Bühnenversion von „Das Haus am See“ überzeugt im Espelkamper Theater auf ganzer Linie / Sarkasmus und intelligente Wortspiele

Ehepaar lernt, das letzte Lebensdrittel zu meistern

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In der Familie Thayer gibt es zunächst große Differenzen, doch im Laufe des Stückes wachsen die Charaktere zusammen.

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Wenn ein preisgekrönter Filmklassiker einem Theaterstück zugrunde liegt, erhöht das im Normalfall den Anspruch an eine Bühnenversion. Bei der letzten Vorführung im diesjährigen Abo Zwei des Espelkamper Volksbildungswerkes passten Anspruch und Wirklichkeit richtig gut zueinander: „Das Haus am See“, geschrieben vom amerikanischen Autor Ernest Thompson, überzeugte vollends.

1981 wurde die amerikanische Ursprungsversion unter dem Namen „On Golden Pond“ verfilmt und mit drei Golden Globes und drei Oscars ausgezeichnet. In den Hauptrollen damals: Katherine Hepburn sowie Henry und Jane Fonda.

Die Theatergastspiele Kempf im Münchener Vorort Grünwald können auf ein hochkarätiges Ensemble zählen. In den Hauptrollen waren Volker Brandt als Norman Thayer (Tatort, Schwarzwaldklinik und andere TV-Hits) und Viktoria Brams als Ethel Thayer (Rosenheim Cops, Marienhof und auch kürzlich bei den Golden Girls in Espelkamp) zu sehen. In der Rolle der 42-jährigen Tochter Chelsea Thayer Wayne: Susanne Meikl. Ihr zweiter Ehemann, Bill Ray, wurde von Momme Mommsen gespielt. Sohn Billy Ray verkörperte Nachwuchsschauspieler Lukas Ruben Eickholl.

Unter der Regie von Dominik Paetzhold mit einer deutschen Übersetzung von Ella Dietrich ist ein ausgewogenes Schauspiel auf der Grenze zur Komödie entstanden. Typisch amerikanische Dialoge, aber feinsinnig mit viel intelligentem Witz ausgestattet, machten das Stück leicht verdaulich. Einige Running Gags sorgten für spontane Lacher im Publikum.

Ehtel und Norman sind beide im besten Seniorenalter, intellektuell sowie relativ wohlhabend – mit Sommerhaus am See eben. Norman, leicht dement, denkt jeden Tag an sein Ende, obwohl er eigentlich nicht sterbenskrank ist.

Man spürt – etwas frischer Wind im Hause Thayer könnte helfen. Dieser bahnt sich an, als die kinderlose Tochter Chelsea (42) zum 75. Geburtstag des Vaters kommt. Sie nennt ihn bislang steril beim Vornamen. Ihre Jugend war offensichtlich schwierig für Vater und Tochter.

In diesem Jahr kommt Chelsea mit ihrem zukünftigen zweiten Ehemann Bill und dessen auf den ersten Blick rotzfrechen Sohn Billy. Chelsea und Bill wollen in Belgien klammheimlich heiraten und bringen den pubertierenden Sohn bei den Großeltern unter.

Zunächst herrscht auf beiden Seiten darüber keine große Freude. Doch der Großvater schafft es, den zukünftigen Enkel für den Angelsport zu begeistern. Norman und Billy werden Freunde, Chelsea findet Vater und Billy wie verwandelt wieder. Gemeinsam haben sie das Alter und die Jugend neu erfahren. Selbst das Verhältnis zur Tochter hat sich verbessert, Chelsea nennt ihn jetzt „Daddy“.

Erwartungsgemäß überzeugten die Schauspieler durch Spielfreude, gutes Timing und hohe Professionalität.

Das vielschichtige Stück über das Leben und das Altern, über Liebe, Nachsicht, Familie und Individualität hat wenig Höhen und Tiefen, aber der Sarkasmus von Norman und die intelligenten Wortspiele mit seiner Frau boten trotzdem gute Unterhaltung. Die Rollen von Momme Mommsen, einmal als Postbote und einmal als zukünftiger Ehemann, blieben dünn, fast statistenhaft.

Deutlich wurde, dass Liebe und Toleranz auch und gerade bei alten Ehepaaren unverzichtbar sind, um das letzte Drittel des Lebens kunstvoll zu meistern. Wenn einer von beiden „abbaut“, wird es für den anderen hart. Das Espelkamper Theaterpublikum quittierte die Leistungen mit ordentlichem Applaus.

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