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Gastro im Heidekreis: Wenn zum Fest die Türen zu bleiben

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Kerstin Rodewald-Köhler führt nahe der Allerschleife in Bosse den Allerhof. Weihnachten bleibt die Küche allerdings zu. „Wir haben leider Personalprobleme, die uns zu diesem Schritt zwingen“, sagt sie.
Kerstin Rodewald-Köhler führt nahe der Allerschleife in Bosse den Allerhof. Weihnachten bleibt die Küche allerdings zu. „Wir haben leider Personalprobleme, die uns zu diesem Schritt zwingen“, sagt sie. © Müller

Köche und Co sind Mangelware: In der Gastronomie fehlen Mitarbeiter, auch im Heidekreis. Nun bleibt manches Lokal an Weihnachten zu.

Heidekreis – Einmal „durchpusten“ hieß es in diesen Tagen für Kerstin Rodewald-Köhler vom Allerhof. Die 51-jährige Chefin dieses kleinen aber feinen Hotels direkt am imposanten Allerbogen in Bosse sorgt sich wie alle anderen Hoteliers und Gastronomen um ihre Branche, macht sich besonders Gedanken um ihre tüchtigen Mitarbeiter. „Wir können zurzeit noch nicht klagen, werden aber aufgrund der angespannten Personalsituation nicht öffnen.“ Zum allerersten Mal seit vielen Jahren. Es wird vielen etwas in der Allerregion fehlen…

Allerhof würde Personal gerne aufstocken

1964 hatte Sophie Römer, die Mutter von Kerstin Rodewald-Köhler, erstmals auf dem Hof Ferienwohnungen angeboten. Daraus entwickelte sich ein Hotel, das heute vor allem durch seinen herrlichen Garten auffällt, durch eine ganz feine regionale Küche und durch das gute Händchen der Besitzerin, wenn es um Kunstgemälde in den Gasträumen geht. Das hat Stil und ist alles auch nicht ganz so teuer. Der Koch serviert ausgezeichnet, „nur uns fehlt ein zweiter“, sagt Rodewald. Auch sonst würde sie ihren Personalstand gerne auf 25 Kräften erweitern. „Aber der Markt gibt es zurzeit nicht her.“ Und dann müsse sie, das sagt sie ganz leise, auch an die Zukunft denken.

An Weihnachten nur mittags auf

„Gut, dass wir zwei Köche in der Familie haben“, sagt Andreas Klotz von den Seeterrassen in Behringen, der sein Café und Restaurant seit 25 Jahren führt. „Aber ich habe auch andere Aufgaben zu lösen und werde mich in Zukunft hier mehr zurückhalten müssen.“ Klotz geht auf Tour, macht Partyservice, etwas, das immer mehr geht. Und darum sucht auch er einen nächsten Koch – und Mitarbeiter in anderen Bereichen. Weihnachten werde man nur mittags öffnen. „Und danach werde ich meine 15 Mitarbeiter nach Hause schicken“, sagt Klotz.

Welche Sorgen belasten die Hotellerie und Gastronomie? Wir sprachen mit Unternehmen der Region und dem Dehoga-Kreisverband.

Deike Eder ist Jung-Unternehmerin in der Hotel- und Tagungsbranche, führt mit dem Anders Walsrode eines der anerkanntesten Tagungshotels im Landkreis. Gerade hat man all seinen Mut zusammengepackt und das traditionelle Glitzerlitzer-Weihnachtshaus eröffnet. Eine Aktion mit Ausnahmestatus, da sie regelmäßig Hunderte von Menschen, die Weihnachten in fröhlicher Runde feiern wollen, nach Walsrode zieht.

Späte Reservierungen sind ein Problem

Aber auch das Anders wird das direkte Fest am ersten und zweiten Weihnachtstag ausfallen lassen müssen. Es liegt einfach daran, dass die Anmeldungen zum Essen mittlerweile viel zu spät eintrudeln und vielleicht auch an den gestiegenen Mehrausgaben, die sie, aber auch das Hotel für seine Mitarbeiter einplanen muss. „Für uns rechnet sich das einfach nicht mehr.“

Darum schickt das Anderst sein Team in einen „verdienten“ Weihnachtsurlaub. Bis zur randvoll gefüllten Silvesterfeier. Deike Eder: „Wir hatten ab Mai eine Bombensaison. Das Team hat es sich verdient.“ Obwohl man auch im Anders über die stark gestiegenen Betriebskosten sprechen muss und über die Sparmaßnahmen, die das Hotel in einem Katalog seinen Gäste mitteilt.

Plädoyer für mehr Verständnis auf beiden Seiten

„Wir müssen unsere Gäste erziehen“, sagt Klaus Anger, zweiter Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Heidekreis. „Ja, wir haben mächtige Probleme in der Hotellerie und Gastronomie. Wir müssen uns aber gemeinsam neu aufstellen, müssen mehr Verständnis gegenseitig entwickeln und auch bei unseren Besuchern mehr Akzeptanz finden.“

Anger sagt, dass der Verband im Heidekreis unter erheblichem Personalmangel leidet. „Jeder dritte Mitarbeiter ist uns verloren gegangen. Und es sind die Köche, die uns besonders fehlen.“ Aber auch die Politik sei gefragt, beispielsweise wenn es darum gehe, dass die Mehrwertsteuer unbefristet auf sieben Prozent verringert werde. „Nur für eine kurze Zeit bringt uns das nichts.“

Zu Weihnachten wird es nach Ansicht von Anger viele Mitgliedsbetriebe geben, die nur mittags öffnen oder nur mit reduzierter Speisekarte arbeiten. Auch Silvester gebe es nach wie vor Zurückhaltung. „Es ist eben schwer, die Menschen zu motivieren, aus vielerlei Gründen. Auch ich möchte ein warmes Haus haben und nicht reduzierte Temperaturen. Ich möchte einen Veranstaltungsort mit Wohlfühl-Effekt.“

Preise können nicht bis ins Unendliche steigen

Die stark gestiegenen Betriebskosten zwingen die Branche zurzeit zum Um- oder intensiveren Nachdenken. „Aber wir können gegenüber dem Gast auch nicht unendlich teuer werden. Die Flasche Bier darf nicht sechs Euro kosten. Das macht keiner mit.“

Anger möchte gern die Gäste mit ins Boot nehmen. „Es wäre gut, wenn wir bei den Veranstaltungen mit Voranmeldungen arbeiten könnten. Das würde uns bei der Organisation helfen.“ Und dass dann auch die angemeldeten Personen kommen, „sonst sollte man Kuvert-Preise vereinbaren, um die ausgefallenen Einnahmen zu reduzieren“. Erst dann machen solche Angebote wie das Weihnachtshaus des Anders in Walsrode, das viele Mitarbeiter in stundenlanger Arbeit aufgebaut haben, wieder Sinn.

Die Branche, so Anger, hoffe trotzdem auf eine gute Vorweihnachtszeit. „Gerade im Heidekreis ist sie ein bedeutsamer Faktor mit historischem Hintergrund. Das dürfen wir einfach nicht vergessen.“

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