Gelungene Premiere von „Drei Männer im Schnee“ in Neuen Theater

Laienspieler so souverän und facettenreich wie Profis

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Nach durchzechter Nacht bauen „der olle Schlüter“, Fritz Hagedorn und Johann einen Schneemann (v.l.: Horst Halstenberg, Malte Klasing und Ingo Hanke).

Espelkamp - Von Ralf Kapries. Mit einer gelungen Premiere von „Drei Männer im Schnee“ erfreute das Ensemble Espelkamp am Freitagabend das Publikum im Neuen Theater. Erich Kästner hat darin augenzwinkernd die Fragestellung um Geld und Ansehen, Stand und Standesdünkel karikierend in eine amüsante Geschichte gepackt. Regisseurin Bärbel Brandt hat sie liebevoll für die Bühne umgesetzt und liefert so mit ihren Protagonisten eine schlanke, frische Inszenierung mit viel Ambiente, die großen Anklang bei den Besuchern findet.

Erich Kästner brachte 1934 unter dem Pseudonym Robert Neuner die Komödie in vier Akten „Das lebenslängliche Kind“ heraus, dessen Stoff er auch in seinem Roman „Drei Männer im Schnee“ verarbeitete. Bärbel Brandt hat das Geschehen in die 50er-Jahre verschoben und nutzt den „Schlagerschatz“ der Zeit zur Untermalung. Diese Schnulzen liefern viel Kolorit und tragen oft zum Schmunzeln bei.

Lukas Riechmann und Tim Steinweg haben die Bühne eher zurückhaltend ausgestattet. Eine mit großen Mustern tapezierte Wand trennt im ersten Akt den vorderen Bühnenteil vom hinteren. Nach dessen Entfernung dominiert die hintere Aushängung mit einem riesigen Alpenpanorama. Davor ist die Portiersloge zu sehen. Einige Originalmöbel aus den Fünfzigern bieten Sitz- und Abstellmöglichkeiten. Alles wirkt hell und luftig.

So liegt der Schwerpunkt der Inszenierung vor allem auf der Leistung des Laien-Ensembles, das gelegentlich beinahe mit Profis mithalten kann, zumal ihre ausgeprägte Spielfreude ihre Leistung beflügelt. Die Quasi-Titelfiguren, die „drei Männer im Schnee“, überzeugen voll: Ingo Hanke wirkt sowohl als Diener Johann als auch als Schifffahrtslinienbesitzer Kesselhuth glaubwürdig und souverän, Horst Halstenberg als Geheimrat Schlüter und armer Hotelgast spielt facettenreich und wunderbar komödiantisch, während Malte Klasing mit seiner natürlich-frischen Darstellungsweise zum Star des Abends emporschießt. Dazu passt gut die energiegeladene und lebensfreudige Verkörperung der Sieglinde Schlüter durch Nadja Radicke.

Auch alle anderen Rollen sind gut entwickelt: Die großen, wie Volker Kracht als intriganter Portier Polter mit unnachahmlichem „Schwäh“ oder Ulrich Riebe, der als exaltierter und fast schon geschäftsschädigend bornierter Direktor Kühne die Lacher auf seiner Seite hat: Er trägt nämlich die homophilen Neigungen des Hotelleiters so dick auf, dass dies mit Schwulen-Diskriminierung bestimmt nichts zu tun hat – seine verrenkten Gesten sind teilweise fast artistisch und auf jeden Fall zum Brüllen komisch. Ohne den brummigen Pagen, der immer wieder mit seinen plötzlichen Einwürfen überrascht, wäre das Zerrbild eines mondänen Grand Hotels nicht vollkommen – Martin Wlecke sei Dank!

Die Rolle der Kasparova scheint Anna Nasirov auf den Leib geschrieben und ist entsprechend gut durchgezeichnet. Dagegen scheint das Spiel Angela Wleckes als Frau von Mallebré, obwohl die Figur selbst eher schrill und bunt – wenn auch glücklos – angelegt ist, etwas blasser. Auch die begriffsstutzige Frau Kunkel gibt ihr wenig Gelegenheit zur schauspielerischen Entfaltung. Die drei Hausmädchen des Hotels, gespielt von Katharina Borgmann, Franziska Kopp und Jennifer Hauptfleisch, sind nicht nur als Gags mehrfach eingesetzt, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die fehlende Ausbildung des Hotelpersonals. Zusammen mit Moritz Gröting, Cedrik Lemkemeier und Daniel Nasirov wirken sie schwungvoll bei der Gestaltung der Ballszenen mit.

Konzentriert und einsatzbereit zeigte sich auch das Personal „hinter der Bühne“. Alle zusammen überzeugen mit ihrer Ensembleleistung ein brillant unterhaltenes Publikum. So machen Komödien Spaß!

Weitere Vorstellungen folgen am 30. Dezember ab 20 Uhr und an Silvester ab 18 Uhr ebenfalls im Neuen Theater.

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