Schulen in Lübbecke, Espelkamp und Pr. Oldendorf werden zu Notunterkünften

Kommunen stoßen an ihre Grenzen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Lübbecke/Espelkamp - Wie Stemwede und Rahden verfolgen auch die anderen Kommunen im Altkreis Lübbecke die Strategie, Asylsuchende dezentral in Einzelwohnungen unterzubringen, um die Integration zu erleichtern und Konflikte zu vermeiden. Das Konzept hat sich bewährt, stößt aber inzwischen an seine Grenzen. Wenn privater Wohnraum knapp wird, fällt der Blick der Kommunen naturgemäß auf das eigene Inventar – und bleibt an Schulen hängen. Die sind zwar nicht für eine langfristige Unterbringung geeignet, bieten sich aber als Notunterkunft an. Problematisch wird es allerdings, wenn in der Schule – wie im Fall Lübbecke – noch regulärer Schulbetrieb herrscht.

Lehrer und Schüler hatten scharfe Kritik an der Lübbecker Verwaltung geübt, die die Jahn-Realschule quasi von heute auf morgen geräumt und die Klassen der auslaufenden Schule in die Pestalozzi-Schule umgesiedelt hatte. Inzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt, doch der Ärger gegenüber der Verwaltung ist geblieben.

„Man fühlt sich überrannt“, sagt Marion Bienen, Schulleiterin der Jahn-Realschule, auf Nachfrage. Innerhalb von zwei Tagen habe die Schule umziehen müssen – bei laufendem Betrieb und einem Lehrerstamm von nur sechs Kollegen. Nun stünden noch einige Renovierungsarbeiten an, doch mittlerweile finde wieder „halbwegs vernünftiger Unterricht“ statt. Ins alte Quartier zurückzuziehen, bevor „ihre“ Schule ausläuft, daran glaub sie nicht: „Es ist nicht abzusehen, wie lange noch Flüchtlinge kommen werden.“

Die Stadtverwaltung hat inzwischen Eltern und Schülern im Rahmen einer nicht öffentlichen Versammlung ihr Vorgehen erklärt und den Jahn-Realschülern ihre volle Unterstützung zugesagt, um die Lernbedingungen in der Pestalozzi-Schule zu verbessern. So recht besänftigen konnten Noch-Bürgermeister Eckhard Witte, sein Nachfolger Frank Haberbosch und Landrat Dr. Ralf Niermann ihre Zuhörer dem Vernehmen nach allerdings nicht. Eine Entschuldigung Wittes war nach Aussage einiger Teilnehmer eher halbherzig.

Ein Umzug steht auch den Nutzern der Ina-Seidel-Schule in Espelkamp bevor. Die ehemalige Grundschule wird derzeit vom Musikschulverband Espelkamp-Rahden-Stemwede und der Volkshochschule Altkreis Lübbecke genutzt. Beide sollen vorübergehend im Obergeschoss der Waldschule untergebracht werden. Ähnliche Probleme wie in Lübbecke gibt es hier nach Aussage der Verwaltung nicht. „Alle unmittelbar beteiligten sind informiert und halten den Umzug für machbar und zumutbar“, teilt Torsten Siemon, Pressesprecher der Stadt, mit.

„Wir haben schlicht keinen Wohnraum mehr. Auch die gerade vergangene Woche fertiggestellte mobile Wohnanlage am Hindenburgring ist durch drastisch gestiegene Zuweisungen bereits an diesem Wochenende voll belegt“, begründet Bürgermeister Heinrich Vieker den Schritt. Der Flüchtlingsstab der Stadt hatte die Ina-Seidel-Schule geprüft und mit Blick auf Brandschutz, Sanitäranlagen, Raumgröße und die Möglichkeit einer geregelten Essensausgabe als geeignet bewertet.

Wann wie viele Menschen in die ehemalige Grundschule einziehen werden, ist noch offen. Pressesprecher Siemon: „Wir rechnen bis zum Jahresende mit etwa 50 Zuweisungen pro Monat, arbeiten aber parallel natürlich schon lange auch an anderen Lösungen. So haben wir eine weitere mobile Wohnanlage beauftragt, und die von der Aufbaugemeinschaft errichteten Reihenhäuser am Thorner Weg werden Anfang nächsten Jahres bezugsfertig sein. Es geht jetzt angesichts der dramatischen Entwicklung erst einmal darum, Zeit zu gewinnen und einen gewissen Puffer zu haben.“

Auch Pr. Oldendorf plant, eine leer stehende Grundschule in Börninghausen für die Aufnahme von Asylbewerbern herzurichten. Sie soll im nächsten Jahr bezugsfähig sein und bis zu 40 Asylbewerbern ein vorübergehendes Dach über dem Kopf bieten.

mer/ks

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