Experte von der Technischen Universität Dortmund plädierte bei Fachausschusssitzung für eine Gemeinschaftsschule

Dr. Ernst Rösner: Stemweder-Berg-Schule stärken

Die Stemweder-Berg-Schule stärken: Dr. Ernst Rösner plädierte in der Sitzung des Stemweder Schul-, Kultur- und Sportausschusses für eine Gemeinschaftsschule.

Haldem - (SoR) · „Die gerade gegründete Verbundschule ist perspektivisch nicht aufrecht zu erhalten.“ Dr. Ernst Rösner von der Technischen Universität Dortmund fand deutliche Worte zur Schulsituation in Stemwede in der Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses im Gasthaus Rosengarten in Haldem.

Zahlreiche Eltern verfolgten die Sitzung. Der Fachmann plädiert für eine Gemeinschaftsschule, um die Stemweder-Berg-Schule zu stärken.

„Das Schulwahlverhalten der Eltern wird sich auch in den nächsten Jahren zugunsten des Gymnasiums weiter verändern“, führt Dr. Ernst Rösner an. Er ist seit 2006 am Institut für Schulentwicklungsforschung als Leiter der Abteilung „Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ beschäftigt und berät unter anderem auch die Stadt Petershagen in Fragen der Schulentwicklungsplanung. Seit 2007 ist er zudem Vorsitzender des Beirates zur Einführung von Gemeinschaftsschulen in Berlin. Die Eltern würden sich höherwertige Abschlüsse für ihre Kinder wünschen, um den sozialen Status aufrecht zu erhalten. Verlierer seien die nicht gymnasialen Bildungsgänge, die überproportional zur demografischen Entwicklung vom Schülerrückgang betroffen seien.

Ein wohnortnahes, vollständiges Bildungsangebot mindestens bis Ende Sekundarstufe I würde die Attraktivität der Stemweder Schullandschaft erheblich steigern, argumentiert Dr. Ernst Rösner. Durch die Einführung einer Gemeinschaftsschule könnten auch in Stemwede gymnasiale Standards vorgehalten werden.

Die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule findet jahrgangsweise statt. In den Klassen 5 und 6 wird gemeinsam unterrichtet ohne Zuordnung nach Schulformen. Der Klassenfrequenzrichtwert beträgt 22 bis 23 Schüler und ist damit niedriger als an anderen weiterführenden Schulen. Die Differenzierung ab Jahrgang 7 liegt im Ermessen der Schule. Gemeinschaftsschulen sind gebundene Ganztagsschulen, ausnahmsweise können auch offene, flexible Ganztagsangebot eingerichtet werden. Am Ende der Klasse 10 können alle für die Sekundarstufe I vorgesehenen Abschlüsse erreicht werden.

In Stemwede wäre eine maximal vierzügige Gemeinschaftsschule denkbar, so Rösner. Für die Oberstufe müsste mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg kooperiert werden. Die Schüler haben einen Anspruch auf die Aufnahme in dieser Oberstufe, können aber auch eine andere Oberstufe wählen. Das Abitur wird nach neun Jahren (G9) erworben.

„Die Gemeinschaftsschule ist eine Leistungsschule mit sichtbar gymnasialen Standards“, erklärt Dr. Rösner. Von den Lehrern werde verstärkt individueller Unterricht verlangt. Bis zu einem Drittel der Lehrkräfte sollen die Befähigung für das Gymnasium haben.

Zurzeit können Gemeinschaftsschulen im Rahmen eines auf sechs Jahre angelegten Modellversuchs mit Genehmigung des Landes NRW eingeführt werden. „25 Interessenbekundungen liegen schon vor“, weiß Rösner. Mehr als 50 Modellversuche werde es aus rechtlichen Gründen wohl nicht geben.

Voraussetzung für die Umwandlung einer bestehenden Schule in eine Gemeinschaftsschule sind ein Grundsatzbeschluss des Rates, ein pädagogisches Konzept, eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit, eine anonyme Elternbefragung sowie das gemeindliches Einvernehmen mit den benachbarten Schulträgern, dass es dort zu keiner Bestandsgefährdung kommt.

Jürgen Ehlers, Leiter der Verbundschule, sieht in der Gemeinschaftsschule eine große Chance für Stemwede. „Es braucht aber eine nachhaltige und verlässliche Unterstützung der Politik, auch in finanzieller Hinsicht“, erklärt er. SPD und Bündnis 90/Grüne sprachen sich für einen Vorratsbeschluss in Richtung Gemeinschaftsschule aus. Auch Bürgermeister Gerd Rybak hätte gern „einen Fuß in der Tür“ in Düsseldorf. CDU und FWG brauchen jedoch noch Bedenkzeit. „Wir wollen keine Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen“, sagte Inge Hüsener (CDU). Vor einer endgültigen Entscheidung soll die Angelegenheit jetzt kurzfristig in den einzelnen Fraktionen beraten werden. Da sich im Zusammenhang mit der möglichen Gemeinschaftsschule unter Umständen neue Überlegungen hinsichtlich des Standortes für die gemeinsamen Verwaltungsräume an der Stemweder-Berg-Schule ergeben könnten, soll darüber in der letzten Ratssitzung des Jahres entschieden werden.

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