„Der große Gatsby“ wenig pikant zubereitet

Knapp vor fade

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Im Hause Buchanan erhält der „American Dream“ trübe Flecken (v.l.): Ursula Buschhorn, Hans Piesbergen, Thorsten Nindel, Hendrik Winkler und Nicole Lohfink.

Espelkamp - Von Ralf Kapries. Mit einem gut gemachten Theaterstück ernteten die Kempf Theatergastspiele im Neuen Theater Espelkamp viel Applaus. In der Inszenierung von Silvia Armbruster war „Der große Gatsby“ von Gerold Theobald nach dem gleichnamigen Roman von F. Scott Fitzgerald zu sehen.

Kempf steht für solide Theaterarbeit. Spektakulär sind die Produktionen des Grünwalder Tourneetheaters aber selten, obwohl die Schauspieler gehobenes Niveau in den Einzelleistungen mit tragendem Teamgeist verbinden, so dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Das Bühnenbild Claudia Weinharts ist schlicht, aber in mancherlei Hinsicht überraschend. Ein schwarzer Metallturm am rechten Portalrand trägt auf der Spitze einen Beamer, der schräg auf die Hintergrundaushängung projiziert. Die Metallkonstruktion dient zugleich als Garderobe und dergleichen.

Der Hintergrund zeigt eine abendliche Meeresküste und ist in schmale Streifen aufgeschnitten, durch die plötzliche Auftritte möglich sind. Dazu passt die gute Idee, Sofas auf Rollen zu setzen und darauf die Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bühne und teils auch wieder hinunter zu schieben. Witzig ist auch, dass sich Gatsbys Auto im Handumdrehen in ein Rikscha verwandeln lässt, dessen Kuli ziemlich erschöpft am Ziel ankommt.

Die passenden Kostüme lieferte Berlind Kirsch. Achim Zeppenfeld hat für stimmige Musik und passende Videos gesorgt. Dazu gibt es einige Durchprojektionen der Rückwand mit Theaterscheinwerfern, in deren farbigen Lichtkegeln gelegentlich kommentierende Schattenspiele gezeigt werden.

Dieses hervorragende Team bemüht sich nun darum, eine aus Literatur und Film bekannte Vorlage auf die Bühne umzusetzen. Die Handlung liefert eigentlich ein Kriminaldrama, jedoch auch komödiantische Passagen, die Armbruster gezielt aufgenommen hat und mit einem Schuss Satire serviert. Schön ist die wandernde Musiktruppe, die auch mit einer schönen Tanzszene unter Verwendung lebensgroßer Stoffpuppen einen beinahe historischen Bühnengag präsentiert, dessen Wirkung immer wieder verblüfft.

Bis zur Pause entstehen eine Reihe von Konstellationen, in denen sich nach einigem Nachdenken durchaus Konfliktpotential erkennen lässt, doch die Handlungsfäden sind nur ausgelegt, die Verschlingung lässt auf sich warten – vielleicht auch ein Hinweis auf die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, in dem der amerikanische Geldadel der Zwanzigerjahre sich selbst feiert und in Strömen von Whisky zu konservieren sucht.

Während die Handlung im zweiten Teil an Fahrt gewinnt, gelingt doch die Schürzung des Knotens erst spät. Der tragische Unfall wirkt nicht spannungstragend und unnötig für die Entlarvung auch der Selbsttäuschung Gatsbys. Er hat ernsthaft geglaubt, dass Daisy niemals in ihren Ehemann Tom Buchanan verliebt war, doch sie muss seine Illusion zerstören.

Tragend an dieser Produktion sind die schauspielerischen Leistungen von Thorsten Nindel (Tom Buchanan), Ursula Buschhorn (sein Frau Daisy), Hans Piesbergen (Jay Gatsby) und Nicole Lohfink (Jordan Baker) sowie in weiteren Rollen Hendrik Winkler, Stephanie Marin und Andreas Bittl. Dieses „Theatergericht“ ist aus guten Zutaten gekonnt zubereitet und vorsichtig abgeschmeckt – aber ein bisschen was fehlt.

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