Gedenkveranstaltung anlässlich der Synode in Espelkamp gibt Impulse

Würdigung und Wegweiser

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Gemeinsames Gedenken an die Espelkamper Synode vor 60 Jahren: Achim Post (3.v.l.) freute sich ebenso wie (v.l.) Robert Kirchner-Quehl (Friedrich-Ebert-Stiftung), Manfred Steinmann (Geschichtskreis Espelkamp), Jürgen Tiemann (Kirchenkreisverbandsvorsitzender), Bürgermeister Heinrich Vieker, Kantor Tobias Krügel und Pfarrer Eberhard Helling, mit der Präses der EKD, Dr. Irmgard Schwaetzer, eine hochrangige Kirchenfrau und ehemalige Politikerin als Festrednerin zu begrüßen.

Espelkamp - 60 Jahre ist es her, dass die gesamtdeutsche Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) in Espelkamp tagte. Eine Wertschätzung für die damals noch im Aufbau befindliche Flüchtlingsstadt. Doch auch darüber hinaus gab es Gründe genug, der bis zur Wiedervereinigung 1989 letzten Zusammenkunft des höchsten Kirchengremiums zu Gedenken. Die Geschehnisse und Themen der sechstägigen Veranstaltung vom März 1955 verlangten eine Würdigung, die ihnen mit einer großen Festveranstaltung zu Teil wurde.

Bundestagsabgeordneter Achim Post (SPD), ein Kind der „Stadt im Grünen“, hatte sich für eine solche stark gemacht und die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Espelkamp möglich gemacht. Der Bundestagsabgeordnete freute sich ebenso wie Robert Kirchner-Quehl vom Landesbüro NRW der Friedrich Ebert-Stiftung und Jürgen Tiemann, Superintendent des Kirchenkreises Minden und Vorsitzender des Kirchenkreisverbandes Herford, Lübbecke, Minden, Vlotho, mehr als 130 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft in der Aula des Söderblom-Gymnasiums zu begrüßen.

Für den Festvortrag hatte man Dr. Irmgard Schwaetzer, Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), gewinnen können. An den Rückblick von Manfred Steinmann (Geschichtskreis Espelkamp) anknüpfend, stellte sie die Bedeutung der Synode von einst und ihre Wegweisung für die Zukunft heraus.

Steinmann skizzierte mit Bildern Ereignisse der Espelkamper Stadtgeschichte jener Zeit, wie beispielsweise die Sprengung der Muna, die in Teilen zugunsten der Entstehung einer diakonischen Einrichtung in Form des Ludwig-Steil-Hofes sowie der Gründung der Aufbaugemeinschaft Espelkamp verhindert wurde.

Wichtigstes Ereignis der Synode von 1955 war die Abwahl des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann aus seinem Amt des Präses der Synode. „Die Diskussion um die Wiederbewaffnung Deutschlands ließen die konservativen Kräfte bei der Synode die Oberhand gewinnen“, machten sowohl Steinmann als auch Irmgard Schwaetzer deutlich. „Für mich ist Espelkamp immer ein gelungener Ort der Integration von Flüchtlingen gewesen“, so die Präses. Angesichts der aktuellen Flüchtlingswelle gewinne die Stadt als Paradebeispiel an Bedeutung. „Weder Staat noch Kirche können diese Herausforderung alleine bewältigen“, machte Schwaetzer deutlich, dass ein kooperatives Ineinandergreifen von Kirche und Staat unabdingbar sei.

„Wir gewinnen die Maßstäbe unseres Handelns aus dem neuen Testament. Aber die Wege, diese Maßstäbe zu erreichen, sind verschieden“, sagte sie. In der Kooperation liege die größte Effektivität. „Ich verwehre mich gegen die Kategorisierung von Flüchtlingen erster und zweiter Klasse. „Sie alle sind nicht einfach so geflohen, das darf man nicht vergessen“, gab sie zu bedenken.

Das Verhältnis von Kirche und Arbeit, die Stellung der Frau in der Berufswelt sowie der Schutz von Privatem und Persönlichen des Menschen in der Arbeitswelt seien früher wie heute Aspekte, auf die die Kirche zu achten habe.

Die Bläsergruppe „Brass for Peace“ unter Leitung des Lübbecker Pfarrers Eberhard Helling, einer Gruppe junger Musiker aus NRW, umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Aus dem Repertoire ihres unlängst zu Ende gegangenen Workshops „Über die Mauer“ brachten sie mit Tobias Krügel als Dirigenten unter anderem ein arabisch vertontes „Vater unser“ zu Gehör. Die als Abschluss geplante Podiumsdiskussion ließ das Organisatorenteam zu Gunsten vertiefender Gespräche im Foyer ausfallen.

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