Mühlentag in Wehe mit Darbietungen

Der erste Kuchen um 9 Uhr fertig

Die Flegeldrescher des Heimatvereins Sielhorst demonstrierten den Besuchern an der Weher Bockwindmühle, wie früher in Handarbeit das Korn aus den Ähren geholt wurde.

Rahden - WEHE (ges) · Wenn Heinrich Wiegmann das Thema Ehrenamt anschneidet, dann weiß er ganz genau, wovon er spricht. „Um halb Fünf war ich heute Morgen schon hier“, verrät er und lässt sich im Müllerhaus an der Weher Bockwindmüle ein leckeres Stück Pflaumenkuchen mit Schlagsahne schmecken.

         „Ohne ehrenamtliche Unterstützung könnten wir unsere monatlichen Mahl- und Backtage gar nicht durchführen“, teilte Wiegmann am Rande des Aktionstages mit, der wegen der historischen hölzernen Technik in der vor 360 Jahren erstmals urkundlich erwähnten Bockwindmühle diesmal in den bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ eingebettet war. „Wenn wir unseren Helfern auch nur einen Stundenlohn von 2 Euro zahlen müssten, dann wären wir schnell in den roten Zahlen.“

Heinrich Wiegmann marschiert bei den acht öffentlichen Mahl- und Backtagen sowie zahlreichen privaten Führungen zumeist vorneweg. Auch am Sonntag wieder. „Um vier Uhr konnte ich nicht mehr liegen, da bin ich zum Backhaus gefahren, habe die Glut verteilt, den Teig angesetzt und für eine halbe Stunde den Kneter in Bewegung gesetzt. Dann waren auch schon weitere Helfer da, und wir haben gemeinsam gefrühstückt. Weil das Wetter mitspielte, gab es mit dem Hefeteig keine Probleme. Der erste fiel gebnau so aus wie der zwei Stunden später. Das ist nicht immer so.“

Nach der gemeinsamen Stärkung wurden die letzten Vorbereitungen für das Backen getroffen, der Teig aufgeteilt und das Ofenloch von der Asche befreit, damit sich die Hitze verteilen konnte. „Wir haben den Teig auf die bereit stehenden Bleche verteilt, für den Pflaumenkuchen etwas mehr als für den Butterkuchen. Die ersten Platen waren gegen 9 Uhr gar, dann ging es Schlag auf Schlag weiter. Die Pflaumen, mit denen wir den Teig belegt haben, wurden wie jedes Jahr   vom    Obsthof Wickemeyer aus Bad Holzhausen geliefert.“

Neben dem Obstkuchen („beim nächsten Mal werden wir wohl Apfelkuchen backen“) garten im Feuerloch des Backhauses auch Butterkuchen sowie Rosinenstuten und -brötchen. „Ohne Dinkelwaffeln wäre ein Mühlentag bei uns gar nicht denkbar“, wies Wiegmann daneben noch auf die kulinarische Leckerei aus der Küche des Müllerhauses hin – wie immer serviert mit Kirschen und Schlagsahne. Eine lange Menschenschlange am Verkaufstresen machte erneut die Beliebtheit der Weher Dinkelwaffeln deutlich.

Zu den Besuchern des Tages zählte auch eine größere Gruppe der Rollerfreunde Weserbergland, die sich insbesondere für die Mühlentechnik interessierten, aber auch den Tonnenheider Strickeschlägern Harald Wehebrink, Herbert Estermann, Manfred Palenberg und Gerhard Ahlemeier bei ihrer in früheren Jahren auf jedem Hof üblichen Arbeit über die Schultern schauten. Zudem verweilten sie bei den Flegeldreschern des Heimatvereins Sielhorst, die mit ihren Darbietungen ebenfalls zum Gelingen des Nachmittags beitrugen. Bevor die sechsköpfige Flegelgruppe mit ihrer schweißtreibenden Handarbeit begann, hatten sie mit Karl-Heinz Kopmann, dem Vorsitzenden des Sielhorster Heimatvereins, Hocken aufgestellt, eine Kornsäuberungsmaschine betriebsbereit gemacht, mit der – ebenfalls in reiner Handarbeit – in früheren Zeiten die Spreu vom Korn getrennt wurde, und hölzernes Arbeitsgerät zur Besichtigung aufgereiht. Zwei Frauen waren auch dabei. „Sie sind für die Brotwasserversorgung zuständig“, erläuterte Kopmann wohl eher scherzhaft.

Heinrich Wiegmann zeigte sich am Abend, als die Räumlichkeiten bereits wieder von den Spuren des Mühlentages beseitigt wurden, mit dem Verlauf des Mahl- und Backtages sehr zufrieden. Einen ähnlich guten Besuch wünscht er sich auch für den 3. Oktober, dann findet an der Bockwindmühle von 10 bis 17 Uhr der achte und letzte Backtag der Saison statt – mit Ausstellungen in der Mühlenscheune, frischem Pickert und den üblichen Spezialitäten aus dem Backhaus.

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