Junge Philharmonie begeistert / Volles Haus im Espelkamper Theater

Viel mehr als Klassik

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Die „Junge Philharmonie Köln“ begeisterte im Theater Espelkamp mit Musik und Gesang.

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Bereits zum zweiten Mal stand jetzt in Espelkamp die „Junge Philharmonie Köln“ auf der Bühne. Augenzwinkernd bemerkte Dirigent Betin Günes zu Beginn, „Wir sind jung im Herzen!“, denn tatsächlich waren die wirklich jungen Musikerinnen und Musiker deutlich in der Unterzahl.

Der Qualität des Abends tat das aber wahrlich keinen Abbruch, denn diese war außerordentlich hoch. Vielleicht sollte in Espelkamp ruhig öfter mal die Trumpfkarte „Musik“ gezogen werden, denn das Theater an der Trakehner Straße war brechend voll. Was einen erwartete, war zuvor nicht richtig klar, es sollte ein buntes Programm werden. Die Überraschung gelang! Was das 17-köpfige Orchester auf die Bühne brachte, war ein wahrer Ohrenschmaus.

Mit launigen Worten führte Günes durch das Programm und eröffnete es mit Rimski Korkakows „Die Geschichte des Prinzen Kalender“ aus der „Scheherazade“. Klassik mit poppigen Untertönen, mit Gitarre und Schlagzeug sowie kraftvollen Posauneneinlagen – das war Musik, die ins Ohr ging.

Die Filmmusik aus „Der Pate“ durfte ebenfalls nicht fehlen. Wunderbare Violinen, gespielt von Artem Knonov, Velina Ninova, Celia Schann, Pawel Zuzanski, Denis Kryukov und Anna Gertsel, zauberten einen Klangteppich wie im Konzertsaal. Im „Paten“ hatte Igor Krasovsky am Vibraphon eine starke Einlage. Ein weiteres modernes Stück war „Europa“ von Carlos Santana. Arrangeur und Gitarrist Mark Gertsel hatte sich an eine Gershwin-Fantasie gewagt, die er mit Unterstützung von Artem Kononov an der Solo-Violine virtuos spielte. Es hatte etwas vom unverwechselbaren Sound von Al di Meola. Ein Stück für Spezialisten war „Oblivion“ von Astor Piazolla. Das Orchester spielte es herzerweichend.

Im Beatles-Klassiker „Can‘t buy me love“ stellte Velina Ninova stimmlich unter Beweis, dass sie nicht nur an der Violine eine gute Figur macht. Ebenfalls ein fabelhafter Sänger ist Trompeter Jon Boutin. Er sang nicht nur das „Girl from Ipanema“, sondern auch „Manha de Carnaval“ aus dem Film Black Orpheus. Im Abschlusslied „Hey Jude“, ebenfalls von den Beatles, gab es eine großer Harmonie zwischen Boutin und Ninova.

Nicht zuletzt der multikulturellen Besetzung des Orchesters ist es geschuldet, dass kurz vor Schluss „We are the world“ intoniert wurde. Wie sagte Dirigent Betin Günes doch so treffend: „Wenn in allen Haushalten der Welt ein Klavier stände, gäbe es keine Kriege mehr.“

Es wäre unfair, nicht auch die anderen hervorragenden Solisten zu erwähnen, als da wären: Alba Gonzales i Becerra (Bratsche), Aleksandar Dimitrov (Cello), Andrij Stukalenko (Kontrabass), Christine Brämswig (Saxophon), Maik Krahl (Trompete), Tobias Wember (Posaune), Eugen Momot (Klavier), Sebastian Lindecke (Schlagzeug) und Michael Hielscher (Horn).

Es war ein überaus gelungener Abend! Das Espelkamper Publikum traute sich aber leider erst ganz zum Schluss, richtig mitzugehen.

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