Als das Ei noch fünf Pfennige kostete / Sitten und Bräuche zu Ostern

40 auf einen Streich

Über Ostereier und Bräuche zum Osterfest werden heimische Rassegeflügelzüchter und Ostereierverzierungskünstler am Ostermontag auf einem Aktionstag im Rahdener Museumshof informieren.

Rahden - RAHDEN/STEMWEDE (on) · Die Kinder freuen sich: „Morgen kommt der Osterhase“. Das war früher so und ist auch noch heute der Fall. Seit dem 13. Jahrhundert kennt man in Deutschland das Osterei, das als Symbol für die Ostertage gilt, ob nun in süßer Form oder als Hühnerei, das man leichthin den Hasen untergeschoben hat.

Ei und Hering, beide kosteten früher fünf Pfennige, galten einst als arme Landsleutekost. Auf den Bauernhöfen war es noch bis nach dem letzten Krieg üblich, dass die Bäuerin aus dem Verkauf der Hühnereier den Haushalt zu bestreiten hatte. In der Regel galt dies für 30 bis 35 Hühner. Dabei legten sie auch gerne mal einige Groschen zurück, um zu besonderen Festtagen ein Viertelpfund Kaffee zu kaufen. Ansonsten wurde Ersatzkaffee getrunken.

Hühner-, Enten- und Gänseier, letztere wurden auch zum Pickertbacken verwendet, waren so die „Sparkasse“ der Bäuerin, mit deren Inhalt sie sehr sorgsam umging. Zu Ostern aber galt diese Regel nicht. Da wurde oft ein ganzer Korb voller Eier gekocht. Mit Holzkohle und Farbstiften wurden die Schalen bemalt.

Schon Tage vor dem Fest bauten die Kinder im Garten und an den Hauswänden aus Moos, Holz und Stein Osternester, um den Osterhasen zu veranlassen, recht viele Eier zu legen. Damals gab es aber auch Familien, in denen die Armut so groß war, dass sie sich zum Osterfest keine Eier leisten konnte und sie lieber verkauften.

Alte Sitten und Gebräuche bestimmten den Ablauf der Ostertage. Dabei spielte auch das Osterei eine bedeutsame Rolle. Gekocht und gebraten wurden sie in Mengen verzehrt. An den Osterfeuern wurden, besonders unter der Jugend, gerne Wetten abgeschlossen, wer die meisten Ostereier essen konnte. Da brachten es Teilnehmer schon mal auf ein Dutzend und mehr.

Im Rahdener Land gab es einen schwergewichtigen Saatguthändler, der per Fuß von Haus zu Haus und von Hof zu Hof ging, um Saatgut zu verkaufen. Er tat dies besonders gerne zur Osterzeit, weil seiner Meinung nach dann die Landleute am besten Zeit hatten. Bei seinen Besuchen wurde ihm aus Gastfreundschaft auch mal ein Osterei angeboten, das er nie verschmähte sondern mit Wohlbehagen verzehrte. Bei einer Wette, so die Überlieferung, soll er sogar mehr als 40 Hühnereier auf einmal gegessen haben.

Noch 20 Eier mehr soll ein listiger Wetter verzehrt haben, der sie roh in die Pfanne schlug, sie beim Braten miteinander vermischte und den Eierbrei so lange rührte, bis nur noch ein kleiner Rest vorhanden war, den er dann leicht verzehren konnte.

Der Brauch, am Abend des ersten Ostertages ein Osterfeuer abzubrennen, ist auch heute noch weit verbreitet. Rings um die Osterfeuer wurden früher gerne Spiele, wie der „Plumssack geht um“ oder „Blinde Kuh“ durchgeführt, wurden mit Holzkohle aus dem Feuer die Gesichter geschwärzt, wobei oft die Mädchen Opfer der Buben wurden. Der Sprung über die Glut des Osterfeuers galt als eine besonders gerne und oft ausgeübte Mutprobe der jungen Welt.

Jung und Alt fassten sich an den Händen und tanzten, weltliche und auch geistliche Lieder singend, um das Feuer. Hier und da kannte man auch das Osterreiten, bei dem die Reiter einen Osterkranz, der an einem Baumast oder an einem Holzmast angebracht war, abzureißen hatten.

Im Rahdener Museumshof wird am Ostermontag über Ostereier und alte Bräuche zum Fest informiert.

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