SPD will Patienten nach Lübbecke auslagern

„Das wäre der Tod von Rahden“

Rahden - Die Fronten in der Diskussion um die Zukunft des Krankenhauses in Rahden verhärten sich zusehends. Den vor einer Woche im Kreistag vorgestellten vier Varianten zum Umbau des Krankenhauses hat die SPD-Fraktion im Mindener Kreistag gestern einen weiteren Vorschlag hinzugefügt.

Sie will die in erster Linie vom Umbau betroffene Station mit 45 Betten für die rund 14-wöchige Abrissphase in das Krankenhaus Lübbecke verlegen. Hier stünden für einen Übergangszeitraum Kapazitäten zur Verfügung, erklärte SPD-Fraktionschef Ulrich Kaase gestern. Außerdem sollen nur unaufschiebbare Fälle in Rahden aufgenommen oder umgeleitet werden. Diese Variante, so Kaase, erspare den Mühlenkreiskliniken (MKK) erhebliche Kosten.

Bei Kurt Riechmann, Mitglied im MKK-Verwaltungsrat und Kreistagsabgeordneter der Freien Wähler, stößt die SPD mit diesem Vorstoß auf Unverständnis. Allein die öffentliche Diskussion über eine Verlagerung der Patienten schade dem Standort Rahden, sagte er gestern während einer Pressekonferenz der FWG.

Wenn die Patienten jetzt nach Lübbecke umgeleitet würden, stelle sich die Frage, ob dies nicht auch dauerhaft möglich sei und die stationären Betten in Rahden zur Gewährleistung der medizinischen Versorgung überhaupt notwendig seien, warnte Riechmann. Nach seiner Einschätzung wäre das Bauvorhaben bei Umsetzung des SPD-Vorschlags nicht mehr genehmigungsfähig. „Diese Diskussion ist der Tod für Rahden“, machte der FWG-Mann deutlich.

Mit dieser Auffassung steht er offenbar nicht alleine da. Auch der MKK-Vorstand soll dem Vorhaben der SPD nach Informationen dieser Zeitung eine Absage erteilt haben.

Riechmann forderte gestern eine stärkere Einbindung der niedergelassenen Ärzte. Ihnen müsse deutlich gemacht werden, dass Rahden von den Patienten lebt, die sie überweisen, denn: „Patienten, die einmal weg sind, sind schwer zurückzubekommen.“

Statt des SPD-Vorschlags favorisieren die Freien Wähler die im Kreistag vorgestellte Variante vier, die den Erhalt des kompletten Bettenhauses und die Sanierung der oberen drei Geschosse vorsieht. Das koste zwar Geld – rund 35 000 Euro pro Jahr –, räumte Riechmann ein. Die provisorische Herrichtung der alten Orthopädie schlage aber mit 550 000 Euro zu Buche, die zusätzlich aus Krediten finanziert werden müssten. In diesem Zusammenhang verwies er auf den Kreistagsbeschluss, durch den die Baukosten auf 13 Millionen Euro gedeckelt ist.

Zudem sieht Riechmann die Chance, für eine Nachnutzung der oberen Stockwerke. Hier gebe es viele Möglichkeiten. Voraussetzung sei aber ein separater Zugang zu den drei Etagen.

Die SPD ist da weniger optimistisch. „Eine künftige Nutzung der alten Geschosse für eigene Zwecke oder externe Pläne ist nach vielen Gesprächen mit möglichen Interessenten nicht einmal in Ansätzen erkennbar“, erklärte Kaase. Es gebe trotz langer Suche keine Nachfrage von Dritten. Zudem müssten die Geschosse bei einer Weiternutzung aufwendig energetisch saniert, Brandschutzmaßnahmen umgesetzt und die Heizungsanlage größer dimensioniert werden.

Das erfordere nicht nur zusätzliche Investitionen, sondern könnte durch die Notwendigkeit einer erneuten Behandlung im Kreistag eine weitere Grundsatzdebatte über den Neubau der Portalklinik Rahden entfachen. „Gerade Rahdener Politiker und Ex-Politiker sollten sich ernsthaft fragen, ob sie das verantworten können und wollen“, mahnte Kaase.

Einig sind sich SPD und Freie Wähler in ihrem Unverständnis darüber, dass es eines nachträglichen Gutachtens bedurfte, um festzustellen, dass der vom Verwaltungsrat beschlossene Abriss der oberen Etagen zu viel Lärm verursachen würde und daher im laufenden Betrieb nicht möglich sei. „Wir waren sprachlos darüber, dass man das nicht schon im Juni geprüft hat“, zeigte sich Riechmann verärgert. „Das hat uns ein halbes Jahr und viel Geld gekostet.“ · mer

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