Bernd Gieseking wagt einen Jahresrückblick in Espelkamp

Durchblick in Katastrophenzeiten

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Keine Angst vor brisanten Themen: Kabarettist Bernd Gieseking legt den Finger in die Wunde.

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Bernd Giesekings Jahresrückblick unter dem Motto „Ab dafür“ ist bekannt und seit mittlerweile 22 Jahren beliebt in der Region. Regelmäßig ist er in Lübbecke-Gehlenbeck und nach fünf Jahren einmal wieder für das Publikum in Espelkamp auf der Bühne. „Kabarett im Theaterfoyer“ nennt sich die Reihe des Volksbildungswerkes. Gieseking lockte mehr Zuschauer an als andere zuvor – er ist eben eine lokale Kabarettgröße. Im Publikum auch sein sicherlich größter Fan aus Kutenhausen: „Unser Mudder, Ilse“.

Auf nackter Bühne legte der jetzt in Dortmund lebende Kabarettist einen Parforceritt durch alle – zumeist bedrückenden – Themen des Jahres 2015 hin. Gieseking moderiert stets den Karikaturenwettbewerb in Dresden und hat damit Kontakt zu allen bekannten Karikaturisten in Deutschland. So ging er naturgemäß auf die schrecklichen „Charlie Hebdo“-Attentate ein. Die VW-Abgasschummelei stand ebenso wie die Baustelle des neuen Berliner Flughafens auf der Tagesordnung: „Man muss sich das mal vorstellen. Die so genannten Brandschutzexperten waren gar keine! Na ja, ist ja auch kein Flughafen“, meinte Gieseking lapidar.

Die gekaufte WM 2006 und Finanzminister Schäuble mit seinen Ränkespielen um Griechenland durften natürlich ebenfalls nicht fehlen. Thema Fifa-Funktionnär Josef Blatter: „Wussten Sie, dass Blatter 2005 das Bundesverdienstkreuz für sich gefordert und schlussendlich auch erhalten hat?“ Der geneigte Leser und auch der Autor dieser Zeilen muss sich einen neuen Begriff merken: Zweitoriginale! Das nämlich sind die Pokale im brandneuen Fußballmuseum Dortmund, das zeitgleich mit dem DFB-Skandal eröffnet wurde.

Mit der unerträglichen rechten Hetze ging Gieseking ebenso ins Gericht wie mit Pegida-Aufmärschen.

Eine Lanze für die Leute, die „normal“ essen und keine Vegetarier oder Veganer sind, brach er mit den Worten: „Wir können später einmal sagen: Uns hat es wenigstens geschmeckt.“ Nachdenklich-lustig imaginärer Telefonanruf vom kürzlich verstorbenen Helmut Schmidt aus dem Himmel: Gieseking: „Darf man da oben rauchen?“ Schmidt: „Die Hölle ist hier näher als man denkt.“

Ob Germanwings-Absturz, Paternostergesetz oder G7-Gipfel in Bayern – Gieseking fand an allen Themen die „weiche Stelle“ oder den Haken. Am besten waren, wie schon in der Vergangenheit, die Passagen, die ihn persönlich betroffen haben. So wie der Versuch, als kleiner Junge auf Kanzlers Weide ein Pony durch Handauflegen à la Winnetou zu beschleunigen. Das arme Pferd blieb stehen. Das Publikum fand‘s komisch und applaudierte stets heftig. Ein gelungener Abend!

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