Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung soll Brandopfern Weg für Neuanfang ebnen

„Das zeichnet das Dorfleben aus“

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Hilfe nicht nur in der Brandnacht: Achim Valentin (r.) und Tochter Linda (l.) haben mithilfe der Nachbarn begonnen, das vom Löschwasser abgetrocknete noch brauchbare wenige Mobiliar, das in der geretteten Scheune lagerte, in ihre vorübergehende Unterkunft zu transportieren. ·

Pr. Ströhen - Von Anja SchubertIn zwei Wochen wollte Familie Valentin mit der Eröffnung einer Wildfleischerei und eines Hofladens ein großes Etappenziel der Verwirklichung ihres Lebenstraumes mit der ganzen Dorfbevölkerung feiern. Doch der verheerende Brand in der Nacht zu Montag legte das rund 400 Jahre alte landwirtschaftliche Anwesen am Alten Postweg in Pr. Ströhen in Schutt und Asche (wir berichteten). Binnen weniger Minuten stand die aus Hessen stammende Familie, die über mehrere Jahre das Anwesen mit viel Schweiß und Herzblut restaurierte und erst vergangenen Sommer in den Rohbau einzog, vor dem Nichts.

Doch wer zusammen feiert, steht gerade auf dem Dorf auch in Krisenzeiten zusammen. Das hat sich in der Ortschaft an der Landesgrenze seit der Brandnacht einmal mehr bewiesen. Noch während mehr als 70 Feuerwehrleute vergebens versuchten, die Gebäude zu retten, kümmerten sich Nachbarn und zahlreiche weitere Helfer vor Ort um das Ehepaar und die zwei der drei anwesenden Töchter. An anderen Stellen im Ort gewann die Hilfeleistung bereits weitere Eigendynamik. Nicht nur Institutionen wie Kirche und Bürgerstiftung sowie die örtlichen Vereine, sondern auch zahlreiche Privatpersonen bemühen sich seitdem, der Familie unter die Arme zu greifen.

„Was die Menschen im Ort binnen kürzester Zeit an Hilfe auf die Beine gestellt haben, ist unbeschreiblich“, ist Annette Valentin auch Tage nach dem Unglück überwältigt. Noch während sie am Brandtag mit der jüngsten Tochter wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung im Krankenhaus weilte, wurde in der Ortschaft eine Bleibe organisiert. „Als wir aus dem Krankenhaus kamen, nahm man uns zu der leer stehenden Wohnung mit. Dort hatten Helfer sogar schon Betten aufgestellt und ein kleines Überlebenspaket mit Nahrungsmitteln, Geschirr, Zahnbürsten und Wäsche bereitgestellt.“

Auch zwei der drei Hunde, die noch rechtzeitig ins Freie gelangten, zogen mit ein, wurden mit Liegedecken und Futter versorgt. Der Verbleib des dritten Hundes ist ungewiss. „Ob er es nicht mehr geschafft hat oder verschreckt das Weite gesucht hat, wissen wir nicht“, sagt Linda Valentin in der Hoffung, dass der hellbraune Magyar-Vizsla-Mix noch gefunden wird.

Die Ponys der Familie siedeln Anfang der Woche auf eine angrenzende Weide über. Beruhigend, denn Achim Valentin musste in den letzten Tagen immer wieder unbekannte Schaulustige des Grundstücks verweisen. „Da liefen sogar Eltern einfach so mit ihren Kindern rüber, um mal zu gucken, wie es nach so einem Großbrand aussieht“, sagt Valentin verständnislos. Dank des Rückhalts aus der Bevölkerung blickt er wie die restlichen Familienmitglieder hoffnungsvoll nach vorn. „Diese geballte Unterstützung ist fast so unbegreiflich wie das furchtbare Erlebnis selbst.“

Ein besonderer Dank der Familie geht an die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die nach dem neunstündigen Brandeinsatz am Abend und in der Nacht noch zweimal für Nachlöscharbeiten anrückten. „Die haben sich in dem Chaos so lieb um uns gekümmert, Tränen getrocknet, versucht, uns ein wenig aufzuheitern“, erinnern sich Annette Valentin und die beiden Töchter. „Bei den Wehrleuten hat man gemerkt, dass sie professionell gelernt haben, mit solchen Situationen umzugehen.“

Wie und womit kann man helfen? Was wird noch gebraucht? Diese Fragen durchziehen seit Tagen permanent das Dorf. Denn nach solch einem Unglück fehlt es an allem, und bis die Versicherungen und Ämter zahlen, ist ein erstes Auffangnetz gefragt. Zielgerichtet werden derzeit die Hilfsangebote im Dorf koordiniert. „Wenn sich hier Wäsche, Tische, Stühle usw. auf nicht ganz viel Raum türmen, schafft das nicht wirklich voran“, sagt Bianca Winkelmann stellvertretend für die vielen Helfer.

Für Kleidung sei Dank Spenden und Kleiderkammer ausreichend gesorgt. Auch in den nächsten Wochen werden Spenden und Hilfsangebote von Nöten sein, damit die Valentins für den Neuanfang Boden unter den Füßen gewinnen. Unplanmäßig steht Mutter Annette in der kommenden Woche zudem ein kurzer Krankenhausaufenthalt mit operativem Eingriff bevor, nachdem erst einmal Schonung angesagt ist.

„Im Gemeindebüro als zentralem Anlaufpunkt werden Geld- und Sachspenden entgegengenommen“, macht Winkelmann aufmerksam und bittet, Sachspenden dort zunächst vormerken zu lassen, damit nicht alles doppelt und dreifach vor der Tür stehe. Falls jemand für größere Geldspenden eine Spendenbescheinigung benötige, könne diese über die Bürgerstiftung ausgestellt werden. Bianca Winkelmann steht unter Telefon 0171/5022145 ebenso wie Astrid Gartzke im Gemeindebüro bei weiteren Fragen zur Verfügung. Winkelmann: „Die Familie muss erst einmal zur Ruhe kommen und kann sich nicht um alles selbst kümmern. Dafür prasselt zu viel auf einmal auf sie ein.“

An der Brandruine kamen mittlerweile Tatkräftige zu ersten Arbeitseinsätzen zusammen, um zu sehen, was aus der geretteten Scheune trotz Löschwasserschadens noch brauchbar sein könnte. Dass nicht nur hier weiterhin gemeinsam mit angepackt wird, steht außer Frage.

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