41-jähriger Angeklagter erinnert sich nicht mehr an Unfall / Fortsetzungstermin

Probefahrt endet tödlich

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Rahden - Für einen schweren Unfall, bei dem sein 40-jähriger Beifahrer verstarb und er schwer verletzt wurde, musste sich der Fahrer gestern vor dem Rahdener Amtsgericht verantworten. Da nicht alle Umstände geklärt werden konnten, steht das endgültige Urteil noch aus. Der Führerschein des Angeklagten wurde beschlagnahmt, der Tatverdacht der fahrlässigen Tötung aufrechterhalten.

Vermutlich bei der Probefahrt mit einem Mazda RX7 hatte sich der Unfall Anfang November in Espelkamp ereignet. Aufgrund der schweren Verletzungen kann sich der Angeklagte Angaben seiner Verteidigerin zufolge aber nicht an den Unfall erinnern – nicht einmal, ob er überhaupt am Steuer gesessen hatte. Darauf deuten aber zahlreiche Spuren hin, wie anhand eines Gutachtens von einem von der Polizei beauftragten Sachverständigers deutlich wurde.

Er berichtete vom stark beschädigten Sportwagen, bei dem die Beifahrertür abgetrennt, die Fahrertür geöffnet und die Windschutzscheibe herausgebrochen war. Man könne von einer „starken Krafteinwirkung durch den Aufprall“ sprechen, so der Gutachter.

Der 41-Jährige war laut Anklage mit seinem Freund auf der Bremer Straße (B239) Richtung Lübbecke unterwegs. Nach zwei Überholmanövern in Höhe der Abfahrt zur Gabelhorst kam der Wagen von der Fahrbahn ab und überschlug sich mehrfach. Die Insassen wurden aus dem Fahrzeug geschleudert. „Die Sicherheitsgurte waren ohne Beschädigung“, berichtete der Sachverständige – die Männer seien nicht angeschnallt gewesen. Ob der Gurt die Folgen hätte mindern können, sei spekulativ.

Bei dem Überschlag hatte das Auto einen Baum in drei Meter Höhe abgetrennt und war mit der Front zur Straße im Graben liegen geblieben. Ferner deuteten die Spuren darauf hin, dass der Fahrer früh aus dem Auto geschleudert wurde, da er weit entfernt gelegen habe und die Tür später nach Innen gedrückt worden war.

Bei dem Unfall erlitt der Angeklagte schwere Kopfverletzungen und ein Schädelhirntrauma. Sein Freund verstarb an der Unfallstelle. Aus dem Obduktionsbericht ging hervor, dass der 40-Jährige mehrfache Rippenbrüche, eine Kopfwunde und Einrisse der Aorta erlitten hatte und durch „hochgradig stumpfe Gewalteinwirkung auf den Oberkörper“ ums Leben gekommen war. Diese könne vom Lenkrad ausgeübt worden sein.

Wenn sich der Angeklagte auch nicht mehr an den Unfall erinnern konnte, so identifizierte er anhand der Beweisfotos seine Kleidungsstücke. Mithilfe eines Dolmetschers bestätigte er die Möglichkeit, dass er gefahren sei. Unter seinen Schuhen war zudem ein v-förmiger Abdruck festgestellt worden – mit großer Wahrscheinlichkeit habe der Lastwagenfahrer also am Steuer gesessen, geht aus dem Gutachten hervor. „Nur bei hohem Druck auf das Bremspedal entstehen solche Spuren“, erklärte der Sachverständige.

Vermutlich habe der Beifahrer ein Bein auf dem Armaturenbrett gehabt, las er aus seinen Unterlagen vor. „In dem Mazda ist es sehr eng und es gibt keine anderen Sitzmöglichkeiten, als dicht am Handschuhfach“, sagte er. Daher rührten auch die roten Spuren an den Hosenbeinen des verstorbenen Beifahrers.

„Bislang ging es um die Frage nach dem Fahrer“, erinnerte der Staatsanwalt nach der Beweisaufnahme. Nun müsse geklärt werden, ob der angeklagte Lastwagenfahrer, der derzeit Krankengeld erhält, mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sei. Dies könne man aufgrund des stark deformierten Wagens bislang nur vermuten.

An der Einmündung der B239 sind 70 Stundenkilometer vorgeschrieben. Ob in dem Bereich Überholverbot ist, darüber mochten Richter Hagenkötter, der Staatsanwalt und die Verteidigerin nicht urteilen. Ein Foto von der Beschilderung der Gegenfahrbahn lasse diese Vermutung aber zu, so der Sachverständige.

Richter Hagenkötter erinnerte auch an diverse vorangegangene Verkehrsdelikte des 41-Jährigen. So sei ihm im Jahr 2005 zum ersten Mal der Führerschein entzogen worden. Hinzu kam der Tatbestand Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit im Straßenverkehr sowie mehrmalige Überschreitungen von Höchstgeschwindigkeiten.

Für ein weiteres Gutachten und Beweise gab Richter Hagenkötter den Verantwortlichen eine dreiwöchige Frist. Die Verhandlung soll dann am Dienstag, 21. Juli, um 10 Uhr vor dem Rahdener Amtsgericht fortgesetzt werden.

abo

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