Angeklagter vermutet Absprachen

Familienstreit endet vor Gericht

Ein Streit innerhalb einer Familie hat sich so zugespitzt, dass sich die Beteiligten nun vor Gericht wiedersahen. - Symbolbild: dpa

Espelkamp / Rahden - Ein Streit unter Geschwistern ist im Sommer vergangenen Jahres ausgeufert und wird nun vor Gericht verhandelt. Einem 38-jährigen Espelkamper wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, seine Schwester mit Schlägen körperlich misshandelt zu haben. Doch wer zuerst zugeschlagen hat, ließ sich vor dem Rahdener Amtsgericht nicht eindeutig feststellen.

Als die Familie im Sommer ein Planschbecken im Garten der Mutter aufgebaut hatte, sei anschließend ein Wasserhahn nicht vernünftig zugedreht und der Hauswirtschaftsraum geflutet worden, schilderte der Espelkamper die Situation, die zu dem angeklagten Angriff geführt haben soll. „Als ich nach Hause kam, waren die anderen betrunken und alles stand unter Wasser“, erinnerte sich der Mann an den Sommertag.

Auf diesen Vorfall angesprochen, sei die Schwester vom Pool aufgestanden und auf ihn losgegangen, schilderte der Angestellte den Tathergang aus seiner Sicht. „Sie hat mir den Tod gewünscht und mich gekratzt“, ergänzte der 38-Jährige.

Als Reaktion auf diesen Angriff habe er seine Schwester geschubst. Deren Zwillingsbruder und ihr Mann seien aufgrund der lautstarken Auseinandersetzung dann zur Hilfe geeilt und es habe weitere Übergriffe gegeben. „Es war eine Rangelei“, schränkte die Schwester als Opfer und Zeugin ein.

„Mein Bruder wollte mich schlagen und hat sich dabei an meiner Uhr verletzt“, sagte der Angeklagte zu den Verletzungen der anderen Beteiligten. Er selber habe sich an der Schulter, im Gesicht und am Oberschenkel die Haut abgeschürft, sei aber damit nicht zum Arzt gegangen.

Die Schwester erlitt einem ärztlichen Attest zufolge Blutergüsse im Gesicht und auf dem Rücken. Ihr Bruder habe ein Platzwunde am Kopf erlitten, als der Angeklagte mit einem Plastikeimer geworfen habe, sagte die 37-jährige Frau als Zeugin aus.

Zwar schilderte die Schwester die Rangelei und Schläge in ähnlicher Form, den Wasserschaden stellte sie allerdings in Frage und war sich in diesem Aspekt keiner Schuld bewusst. „An den genauen Verlauf des Streits kann ich mich nicht mehr erinnern“, merkte die Zeugin auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft an. Da ihre kleine Tochter am Planschbecken geweint habe, sei sie dorthin geeilt. Über sich selbst sagte sie aus: „Ich bin nicht aggressiv.“

„Unser Bruder ist immer aufmüpfig“, sagte der Zwillingsbruder der 37-Jährigen. Daher habe er sich schon häufiger mit seinem älteren Bruder vor Gericht getroffen, erklärte er in der jüngsten Verhandlung. „Verbal ging es schon öfters rund, aber so weit ist es bis dato nie gekommen“, so der 37-Jährige.

„Die wollen mich fertig machen“, sagte der Angeklagte über die drei weiteren Beteiligten – seine Schwester und deren Mann sowie den Bruder. Der 38-Jährige aus Espelkamp ging davon aus, dass die Aussagen unter den Zeugen abgesprochen seien. Zudem kritisierte er das Verhalten seiner Geschwister der gemeinsamen Mutter gegenüber: „Den hängen den ganzen Tag bei uns rum, um was vom Erbe zu bekommen. Ich bin der einzige, der Mama Geld zahlt“, so der Angeklagte, der im elterlichen Haus, dem Tatort, wohnt.

Als sich die Geschwister untereinander immer weiter Schuldzuweisungen an den Kopf warfen und Richterin Schürhoff bereits mehrfach zur Ruhe aufgefordert hatte, mahnte die Staatsanwaltschaft: „Wir sind nicht hier, um Erb- und Familienstreitigkeiten zu klären.“ Am Ende bilanzierte die Richterin: Aussage gegen Aussage. „Vielleicht kann Mama mich entlasten. Die drei halten doch sowieso zusammen“, meinte der Angeklagte abschließend und beantragte, seine Mutter in einer weiteren Verhandlung als Zeugin zu laden. Diese soll im Rahmen eines Fortsetzungstermins ihre Sicht des Vorfalls schildern.

abo

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