Schritt soll Familienunternehmen für die Zukunft sicher aufstellen

Gauselmann Gruppe wird in Familienstiftung überführt

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Familiäre Geschlossenheit im Stiftungsbeirat (v.l.): Michael, Karsten, Sonja, Karin, Paul Gauselmann Janika und Armin Gauselmann.

Espelkamp - Von Melanie Russ. Die Gerüchte schossen ins Kraut, als das Espelkamper Unternehmen Gauselmann vor wenigen Tagen informierte, die Unternehmerfamilie habe „weitreichende strategische Entscheidungen“ getroffen. Viele vermuteten, dass sich der 81-jährige Paul Gauselmann zur Ruhe setzen wird und seine Nachfolge geregelt hat. „Eine Ente“, stellte der Unternehmensgründer etwas amüsiert klar, als er gestern das Geheimnis lüftete. Zum 1. Januar 2016 wird die weltweit agierende Gauselmann Gruppe in die gestern gegründete „Gauselmann-Familienstiftung“ überführt. Hintergrund: Die Zukunft des Familienunternehmens mit mehr als 9000 Mitarbeitern soll langfristig gesichert werden.

Die Eigentümer Paul und Karin Gauselmann sowie die drei Söhne Michael, Armin und Karsten, die hundert Prozent der Unternehmensgruppe mit einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro halten, haben ihre Anteile in die Stiftung eingebracht. Sie sind damit nicht mehr Besitzer des Unternehmens, leiten als Mitglieder des Stiftungsbeirats aber weiterhin dessen Geschicke. Ebenfalls im Beirat vertreten sind die Töchter Janika und Sonja des ältesten Gauselmann-Sohnes Peter, der sich aus dem Unternehmen zurückgezogen hat, und drei externe Vertraute. Vorstandsvorsitzender der Familienstiftung wird Paul Gauselmann, Sohn Armin und das jetzige Vorstandsmitglied Manfred Stoffers werden seine Stellvertreter.

Mit dem jetzigen Schritt will die Familie „für alle Zeiten“ eine Zersplitterung des Unternehmens verhindern. Er habe sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, zunächst widerwillig, wie Paul Gauselmann zugibt, dann aber ernsthaft. Bisher habe jeder der fünf Eigentümer das Recht gehabt, seinen Anteil zu verkaufen, erklärte der Unternehmensgründer. Die Auszahlung von Firmenanteilen sei aber immer eine enorme Belastung für diejenigen, die das Unternehmen weiterführten. Ein weiterer Vorteil: Beim Tod eines Gesellschafters droht keine unvorhergesehene finanzielle Belastung durch die Erbschaftssteuer. Die durch die Stiftung alle 30 Jahre zu zahlende Erbersatzsteuer kann langfristig eingeplant werden.

Die jährliche Gewinnausschüttung an die Familienstiftung wird gemäß dem Anteil des Eigenkapitals zu gleichen Teilen auf die vier Familienstämme und die mit zehn Millionen Euro Kapital ausgestattete „Paul und Karin Gauselmann-Stiftung“ verteilt, die soziale und kulturelle Projekte der Region unterstützt.

Im operativen Geschäft wird sich nichts ändern. Die Hauptverwaltung bleibe in Espelkamp, das Unternehmen in der Region stark präsent, sicherte Gauselmann zu.

Den Tag, an dem in der beinahe 60-jährigen Unternehmensgeschichte ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, nutzte der Unternehmensgründer, um ein wenig in der Vergangenheit zu blättern. Im Sommer 1956 machte der ausgebildete Fernmelderevisor seine erste Erfindung: eine Fernwahlbox für Musikboxen. Die Ära des Unternehmens Gauselmann begann ein Jahr später, als er – hauptberuflich noch in der Entwicklungsabteilung für Automaten bei Harting beschäftigt – die ersten bei seinem Arbeitgeber gebauten Musikboxen kaufte, in Gaststätten aufstellte und einen Umsatz von 30000 DM machte. Neun Jahre später übersprang er erstmals die Marke von einer Million DM. Ein weiterer Meilenstein war 1974 die Eröffnung der ersten Spielothek in Delmenhorst. 1985 erreichte die Gauselmann Gruppe einen Marktanteil von 50 Prozent ist Deutschland und ist noch heute Marktführer im Automatengeschäft.

Natürlich kann Paul Gauselmann bei solchen Gelegenheiten nicht umhin, Kritik an der deutschen Politik, insbesondere der Bundesländer, zu üben. Als „mittelalterlich“ kritisierte er das Verhalten der Bundesländer, die nicht von ihrem Glücksspielmonopol lassen wollten.

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