„4YourEyesOnly“: Vom Selfie bis zum Terror

Schöne neue Medienwelt entlarvt

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Ausdrucksstark und ohne den erhobenen Zeigefinger: Anouk (Johanna Pollet) und ihr Freund Kian (Philip Butz) agieren auf karger Bühne. Deutlich wird, dass digitale und reale Welt sich nicht trennen lassen.

Espelkamp - Von Volker Knickmeyer. Facebook, Twitter, WhatsApp und wie sie alle heißen – wer die neue Medienwelt richtig nutzt, kann Freunde finden und sein Leben erhellen. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen: Cybermobbing und Hass-Postings, wie sie jetzt in der Flüchtlingskrise verstärkt auftreten, sind die Stichworte. In der angeblichen Anonymität des Internets kann bislang fast folgenlos gehetzt und polarisiert werden.

Gerade jungen Leuten sollten deshalb Eltern und Lehrer Hilfestellung geben, virtuelle Situationen richtig einzuschätzen. Lehrreich, aber nicht belehrend war in diesem Zusammenhang das Stück „4YourEyesOnly“ des Westfälischen Landestheaters, welches speziell für Jugendliche ab 13 Jahren von Autorin Esther Rölz geschrieben und jetzt auf der Espelkamper Theaterbühne gezeigt wurde.

Das Jugendstück zum Thema Cybermobbing und Medienkompetenz wandte sich an Schüler Espelkamper Schulen und darüber hinaus, aber leider war der Theatersaal nicht einmal halbvoll. Im Vorjahr war das Stück „Tschick“ deutlich besser besucht. Schaltet die Zielgruppe 13 bis 20 die Ohren auf Durchzug und möchte sich nicht „belehren“ lassen? Wie auch immer; die, die gekommen waren, hörten zumeist aufmerksam zu und hatten Spaß, der aber manchmal im Halse stecken blieb.

Anouk, intensiv gespielt von Johanna Pollet, ist das attraktive Mädchen von nebenan, ihr Freund Kian (Philip Butz) der coole Typ, der scheinbar alles im Griff hat. Auf der kargen Bühne stehen nur wenige Requisiten, ein Bett, ein Schreibtisch und etwas Deko. Anouk und Kian spielen auf der linken, der hellen Seite der Bühne. Den rechten, dunklen Teil der Bühne dominiert Außenseiter Sven (Maximilian von Ulardt). Der Mützenträger daddelt brutale Videospiele und macht einen eher deprimierten Eindruck, also ein willkommenes Opfer für Draufgängertypen wie Kian.

Als die Mitschüler entdecken, dass Sven es auf Anouk abgesehen hat, ist die Treibjagd auf beide Jugendliche eröffnet. Kian und seine Kumpel greifen sich den introvertierten Außenseiter und bemalen seinen Hintern. Das Ergebnis war auf der Bühne zu bewundern. Wie heute keine Seltenheit, findet ein Handy-Video von der Aktion seinen Weg ins Netz. Realität und Computerwelt vermischen sich auf der Bühne immer mehr. Über ein Bonsai-Forum schleicht sich Sven wieder an Anouk ran, Kian macht Szenen. Die Handlung artet immer mehr aus. Schließlich taucht ein gefälschter Sexfilm von Anouk im Internet auf. Zu jeder neuen Einstellung wird ein Song der 70er-Kultband „Doors“ eingespielt. Gut gemacht!

Anouk rächt sich schließlich auf ihre Art an den Mobbern, die ja nicht aus Bits und Bytes bestehen, sondern Menschen mit Empfindungen sind. Vor der Webcam simuliert sie einen Selbstmordversuch, der täuschend echt wirkt. Nach Ansicht dieses Stückes möchte man gar nicht genau wissen, was alles im World Wide Web abläuft. Den Initiatoren und Akteuren kann man in jedem Fall zu diesem Aufklärungsstück nur gratulieren.

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