Wilhelm Gülker informierte Landwirte

Düstere Perspektiven aufgezeigt

„Renditejäger vertreiben die Landwirte von ihren Äckern“: Vorsitzender Wilhelm Gülker berichtete im Landwirtschaftlichen Ortsverband Drohne über die angespannte Lage im bäuerlichen Berufsstand.

Rahden - DROHNE (ges) · Vorsitzender Wilhelm Gülker setzte sich während der gut besuchten Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Drohne im Gasthaus Marlis Hohlt insbesondere mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft auseinander. Diskutiert wurde aber auch über lokale Themen wie Windenergieanlagen, Straßenbaubeiträge im Außenbereich und Dichtheitsprüfungen von privaten Abwasserleitungen.

       Gesprochen wurde aus aktuellem Anlass zudem über Biogasanlagen. Im Außenbereich der Ortschaft möchte ein Drohner Landwirt eine privilegierte Anlage zur Stromerzeugung und Wärmegewinnung bauen, im nahe gelegenen Gewerbepark in Dielingen soll eine Großanlage entstehen. Dort planen die potenziellen Betreiber eine Einspeisung ins Erdgasnetz. Die Mitglieder kamen überein, die weitere Entwicklung und politische Entscheidungen abzuwarten.

Im Zusammenhang mit den rechtlich vorgeschriebenen Dichtheitsprüfungen der häuslichen Abwasserkanalnetze herrschte die Meinung vor, dass die Landwirte die durch Satzungen geregelten Vorgaben zwar erfüllen müssten, sie aber nicht den erst besten Anbieter mit der Überprüfung beauftragen würden.

Gegen die Erhebung von Straßenbaubeiträgen im Außenbereich haben die Landwirtschaftlichen Ortsverbände in Stemwede eine gemeinsame Resolution verfasst und bei der Gemeinde Einspruch gegen die Planungen eingelegt. Jetzt sollen Gespräche mit der Verwaltung und den Ratsmitgliedern folgen. „Es ist wichtig, dass etwas gemacht wird“, sagte Wilhelm Gülker und ging auch auf die Kostenverteilung ein. „Die Landwirte können im Moment eher ihre 24 Prozent aufbringen als die Gemeinde ihren Anteil in Höhe von 76 Prozent“, mutmaßte der Vorsitzende.

In seinem Jahresbericht skizzierte Gülker die derzeitige Situation in der deutschen Landwirtschaft. „Agrarprodukte werden immer mehr zum Spielball von weltweit agierenden Spekulanten“, kritisierte er. Er führte das auf wetter- und katastrophenbedingte Ernteausfälle, aber auch auf die Unsicherheit auf den Finanzmärkten und die instabile finanzielle Situation einiger EU-Staaten zurück. „Nach der Finanzkrise vertreiben Renditejäger die Landwirte von ihren Äckern. Der Kampf um Ackerflächen hat auch bei uns begonnen“, betonte Gülker. Hinzu komme der Industrialisierungsschub in der Tierhaltung mit immer größer werdenden Mastanlagen für Schweine und Geflügel sowie die hohe Zahl von Biogasanlagen, „die auch im Mühlenkreis wie Pilze aus der Erde schießen“. Weil kapitalkräftige Investoren auf Einkaufstour gingen, hätten sich die Kauf- und Pachtpreise für Ackerland teilweise verzehnfacht. Es seien Aktionäre und branchenfremde Investoren, die nach Äckern, Wäldern und Wiesen griffen. „Da können unsere heimischen Landwirte nicht mithalten und bleiben auf der Strecke“, übte Gülker Kritik. Bei der Geschwindigkeit, mit dem sich der Wandel in der Landwirtschaft vollziehe, müsse man davon ausgehen, dass es insbesondere im Osten Deutschlands in zehn Jahren kaum noch landwirtschaftliche Betriebe im herkömmlichen Sinne gebe. „Das Land wird dann aufgeteilt sein unter einer Handvoll Investoren und Industriellen.“ Und das bedeute eine industrielle Produktion von Energiepflanzen statt bäuerlicher Landwirtschaft. „Dabei ist doch wertvolles Ackerland eigentlich viel zu schade, um es Investoren einfach für spekulative Geschäfte zu überlassen, denn: Bäuerliche Landwirtschaft und handwerkliche Lebensmittelverarbeitung sind die Grundpfeiler der Welternährung.“ Deshalb müssten die Regierungen aufgefordert werden, die Rahmenbedingungen so abzustecken, dass sich diese Grundpfeiler entfalten und weiterentwickeln könnten.

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