Berlin Comedian Harmonists: Jubiläumsprogramm zeigt sich als runde Sache

Ein Stück Musikgeschichte

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Passend zum Blumentopflied zogen die Herren der Berlin Comedian Harmonists eine Miniaturausgabe aus dem Frack.

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Wer an Musik der 20er- und 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts denkt, kommt unwillkürlich auf die legendären Comedian Harmonists aus Berlin. Im Radio und im Fernsehen trifft man kaum noch auf deren skurrile Klassiker wie „Ich wollt ich wär ein Huhn“. Auf der Bühne ist das anders: Seit gut zehn Jahren halten die Berlin Comedian Harmonists das musikalische Erbe des Männersextetts am Leben.

Nach über 1000 Konzerten weltweit war die leicht ergraute „Boygroup“ nun zum Saisonbeginn zu Gast auf der Bühne des Espelkamper Theaters. Passend zum Zehnjährigen hat Autor und Regisseur Lars Wernecke für die Herren im eleganten Frack eine turbulente Mischung aus Theater- und Musikprogramm konzipiert. Diese erwies sich im ersten Teil, in dem es eher um die Erfolge und das Schicksal der Originalbesetzung ging, als etwas zäh.

Allerdings ist die Geschichte des Sextetts, das sich aufgrund des Naziregimes 1938 zwangsläufig in einen jüdischen und einen „arischen“ Teil aufspaltete, nicht ganz so lustig und unbeschwert, wie man es sich eigentlich für erfolgreiche und geschätzte Musiker wünschen würde. Die zunächst von den Nazis geduldete Formation benannte sich um in „Meister Sextett“, die nach Wien emigrierte Sängergruppe nannte sich fortan „Comedy Harmonists“. Beide Hälften mussten sich mühevoll neue Mitsänger suchen.

Trotz aller Geschichtsträchtigkeit: Die Gassenhauer von damals sind wirklich lustig und zum Teil dadaistisch angehaucht: „Der kleine grüne Kaktus“ ist nur ein Beispiel davon. Kaum zu glauben, dass nach 1938 auch „Ein Freund, ein guter Freund“ in Deutschland nicht mehr gesungen werden durfte. Grund dafür war der jüdische Komponist.

Dass die Berliner Herren auf gleich hohem Niveau singen wie andere A-Capella-Gruppen à la MaybeBop und Basta, stellten sie nicht nur beim unvermeidlichen „Veronika, der Lenz ist da“ und „Ich hab für dich 'nen Blumentopf bestellt“ unter Beweis. Dabei zeigten sich vor allem Bariton Olaf Drauschke als König der Mimik und Philipp Seibert als Meister der angedeuteten Slapstick-Einlage.

Leicht ironisch gingen die aktuellen „Harmonisten“, Olaf Drauschke (1. Bariton), Ralf Steinhagen (2. Tenor), Horst Maria Merz (Klavier), Holger Off (1. Tenor), Wolfgang Höltzel (Bass) und Philipp Seibert (2. Bariton) mit sich selbst ins Gericht. Tenor Holger Off verkündet mitten im ersten Teil, dieses sei nun sein letztes Konzert, er habe genug. Das wollen die Kollegen nicht auf sich sitzen lassen – flugs beschlossen sie, den zweiten Teil des Abends der Lebenswirklichkeit des geschätzten Kollegen anzupassen und ihn somit bei der Stange zu halten.

Spannung kommt auf. Kommt Holger im zweiten Teil wieder? Der Kaktus wird ohne ihn gesungen. Dann taucht er auf. Erleichterung auch im Publikum. „Ich hatte noch eine Ratte in der Garderobe….“ Gelächter im Saal, die Stimmung steigt.

Dann erwartete das fast ausverkaufte Theater ein bunter Streifzug durch die Jahrzehnte: Für die 40er-Jahre stand ein wunderschönes „Moonlight Serenade“, für die Wirtschaftswunderzeit, die 50er, intonierten die Herren „Buena sierra Signorina“. Passend zum jeweiligen Jahrzehnt gab es auch ein paar prägende Daten, wie für die 60er zum Beispiel die Mondlandung.

Besonders lustig wurde es bei den 80er- und die 90er-Jahren: Nenas „99 Luftballons“ machten Bekanntschaft mit dem kleinen grünen Kaktus und Michael Jacksons „Bad“ mutierte zu „Du bist zu fett“. Eine italienische Eigenkomposition von Horst Maria Merz zeigte ganz große Gefühle, liebevoll geschrieben und prächtig interpretiert.

Nach drei Zugaben unter stehenden Ovationen gingen die Theatergäste zufrieden nach Hause.

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