Experten informierten gestern in Varl über Verfahren und Auflagen zur Landes-Erosionsschutz-Verordnung

Ackerkrume für Betriebe höchstes Gut

Expertenrunde bei der gestrigen Informationsveranstaltung zur Erosionsschutz-Veroprdnung des Landes NRW (von links): Roger Michalczyk (Landwirtschafskammer), Jürgen Weiler (Landwirtschaftsministerium), Dr. Thorsten Becker (Landwirtschaftskammer), Dr. Ludger Wilstacke (Landwirtschaftsministerium), Dr. Matthias Quars (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband) und Karl-Heinz Becker (Kreisverbandsvorsitzender).

Rahden - VARL (ges) · „Die Verordnung stößt bei den Landwirten in der Region auf Unverständnis“, machte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Karl-Heinz Becker, seinem Unmut gestern Vormittag Luft. Der Grund für die Unzufriedenheit seiner Berufskollegen: Zwei Drittel der Flächen im Mühlenkreis, die unter die Vorgaben des Erosionsschutzes fallen, liegen im Bereich der Stadt Rahden und der Gemeinde Stemwede.

        Weil die Verordnung des Landes NRW bereits am 1. Juli in Kraft getreten ist, informierten Experten des Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftskammer gestern im Saal des Gasthauses F.A. Wagenfeld in Varl mehr als 70 Landwirte über das Verfahren und die damit verbundenen Auflagen für erosionsgefährdete Flächen.

Dr. Ludger Wilstacke (Abteilungsleiter Landwirtschaft) und Jürgen Weiler (Referent Cross Compliance) vom NRW-Landwirtschaftsministerium sowie Roger Michalczyk (Direktzahlungen, Beihilfenkontrollen), Dr. Thorsten Becker (Geoinformationssysteme) und Günther Jacobs (Landbau) von der Landwirtschaftskammer NRW bezogen in der Informationsveranstaltung insbesondere zum Thema Winderosion Stellung. Die Expertenrunde erläuterte das Verfahren zur Einstufung von Ackerflächen nach dem Grad der Erosionsgefährdung, die zu beachtenden Bewirtschaftungsauflagen sowie Möglichkeiten zur Befreiung einzelner Flächen. Karl-Heinz Becker brachte die Wünsche der heimischen Landwirte auf den Punkt: „Die Sache muss im Fluss bleiben und eine pragmatische Weiterbewirtschaftung der Flächen gewährleistet sein, damit wir nicht Wind säen und Sturm ernten.“

Hintergrund der NRW-Verordnung sind Vorgaben der EU-Kommission und des Bundes zum Erosionsschutz. Bei der Erstellung eines Erosionsschutzkatasters hatten zahlreiche Landwirte in ihren Antragsunterlagen umfangreiche Einstufungen zur potenziellen Erosionsgefährdung durch Wasser und Wind vorgefunden. Weil mit den Einstufungen Bewirtschaftungseinschränkungen verbunden sind, gab es bei den Bauern erhebliche Diskussionen.

Roger Michalczyk stellte den Landwirten die genaue Berechnungsmethode zur Ermittlung der Erosionsgefährdung und deren Ergebnisse vor. Er machte deutlich, dass sich jeder Landwirt im Internet unter http://www.Landwirtschaftskammer.de/FBF über die Zuordnung seiner Ackerflächen in die jeweilige Erosionsgefährdungsklasse und über die Berechnungsfaktoren informieren könne.

Dr. Wilstacke stellte die wesentlichen Inhalte der neuen Verordnung vor und machte klar, „dass viele Betriebe ihre . bisherige Bewirtschaftung oft uneingeschränkt fortsetzen können“. Das pauschale Pflugverbot sei durch alternative erosionsmindernde Bewirtschaftungsweisen ergänzt worden, so dass der Einsatz des Pfluges unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Der Abteilungsleiter des Landwirtschaftsministeriums ergänzte, dass zusätzlich die kostenlose Möglichkeit bestehe, nicht erosionsgefährdete Flächen von den restriktiven Bewirtschaftungsauflagen zu befreien. Das könne ohne aufwändiges Verfahren geschehen. „Mit dieser Form der Ausgestaltung haben wir eine praxisgerechte Lösung erreicht“, so Dr. Wilstacke.

Jürgen Weiler erläuterte die Vorgaben hinsichtlich des Pflügens. „Auf Ackerflächen, die bestimmten Gefährdungsklassen zugeordnet sind, darf beim Anbau von Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben vom 16. Februar bis 31. Mai gepflügt werden, wenn die alternativen Bewirtschaftungsmaßnahmen eingehalten werden.“ Wichtig sei, dass eine ausreichende Bodenbedeckung sichergestellt würde und die Aussaat beziehungsweise das Auspflanzen unmittelbar nach dem Pflügen erfolge.

„Wir haben eine praxis- und fachgerechte Umsetzung der Emissionsschutzverordnung erreicht“, fasste Kreisvorsitzender Karl-Heinz Becker abschließend zusammen, „durch eine fairere Berechnung der Gefährung, eine Verringerung der Flächen sowie eine angepasste Handhabung der Bewirtschaftungsauflagen“. Becker machte auch klar, dass jeder Landwirt schon von sich aus ein hohes Eigeninteresse daran habe, dass sein Boden nicht wegfliege. Die Ackerkrume sie auf jedem Betrieb das höchste Gut. „Wer Jahr für Jahr seine Felder beackert, der weiß genau, wiejeder Quadratmeter beschaffen ist. Er benötigt zum Erosionsschutz keine Verordnung.“

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