Vertreter niedersächsischer und nordrhein-westfälischer Kommunen ziehen bei geplanter 380-kV-Leitung an einem Strang

Alle Betroffenen bündeln ihre Kräfte

Kräfte bündeln: Auf dem Hof Schmedt diskutierten Betroffene mit den Bürgermeistern aus Stemwede sowie aus dem niedersächsischen Stemshorn und der Samtgemeinde „Altes Amt“ Lemförde.

Stemwede - (ges) · Der Unmut von Menschen, die sich über etwas ärgern und mit ihren Argumenten partout nicht weiterkommen, ist grenzenlos. Wie bei der geplanten 380-kV-Leitung von Sankt Hülfe nach Wehrendorf. Da ist der Ärger aus dem niedersächsischen Lemförde und Stemshorn über die nordrhein-westfälische Landesgrenze bis nach Stemwede geschwappt.

            Auf niedersächsischer Seite wehren sich die Bürger und Kommunen gegen eine Umtrassierung der künftigen Höchstspannungsleitung mit vier Mal 380 kV, auf nordrhein-westfälischer Seite fordern Landwirte und deren Nachbarn im Bereich Reiningen eine Neutrassierung der unmittelbar an ihren Höfen und Häusern vorbeiführenden Leitung mit einer Leistung von 110, 220 und 380 kV.

Um ihre Forderungen gegen die Amprion GmbH, die als RWE-Tochter für den Bau, den Betrieb und die Unterhaltung des Leitungsnetzes des Energie-Giganten verantwortlich ist, durchzusetzen, haben die Betroffenen diesseits und jenseits der Landesgrenze ihre Kräfte gebündelt und bei einem Informationsaustausch auf dem Hof Schmedt in Reiningen über die weitere Vorgehensweise gesprochen. „Wir fordern von Amprion, dass sie von ihren bisherigen Planungen abrückt und unsere Wünsche beim Bau der Höchstspannungsleitung berücksichtigt“, betonte Joachim Schmedt in der Diskussion.

An dem Treffen in Reiningen nahmen neben den hauptbetroffenen Landwirtsfamilien Schmedt und Wichering auch deren Nachbarn sowie von niedersächsischer Seite die Stemshorner Bürgermeisterin Hildegard Grönemeyer, der Lemförder Fleckensbürgermeister Wilhelm Rümke und Samtgemeindebürgermeister Ewald Spreen teil. Mit dabei war auch der Stemweder Bürgermeister Gerd Rybak.

Hildegard Grönemeyer erläuterte aus Sicht der Gemeinde Stemshorn, dass die vorgesehen Neutrassierung der Freileitung, durch die in den Off-Shore-Windparks in der Nordsee erzeugte Energie in die Ballungszentren im Süden der Republik transportiert werden soll, das in ihrer kleinen Gemeinde geplante Gewerbegebiet gefährde. Und Wilhelm Rümke ergänzte, dass sich alle Planungen des Fleckens Lemförde und der dort wohnenden Bevölkerung in der vergangenheit auf die vorhandene Trassenführung eingestellt habe. „Bauten sind in der Nähe der Freileitung vermieden worden, und auch die Vogelwelt hat sich auf diese Trasse eingestellt.“ Er, Rümke, könne den Argumenten nicht folgen, dass die Interessen der Natur vor denen der Menschen stünden.

In Reiningen fordern die Anlieger dagegen eine Verlegung der Trasse. Sie sind der Meinung, dass mit der Erneuerung der Leitung und der Verstärkung der Masten eine Verlegung einhergehen müsse, „um einen seit mittlerweile 40 Jahre andauernden unhaltbaren Zustand zu beseitigen“. Seitdem werden die landwirtschaftlichen Betriebe Schmedt und Wichering überspannt und fürchten sich vor Elektrosmog-Auswirkungen. „Eine Erhöhung der Leitungskapazität bringt weitere Nachteile für Menschen und Tiere, nicht nur für unsere Generation, insbesondere auch für unsere Kinder und Kindeskinder“, kritisiert Joachim Schmedt die Planungen der Amprion GmbH. „Die Erneuerung der Leitung bietet dem Unternehmen die einmalige Gelegenheit, die Trasse zu verlegen und damit unsere Betriebe zu entlasten. Die neue Streckenführung wäre problemlos möglich, weil alle Grundstückseigentümer, mit denen ich gesprochen habe, Bereitschaft signalisiert haben das Areal dafür zur Verfügung stellen würden. Die Firma Amprion zeigt dafür bislang aber noch kein Verständnis, obwohl uns ein Unternehmenssprecher schon vor Monaten Hoffnungen auf ein Einlenken gemacht hat.“

Bürgermeister Gerd Rybak erscheint es auffällig, dass es derzeit keine Diskussionen zu der Thematik gibt. „Vermutlich wartet Amprion ab, was in Niedersachsen passiert, um Nordrhein-Westfalen dann mit dem Abschluss der Planfeststellung in Niedersachsen vor vollendete Tatsachen stellen zu können“, vermuten Rybak und sein Amtskollege Ewald Spreen. Und Wilhelm Rümke machte deutlich, dass wir keinen Prozess und keine Konfrontation wollen. „Wir suchen eine Lösung im Dialog.

Weil die Off-Shore-Anlagen schon seit Monaten arbeiten und die Leitung bereits Ende 2010 fertig sein sollte, hoffen die Betroffenen auf ein Einlenken der Leitungsbauer, „denn jede Verzögerung kostet ihr Geld.“

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