Austauschschüler Junlin Wang (17) kehrt zurück in seine chinesische Heimat / Knapp ein Jahr in Twiehausen gelebt

„Der Abschied wird nicht ganz einfach“

Viele seiner Freunde und Schulkameraden kamen zur Abschiedparty, die Johannes Gesenhues (vorne links) und Junlin (vorne rechts organisiert hatten.

Twiehausen - (Art) Chinesische Popmusik kündigte schon von weitem an, dass die Gartenparty auf dem Hof Gesenhues in Twiehausen einen nicht alltäglichen Grund hatte. 30 junge Menschen feierten hier den Abschied von ihrem Mitschüler Junlin, der nach fast einjährigem Aufenthalt in Deutschland am Freitag, 10. Juli, gen Heimat fliegt.

Im September 2008 hatte es den 17-jährigen Chinesen, aus der Millionenstadt Kanton im Rahmen eines Austauschprogramms ins kleine Twiehausen „verschlagen“.

Das platte Land abseits großer Städte und der einsam gelegene Hof der Familie Gesenhues waren zuerst ein kleiner Kulturschock für ihn, beides hatte jedoch schon bald seinen Reiz. In China lebt Junlin mit seinen Eltern im 10. Stock eines Hochhauses.

In Johannes Gesenhues fand das Einzelkind einen Gastbruder, der es als jüngster von vier Brüdern toll fand, endlich selbst mal der ältere zu sein.

„Ohne Auto ist man hier auf dem Lande aufgeschmissen“, stellte Junlin bald fest. Doch an der Seite seines Gastbruders erkundete er die Umgebung und fand viele Freunde in der 11. Jahrgangsstufe des Söderblom-Gymnasiums in Espelkamp, das er ein Schuljahr lang besuchte.

Mit Partys, Kino und Computer fanden sich schnell gemeinsame Gesprächsthemen. „Zwar gibt es in Kanton unzählig mehr Möglichkeiten, abends was zu unternehmen“, erzählt Julin, „doch eigentlich machst du es nicht.“ In China hat er aufgrund des härteren und strengeren Schulalltags für private Aktivitäten nur wenig Zeit.

Den großen Freizeitanteil hat Junlin in Deutschland sehr genossen, auch sportlich wurde er aktiv. Den Tennisschläger hatte er bereits in China schon einmal in der Hand, doch das gemeinsame Training mit Johannes beim TC Destel fand er einfach toll. Ein Kurztrip im Rahmen des „afs“-Austauschprogrammes nach München sowie der gemeinsame Skiurlaub mit Johannes waren für ihn weitere Highlights seines Aufenthaltes.

Auch an der deutschen Küche fand Junlin viel Gefallen. Aus einem Land stammend, in dem Geflügelfleisch Hochkonjunktur hat, ließ allein schon die Zusammenstellung der Grillspezialitäten am Mittwochabend erkennen, dass er deutschen Spezialitäten einiges abgewinnen kann.

„In China gibt es viele deutsche Restaurants, dort bin ich früher schon gerne hingegangen“, so Junlin, der in Twiehausen Kopfsalat als rohe Salatbeilage kennen lernte. „Bei uns gibt’s den angebraten mit Knoblauch.“

Wenn er die Gesenhues verlässt, ist dies für die beiden „Brüder“ zunächst ein Abschied für kurze Zeit. Elf Tage später wird Johannes den 24-stündigen Flug nach Kanton auf sich nehmen, um Junlins Heimat zu besuchen.

Gespannt ist der 18-jährige Twiehauser darauf schon jetzt. Ein wenig Chinesisch spricht er schon, doch auf das Erlernen der rund 50 000 Schriftzeichen, von denen knapp 5000 relevant sind, verzichtet er lieber. „Viel von Land und Leuten sehen“, hat sich Johannes für seinen Besuch vorgenommen. Junlins 18. Geburtstag wird Johannes in China mitfeiern, bevor es wieder zurück nach Hause geht.

Trotz der ausgelassenen Partystimmung war für viele seiner neugewonnen Freunde der Gedanke an den Abschied nicht leicht, als sie Junlin selbst gestaltete Präsentkörbe mit typisch deutschen Lebensmitteln überreichten. Eine liebgemeinte Erinnerung an die vielen gemeinsamen Unternehmungen und Partys, die sie zusammen feierten. Mit ein wenig Wehmut trennt sich auch Junlin von seinen Freunden, doch die Vorfreude, seine Eltern wiederzusehen, wächst. „Wir haben die ganze Zeit nur per Internet Kontakt gehabt, nicht einmal telefoniert,“ so Junlin.

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