Herbstlicher Benkhausen-Rundgang gibt Einblick ins Leben der Baronen

Spaziergang mit Geschichte

+
Aufmerksam hörten fast 40 Spaziergänger den Erläuterungen Angelika Gauselmanns im Garten von Benkhausen zu. 

Espelkamp - Die ersten Bäume im Benkhausener Park verfärben sich. Die trockenen Blätter bilden auf den Gehwegen und im englischen Garten einen weichen Unterbau, der sich in den warmen Rottönen der Herbstsonne wiederspiegelt. Auch auf den Wegen sind die ersten Boten des Herbstes zu finden. Angelika Gauselmann führte kürzlich eine Gruppe von Interessierten durch den Park.

In Kooperation mit den Espelkamper Stadtführern hatte sie in die eindrucksvoll gestaltete Grünzone eingeladen, die sich zur vollen Pracht entfaltet, heißt es nun in einer Pressemitteilung. Gut 40 Personen folgten ihren Spuren und waren beeindruckt vom Wissen Gauselmanns, die auch zu den einzelnen zum Teil jahrhunderte-alten Baumriesen jeweils eine Geschichte erzählte.

In einer Schlitz-Buche war vor vielen Jahren der Blitz eingeschlagen. Sie hat trotz der Zerstörung wieder angefangen auszuschlagen. Man könnte fast von einem Naturwunder sprechen. Angelika Gauselmann berichtet von dem Unwetter Ende Juni, das vor allem in Rahden und der Altgemeinde Zerstörungen anrichtete. „Da hatten wir im ganzen Schloss Stromausfall. Nichts ging mehr“, erinnerte sie sich.

Anschließend ging es noch in die Rentei, die zu Zeiten des Barons von dem Bussche-Münch für die Arbeiter und Angestellten auf dem Gutsbetrieb die Zahlstelle war. Bei einem Getränk las Angelika Gauselmann einige Passagen aus den Erläuterungen des Professors Pöppinghege von der Universität Paderborn vor, der sich intensiv mit der Geschichte des Schlosses und auch der Familiengeschichte der Besitzer beschäftigt hatte.

Auch die Baronin Helga von dem Bussche-Münch ließ er dabei nicht aus. Erwähnt wurden Tagebuch-Eintragungen von 1933 bis 1939. Dabei wurde deutlich, dass sich die Baronin oftmals einsam und verlassen vorkam und auch die Abgeschiedenheit des Gutes nicht sehr schätzte.

Einen sehr hohen Stellenwert hatte die angenommene Tochter Christa, was man den Aufzeichnungen entnehmen kann. Alhardt von dem Bussche-Münch war von 1935 bis 1945 ehrenamtlicher Bürgermeister im Amt Alswede. Beschäftigt waren auf dem Schloss überwiegend ausländische Arbeitskräfte. Dabei handelte es sich in der Regel um zivile Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa. Immer wieder wird die Nähe des Barons zum Nationalsozialismus deutlich, wie Pöppinghege in seinen Aufzeichnungen darstellt. „Er war ein loyaler Funktionsträger des NS-Herrschaftssystems“, so Pöppinghege im Rahmen seiner Ausführungen.

Weiter berichtete der Geschichtsexperte: Immer wieder musste der Baron Land verkaufen, um die leeren Kassen des Gutes zu füllen. Allein 1931/32 waren es 300 Morgen, für die er 480 000 Reichsmark erhielt. Dabei handelte es sich um Bauplätze und landwirtschaftliche Parzellen. Auch die Wehrburg in Spenge gehörte einmal zu Benkhausen. Auf der anderen Seite stellte der Baron für kommunale Straßenbauprojekte seine Flächen kostenlos zur Verfügung. Später verkaufte er auch Forstbesitz in Mittwald. Das war der Grundstein für den anschließenden Bau der Muna.

Auf dem Besitz in Benkhausen wuchsen besonders gut Apfel- und Birnenbäume. Sie hatten eine so hohe Qualität, dass das berühmte Nobelhotel Adlon in Berlin damit beliefert wurde.

Zum Abschluss der Veranstaltung führte Gunter Kramer die Gruppe zur Begräbnisstätte, wo der Baron unter Dornen begraben wurde.

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Besucher erleben Zauber der Leverner Weihnachtswelt

Besucher erleben Zauber der Leverner Weihnachtswelt

Digitalisierung der Ortsgeschichte schreitet voran

Digitalisierung der Ortsgeschichte schreitet voran

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Sattelzüge prallen zusammen

Sattelzüge prallen zusammen

Kommentare