Sophokles‘ „Antigone“ im Neuen Theater Espelkamp / Einführungsvortrag

Antikes Drama in modernem Gewand

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Regisseur Michael Stacheder transportiert die Handlung des antiken Dramas „Antigone“ des Sophokles ins heutige Afghanistan.

Espelkamp - Wie weit geht der Mensch, wenn er meint, im Recht zu sein? In dem antiken Drama „Antigone“ des Sophokles endet diese Frage in der Katastrophe. Regisseur Michael Stacheder, inspiriert durch einen Fernsehbericht über das Buch „Soldatenglück“, verlegt in seiner Inszenierung diesen antiken Stoff aus dem vom Krieg gezeichneten antiken Theben radikal in die Gegenwart. In einer Produktion des Jungen Schauspiel Ensemble München ist diese völlig neue Überarbeitung dieses Klassikers am Freitag, 26. Februar, ab 20 Uhr, im Neuen Theater Espelkamp zu sehen.

In einem Einführungsvortrag, der bereits um 19 Uhr beginnt, gibt Michael Stacheder dem Publikum Einblicke in die Hintergründe seiner Inspirationen zu dieser Inszenierung. Eine Anmeldung für die Einführung ist wegen begrenzter Teilnehmerzahl erforderlich unter Telefon 05772/ 562185.

Das Buch „Soldatenglück“ beschreibt das Schicksal des an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidenden Afghanistanveteranen Robert Sedlatzek-Müller. Das brachte Regisseur Stacheder auf die Idee, das Stück im Umfeld eines deutschen Soldaten anzusiedeln, der aus Afghanistan zurückkehrt. „Wir wollten keine moderne Inszenierung, die keinen Bezug zum aktuellen Geschehen hat“, betont der Regisseur. „Wir wollten mit dem Feuer spielen, uns nicht drücken.“

Stacheder bleibt daher in seiner Bearbeitung auch eng am Originaltext der klassischen Vorlage. Im Mittelpunkt des Stückes steht der Konflikt zwischen Gesetzestreue und Moral. Antigone ist eines der vier Kinder von Ödipus und Iokaste. Die beiden Brüder, Polyneikos und Eteokles, töten sich gegenseitig im Streit um den Thron in Theben. Kreon, der Bruder von Iokaste, wird der neue König. Er lässt den Leichnam von Eteokles begraben, aber dem anderen Bruder Polyneikos verweigert er das Begräbnis, weil er gegen die Stadt Theben gekämpft hat und daher ein Verräter ist. Antigone beschließt heimlich, ihren Bruder zu bestatten. Als Kreon dies erfährt, lässt er Antigone zur Strafe lebendig einmauern.

In Stacheders Inszenierung sehen die Zuschauer einen traumatisierten ehemaligen Offizier der Deutschen Bundeswehr, der sich durch die Antigone des Sophokles an ähnliche Vorkommnisse während seines Auslandseinsatzes erinnert. In seinem Kopf und auf der Bühne mischen sich erlebte Realität und Fiktion des Dramas. Ein Soldat hat in einem Amoklauf einen Anschlag auf seine eigenen Kameraden verübt. In dieser Extremsituation verkündet der neue Kommandeur des Lagers, man solle allen Gefallenen die letzte Ehre erweisen, dem Attentäter aber nicht. Einer der Kameraden verweigert den Befehl.

Das Junge Schauspiel Ensemble München bringt die „Antigone“ des Sophokles in der Übersetzung von Udo Segerer auf die Bühne. Die Dramaturgie übernahm das P-Seminar Griechisch am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim, unter der Schirmherrschaft von Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher.

Eintrittskarten sind erhältlich in der Geschäftsstelle des Volksbildungswerks Espelkamp, Kulturbüro im Bürgerhaus, Telefon 05772/562161, 562185 und 562255, sowie im Reisebüro Durnio in Rahden, Steinstraße 4, Telefon 05771/ 91110, oder online unter www.theater-espelkamp.de. Die Abendkasse und das Theater sind ab 19 Uhr geöffnet.

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