werden. Diese Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten beruht auch darauf, dass ein versuchter Totschlag nicht nachgewiesen werden kann und die Kammer stattdessen den Tatbestand einer „schweren Körperverletzung“ als erwiesen ansieht.

Strafverteidiger Peter Kresken geht davon aus, dass sein Mandant am kommenden Verhandlungstag ein Geständnis ablegen wird. Dann würde ein Urteil wahrscheinlich noch am selben Tag erfolgen. Der nächste Termin ist am Dienstag, 16. Februar.

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