Vorgestellte Potenzialanalyse schließt große Teile Stemwedes für den Bau von Windkraftanlagen aus

Berg, Hügel und Klei bleiben frei

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Aufmerksame Zuhörer: Politiker, interessierte Bürger, Windkraftgegner und -befürworter aus Stemwede und Rahden hingen Mittwochabend an den Lippen von Michael Kasper (stehend), der in Levern die Ergebnisse der Windkraft-Potenzialanalyse vorstellte.

Levern - Einer der wirtschaftlichsten Plätze, um in Stemwede eine Windkraftanlage zu betreiben, ist wohl der Kamm des Stemweder Berges.

Doch keine Panik: Den Berg hat das Herforder Planungsbüro Kortemeier und Brokmann in seiner Analyse genauso weitläufig als Windkraft-Potenzialfläche ausgeschlossen wie den Dielinger Klei, den Leverner Stiftshügel und die Kerne der 13 Ortschaften. Zwei mögliche und insgesamt rund 543 Hektar große Gebiete für Windkraft liegen – wie berichtet – im Außenbereich.

Die Politik berät jetzt darüber, mit welchem Anteil der in der Potenzialanalyse ausgewiesenen Flächen – Tiefenriede (südlich von Haldem, circa 284 Hektar) oder Babbelage/Diek-Niederung (zwischen Wehdem, Niedermehnen und Twiehausen, circa 259 Hektar) – sie in das Änderungsverfahren des Flächennutzungsplanes (FNP) einstigen soll. Eine Entscheidung wird für den 13. November erwartet. Dass der Flächennutzungsplan geändert werden soll, um in Zukunft Rechtssicherheit zu haben, das hat der Stemweder Rat schon beschlossen.

Ausschuss-Vorsitzender Andreas Weingärtner sprach eingangs der Vorstellung durch Gutachter Michael Kasper von einer schwierigen Entscheidung. „Wir müssen uns mit dem Thema befassen, und das wollen wir auch.“ Trotz kollidierender Interessen – im Saal saßen unter den rund einhundert Zuhörern aus Stemwede und Rahden auch bekannte Windkraftgegner und -befürworter – riet Weingärtner zu einem fairen Umgang und der Vermeidung einer „öffentlichen Schlammschlacht“. „Das haben wir nicht nötig.“

Im November werde die Verwaltung die Öffentlichkeit über weitere Details informieren. Birgit von Lochow (Bau und Planung) erinnerte an die Geschichte der Windkraft in Stemwede und die Notwendigkeit, spezielle Räume für Anlagen zu schaffen. Eine Ausweisung von 1,6 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete fordert auch der Landesentwicklungsplan NRW.

Werde der FNP nicht geändert, „dann ist das Bauen überall zulässig, wenn die Werte stimmen“, warnte Von Lochow. Die Zahl der möglichen Windräder liege dann im dreistelligen Bereich. „Wir konzentrieren das durch Bereiche, die geprüft werden.“ Das Ergebnis der Potenzialanalyse finde Eingang in die FNP-Änderung, deren Vorentwurf und Entwurf zur Beteiligung der Öffentlichkeit ausgelegt würden. Bürger und Träger öffentlicher Belange hätten so Gelegenheit, sich zu äußern, so Von Lochow.

Michael Kasper versicherte, sein Büro habe die Analyse „losgelöst von Interessen“ einzelner Gruppen erarbeitet. Stemwede sei für Windkraftanlagen geeigneter als beispielsweise Herford oder Lippe, erklärte er.

Viele Zuhörer aus

Stemwede und Rahden

Zuerst habe sein Büro beim Blick auf die gesamte Gemeinde harte Tabuzonen – dazu zählen beispielsweise Wohnbauflächen, Dorfgebiete und Naturschutzgebiete – für die Windkraft ausgeschlossen. Die „weichen Tabuzonen“ teilte es auf in Areale, bei denen eine Zulassung auf der Stelle nicht erwirkt werden kann (z.B. Puffer um Wohnbauflächen) und Flächen, wo dies möglich wäre (Puffer um Wohnnutzung im Außenbereich). Verwundert habe die gesetzliche Angabe, dass FFH- und Vogelschutzgebiete mittlerweile zu den „weichen Zonen“ zählen, so Kasper. Es blieben Areale der Einzelfallprüfung.

Bei der Windhöfigkeit liegt Stemwede im mittleren Bereich. Hier wehen in 100 Metern Höhe laut der Analyse Winde von 5,25 bis 6,25 Metern pro Sekunde. Bei 5,5 bis 6 Metern sei Windenergie wirtschaftlich, beschrieb der Gutachter. Diese Werte erreiche man beispielsweise im bereits bestehenden Windpark in Oppendorf. Durch den Ausschluss der harten Tabu-Kriterien fielen schon 21 Prozent der Gemeindefläche aus der Planung. Das Planungsbüro riet auch dazu, weiche Tabukriterien aus der Planung zu nehmen. 23 weitere Prozent der Fläche (3 860 Hektar) entfielen.

Das Büro empfahl, im Innenbereich 600 Meter Abstand zu den Anlagen einzuhalten, im Außenbereich 450. Eine optisch bedrängende Wirkung entstehe bei weniger als der zwei- bis dreifachen Anlagenhöhe. Hier seine jedoch Einzelfallprüfungen maßgeblich, so Kasper. Mit einem Abstand, der dreimal so weit ist wie eine Anlage hoch, sei die Gemeinde „in der Regel“ auf der sicheren Seite. Selbst bei einem Abstand von 450 Metern zu Wohnbebauungen im Außenbereich verblieben in Stemwede „noch relativ große Bereiche“ – nämlich sieben Prozent des Gemeindegebietes.

Weiterhin plante das Büro eine 1200-Meter-Pufferzone zu den Vogelschutz-Gebieten im Oppenweher Moor ein, schloss Flächen mit besonderem Landschafts- und Ortsbild weiträumig aus und schlug nur Areale vor, wo mindestens drei Windkraftanlagen zusammengefasst werden können. Übrig blieben schlussendlich rund 3,2 Prozent des Gemeindegebietes.

Ein Gebiet in Oppenwehe fiel als Potenzialfläche wegen seines Vogelaufkommens und seiner Lage (Landschaftsschutzgebiet) weg. Die Zahl der Grau-, Saat- und Blässgänse sei dort von nationaler Bedeutung, das Kranich-Aufkommen sogar von internationaler, sagte Michael Kasper. Einen „Hotspot des Zuggeschehens für Kraniche“ habe man in Oppenwehe.

Sein Büro sieht darin „unüberwindbare Zulassungshindernisse“ in Bezug auf den Artenschutz. Weiterhin stehe die Windenergienutzung dem Ziel der landschaftsorientierten Erholung entgegen. Kasper: „Die Gemeinde hat besser geeignete Potenzialflächen.“

Wird das bestehende Windkraft-Vorranggebiet Oppendorf/Oppenwehe im Rahmen einer Änderung des Flächennutzungsplanes überplant, gelten auch dort die Maßstäbe, die die Gemeinde für das neue Gebiet aufstellt. Für die bestehenden, laufenden Anlagen bestehe aber Bestandsschutz, so Birgit von Lochow. Ein Repowering sei nur in den neuen Gebieten möglich. Die alten Windräder dürften technisch nicht verbessert, wohl aber repariert werden. · kap

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