Bundesministerin spricht im Espelkamper Bürgerhaus über sich und Arbeitsmarkt-Ideen

Auf eine Tasse Kaffee mit Ursula von der Leyen

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Eine Tasse Kaffee reichte der Ministerin: Ursula von der Leyen sprach gestern vor rund 100 „Entscheiderinnen“ aus der Region und wenigen Herren. ·

Rahden - ESPELKAMP · Für 100 „Entscheiderinnen“ aus der Region und wenige Herren wurde der Besuch von Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, in Espelkamp zu einem Wohlfühltermin.

Zu Kaffee und belegten Brötchen gab es gestern auf Einladung von CDU-Bundestagskandidat Steffen Kampeter im Bürgerhaus zuerst erfrischende Anekdoten aus dem Haushalt der (echten) Von der Leyens und später klare politische Ansagen.

Die siebenfache Mutter kam überpünktlich, verschwand zwischen den Frauen in der Schlange am Büfett und stellte sich schließlich munter Kampeters Fragen. Die von der CDU angekündigte Diskussion blieb aus. Der heimische Bundestagsabgeordnete bildete mit seiner starken Statur und seinen unverblümten Fragen einen interessanten Gegenpol zu der schmalen Powerfrau – das war unterhaltsam. Von der Leyen erzählte von ihrem Zuhause, ihren Kindern und einer Zeit ohne Tagesmütter und Kitas.

Wenn es eine gute Kinderbetreuung gebe und die Verantwortung auf die Schultern von Vater und Mutter verteilt werde, könne man als junge Familie erfahren, „wie viel Luft man dann unter den Flügeln hat“, sagte sie. Am eigenen Leib hat die Ministerin das in den USA erfahren. Das sei auch ein Grund gewesen für Elterngeld, Vatermonate und den Ausbau der Krippenplätze. Lobend sprach die ehemalige niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit über die Kanzlerin und ihre ruhige Art in schwierigen Situationen im Kabinett.

Dann ging es verstärkt in ihr Ressort: Der Arbeitsmarkt brummt, „aber man muss sehr aufpassen, dass es auf diesem Niveau weitergeht“, sprach Von der Leyen die Fachkräfte-Suche und die Beschäftigung älterer Menschen an. Frauen machten 71 Prozent an der deutschen Erwerbsbeteiligung aus, die meisten davon aber in Teilzeit. Hier forderte sie für die Zeit nach arbeitsfreien Phasen ein „Rückkehrrecht in Vollzeitstellen“. Dann würden auch mehr Männer Teilzeitarbeit wollen. Die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau betrage 23 Prozent. Da sage die SPD, sie wolle branchenübergreifend die gleichen Löhne. Nach Von der Leyens Ansicht ist das der falsche Weg – wie zuletzt in der Pflege gelte es Sparte für Sparte Mindestlöhne einzuführen, nach entsprechenden Verhandlungen der Gewerkschaften und der Arbeitgeber. „Das einfache Gesetz gegen eine Lohnungleichheit gibt es nicht“, versicherte Von der Leyen. „Gysi, Trittin und Gabriel“ verstünden davon so viel „wie die Kuh vom Geige spielen“. Eine Mindestlohn-Entwicklung solle man den Tarifparteien überlassen. Es folgten Plädoyers für eine Frauenquote, die Rente bis 67, eine Rentenaufstockung für Geringverdiener und die Riester-Rente.

Den Ärztemangel im ländlichen Raum zu beheben, ist laut der Christdemokratin Aufgabe der Kassenärtzlichen Vereinigung. „Viele junge Ärzte wären bereit, aufs Land zu ziehen“, sagte sie. Eine Praxis zu kaufen, stelle für diese aber ein Risiko dar. Die Ministerin sprach für ein Anstellungsverhältnis zwischen jungen Landärzten und der KV – dann sei auch das Aufteilen einer Praxis möglich. Für gute Rahmenbedingungen, etwa durch Kinderbetreuungsmöglichkeiten, wolle die Politik sorgen.

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