Burkhard Seeberg informierte Realschüler über seine Zeit im Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Einblicke in eigene Stasi-Akte gegeben

Leistet Aufklärung: Burkhard Seeberg berichtet im Auftrag der Gedenkstätte im ehemaligen Stasti-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen über seine Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland. Susanne Schlottmann, Fachschaft Geschichte, hat sich für den Zeitzeugenvortrag für die Zehntklässer der Schule stark gemacht. ·

Rahden - Mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall verblasst die Erinnerung an die SED-Herrschaft. Insbesondere junge Menschen, die die DDR nicht aus eigener Anschauung kennen, haben Schwierigkeiten, sich das Leben in einer kommunistischen Diktatur vorzustellen.

In einer eindrucksvollen Zeitzeugenveranstaltung für alle Zehntklässler der Freiherr-vom-Stein-Realschule berichtete jetzt der ehemalige Stasi-Häftling Burkhard Seeberg über seine Erfahrungen mit dieser Diktatur in Ostdeutschland.

„Die Unwissenheit ist teilweise erschütternd“, sagt der Münsteraner. Um dem entgegenzuwirken und eine Verklärung der SED-Diktatur zu verhindern, werden seit einem Jahr von der Gedenkstätte im ehemaligen zentralen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen über das Online-Portal „http://www.ddr-zeitzeugenboerse“ ehemalige politische Gefangene der DDR zu Veranstaltungen vermittelt.

Burkhard Seeberg (geboren 1954 in Münster) war als Schüler in der 1968er Bewegung politisch aktiv. „Als linker Student hatte man nicht so viele Möglichkeiten, sich einer Partei anzuschließen“, berichtet er. So sei er 1970 der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in der Bundesrepublik beigetreten. Bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin lernte er seine Freundin kennen, die in der DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) arbeitete. Maximal für 30 Tage pro Jahr durfte Seeberg als Westbürger in die DDR einreisen. Das war nicht viel für Frischverliebte. Jedes Mal mit Aufwand verbunden: Einreisevisum, Meldevorschriften, Mindestumtausch. Bei dem Versuch, seine Freundin von Ungarn aus mit gefälschtem Reisepass in die Bundesrepublik ausreisen zu lassen, wurde er verhaftet und kam in das Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen.

Die Behandlung dort sei demütigend und entwürdigend gewesen. „Man hat versucht, mich zu demoralisieren“, sagt Seeberg. Siebeneinhalb Wochen verbrachte er in Isolationshaft. „Mücken erschlagen und Schach spielen, mit einem Spiel, das ich mir aus den wenigen privaten Dingen, die mir noch geblieben waren, gebaut habe“, beantwortet der ehemalige Häftling die Frage der Schüler nach seiner Beschäftigung.

Zu den Haftbedingungen habe es gehört, dass jeder Häftling auf dem Rücken mit Händen auf der Decke habe schlafen müssen. Das sei alle zehn Minuten kontrolliert worden und habe die Funktion gehabt, Selbstmord oder Selbstverletzung zu verhindern. Kontakte zu Mithäftlingen und zur Außenwelt habe es nicht gegeben. „Man fühlte sich wie ein Marienkäfer in einer Streichholzschachtel.“ Wegen „staatsfeindlichen Menschenhandels“ wurde er schließlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Im September 1980 kaufte ihn die Bundesrepublik frei. Burkhard Seeberg wohnt heute in Münster.

Später, bei der Einsicht in seine Stasi-Akten, habe er festgestellt, dass die DDR schon länger Interesse an ihm gehabt habe und versuchte, ihn freiwillig in das Land zu locken. Jeder seiner Besuche bei seiner Freundin in Rostock sei von der Volkspolizei festgehalten worden. Wie akribisch die SED ihr System betrieben hat, lässt sich auch daran erkennen, dass – wie Burkhard Seeberg berichtet – die Stadtpläne in der DDR gefälscht wurden, um die Existenz der Haftanstalt zu vertuschen. Er habe auf verschiedenen Karten gesucht, entweder sei dort ein weißer Fleck gewesen oder ein Güterbahnhof verzeichnet. „Aber den gab es nur bis in die 1930er Jahre.“

„Die Rückmeldungen auf meine Vorträge fallen überwiegend positiv aus“, erklärt Burkhard Seeberg. So ist es jetzt auch in der Realschule. Aufmerksam hören die Zehntklässler zu und stellen gezielt Zwischenfragen. Gezeigt wird derzeit in der Aula die Ausstellung „Die Mauer – eine Grenze durch Deutschland“ von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Dikatur. „Bei uns nimmt die neue deutsche Geschichte das ganze zehnte Schuljahr im Fach Geschichte ein“, berichtet Lehrerin Susanne Schlottmann. „Wir haben uns diesmal sogar fächerübergreifend des Themas DDR angenommen.“ · SoR

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