Bewährungsstrafe für Körperverletzung

Beil zur Abschreckung

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bielefeld/Espelkamp - Von Guntmar Wolff. Am vorletzten Prozesstag hatte sich die Entscheidung schon angedeutet, aber die Voraussetzung dafür folgte am Tag des Urteils: das Geständnis des Angeklagten. Wurde dieser am Anfang mit dem Vorwurf des versuchten Totschlags konfrontiert, bröckelte die Anklage innerhalb zweier Sitzungstage. Verantwortlich dafür waren langsame Ermittlungen – die Tat liegt schon über vier Jahre zurück – und damit einhergehend Erinnerungslücken von Zeugen und widersprüchliche Einlassungen. Die Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, mit einem Beil in eine Massenschlägerei vor dem Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp im Februar 2012 verwickelt gewesen zu sein.

Da sich aber kein Zeuge bei den Befragungen mehr daran erinnern konnte, dass der Angeklagte das Beil benutzt hatte, war dem 46- Jährigen nur die gefährliche Körperverletzung nachzu-weisen.

Am Anfang des dritten Verhandlungstages ließ der gebürtige Tadschike nun am Dienstag durch seinen Verteidiger Peter Kresken eine Erklärung verlesen, in der er zugab, mit dem Beil bewaffnet zum Tatort gegangen zu sein – „zur Abschreckung“. Er habe gehört, dass sein Sohn in eine Schlägerei verwickelt gewesen sei und wollte ihn dort rausholen. An mehr konnte sich der Angeklagte nicht erinnern, was wohl auch auf den zum Tatzeitpunkt festgestellten Blutalkoholwert von 3,8 Promille zurückzuführen ist.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Strafe von anderthalb Jahren, die zur Bewährung auszusetzen sei. Die Verteidigung plädierte im Gegenzug auf neun Monate Freiheitsentzug, ebenfalls auf Bewährung. Das letzte Wort vor der Urteilsverkündung hatte der Angeklagte, der mehrmals über seine Dolmetscherin beteuerte, dass ihm der Vorfall leid tue: „Ich bereue, was ich getan habe.“

Nach knapp zweistündiger Beratung verkündete die Kammer unter dem vorsitzenden Richter Nabel ihr Urteil. Mit einem Strafmaß von einem Jahr und drei Monaten, wobei drei Monate bereits als verbüßt galten, folgte sie im Wesentlichen der Argumentation der Verteidigung. „Die Einlassung des Angeklagten sind hoch zu bewerten“, so Richter Nabel: „Ohne diese hätte es einen langen Prozess mit ungewissem Ausgang gegeben.“

Eine stationäre Unterbringung in einer Suchtklinik wurde ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Stattdessen sehen die Bewährungsauflagen vor, dass sich der Angeklagte in eine ambulante Therapie begibt. In diesem Punkt folgte die Kammer einem Gutachten, das eine solche Therapie für erfolgversprechend hält.

„Wir sind mit diesem Urteil durchaus zufrieden“, so Verteidiger Kresken. Auch seinem Mandanten war die Erleichterung über das Urteil deutlich anzumerken.

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