Oppendorfer Firma Kasten fertigt Spezialitäten aus Leder

Alte Designs, neues Verfahren

Als Geselle ein Meister seines Fachs: Wilfried Dräger aus Oppendorf feierte kürzlich sein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma Kasten.

Oppendorf - (Art) · Gerber und Ledermacher gibt es seit Jahrtausenden. Im Vergleich dazu ist das Unternehmen Leder-Kasten in Oppendorf mit seinen fast 300 Jahren noch recht jung. Und doch hat sich die Familie über all die Jahrzehnte in der Lederbranche einen Namen gemacht, aus der Tradition heraus, mit handwerklichen Möglichkeiten, die in Deutschland heutzutage nur noch selten zu finden sind.

„Als kleine Manufaktur sind wir in der Lage, unseren Kunden alles aus einer Hand zu bieten“, so Inhaber Fritz Engel, der heute das Familienunternehmen führt. „Vom gegerbten Leder bis zum fertigen Produkt, gleich ob Koffer, Tasche oder Schuh, bleibt bei uns alles in einer Hand.“

Um 1760 herum begann die Familie mit der Herstellung von Holzschuhen für die Landarbeit. Leder wurde auf Holzschuhe genagelt. Eine zunehmende Verbreitung und steigende Absatzzahlen führten dazu, dass das Leder für die Holzschuhe im eigenen Betrieb hergestellt und außer Haus verkauft wurde. Für alle Schuster im Großraum war unsere Familie ein Begriff. Noch heute nennt man die Familie Kasten-Engel landläufig „Bossen Schouster“.

Auch Stiefel und Pferdegeschirre wurden in der entstehenden Manufaktur hergestellt. Das Maschinenzeitalter brachte den Treibriemen in das Produktionsprogramm. Nur natürliche Rohstoffe wurden verwendet, chemische gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Damals wurde das Leder der Lohgerberei Kasten mit Eichenlohe und Hühnerkot gegerbt. Mit Aufkommen der modernen Chemie wurden künstlich erzeugte Gerbpräparate in den Produktionsprozess integriert. Das erweiterte die Möglichkeiten für die Herstellung neuer Lederprodukte. „Gerade die im Laufe der letzten Jahrzehnte aufgekommenen Bedenken in Sachen Umweltschutz haben unsere Sensibilität für dieses Gebiet gestärkt“, erläutert Engel, warum man sich im Hause Kasten heute wie damals verstärkt mit natürlichen und naturidentischen Gerbmethoden befasse.

„Die Liebe zum Leder zieht sich über fast drei Jahrhunderte durch unsere Familie“, so Engel, der mit seinen 71 Jahren nur langsam an den Ruhestand denkt. Doch weiß er das Unternehmen bei seinen Kindern auch künftig in guten Händen. Und auch die drei Enkel, zwei Mädchen und ein Junge, wären hinsichtlich der Fortführung der Tradition sehr willkommen. „Aber das entscheiden sie selbst, wenn es an der Zeit ist“, so der umtriebige Senior, der selbst in jungen Jahren, als Kaufmann ohne Vorkenntnisse, das Handwerk von einem Gesellen lernte.

Recht unscheinbar an der Straße Uppe Mask in Oppendorf gelegen, erregt die sieben Mitarbeiter zählende Manufaktur oft das Interesse vorbeikommender Radfahrer. „Auch von Landfrauenvereinen bekomme ich des öfteren Anfragen, ob im Rahmen einer Fahrradtour eine Besichtigung möglich ist“, sagt Engel, der anfangs ein wenig verblüfft war, dass sich Frauen auch für die Herstellung und nicht nur für das Ergebnis an hochwertiger Kleidung und Accessoires interessieren. „Das eine oder andere fertige Produkt wie Tasche oder Gürtel wird dann frisch aus der Nähmaschine gleich mitgenommen.“

Nutzen und Schönheit – in Produkten aus Naturwerkstoffen wie Leder findet man diese Eigenschaften oft vereint, weiß Engel um die fortwährende Attraktivität von Leder. Ob dick oder dünn, hart oder weich sowie über das Aussehen können die Kunden frei entscheiden. „Es kommt oft auf die kleinen Feinheiten an, die Sachkenntnis und Erfahrung erfordern.“

Der Schwerpunkt der Produktion liegt bei Leder-Kasten auf der Verarbeitung von Rindsleder, wie Firmenchef Engel erläutert. „Unser Haus verfügt über eigene Prägeplatten für nahezu jedes Muster. So können wir aus Rinderhaut Leder herstellen, das wie Eidechse, Kroko oder Strauß aussieht“, zeigt Engel stolz das Prägeplattensortiment. „Die massiven Stahlplatten mit Negativ-Prägemuster erzeugen mit 300 Tonnen Anpressdruck das Muster im Leder.“

Es hat sich in der Branche herumgesprochen, dass es im kleinen Oppendorf so etwas wie ein „Spezialitätengeschäft“ für Ledernes gibt. Namhafte Unternehmen der Modebranche wissen die hochwertigen und besonderen Leder für die Verarbeitung zu Kleidungsstücken zu schätzen. Doch nicht nur das. Auch für Taschen, Gürtel, Sättel, Koffer, Autositze und Möbel finden die Kunden das richtige Leder und werden individuell beraten.

„Neue, alte und sehr alte Designs, aber auch noch nie Dagewesenes wird traditionell nach neuesten Verfahren in unserem modernen Maschinenpark gegerbt, gefärbt und zugerichtet.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wie sich Bahnreisende selbst in Gefahr bringen

Wie sich Bahnreisende selbst in Gefahr bringen

Brechts New Yorker Schokoladen-Stücke

Brechts New Yorker Schokoladen-Stücke

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Kommentare