Nach der Corona-Zwangspause von elf Wochen läuft die Fertigung wieder

Zur Arbeit in die Heidewerkstätten

Die Pause ist beendet. Die Mitarbeiter der Heidewerkstätten dürfen wieder an ihren Arbeitsplatz.  
Foto: Müller
+
Die Pause ist beendet. Die Mitarbeiter der Heidewerkstätten dürfen wieder an ihren Arbeitsplatz. Foto: Müller

Walsrode – Gunther Rath spricht von einer spannenden Zeit. Der Geschäftsführer der Heide-Werkstätten hatte mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie den gesamten Betrieb komplett lahmlegen und die 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Hause schicken müssen, von heute auf morgen. Seit zwei Wochen geht es „ganz leise“ wieder los, beschreibt Werkstattleiter Matthias Pröhl das Geschehen.

Seit Jahren ist Pröhl in Walsrode dabei. Er hat ein Top-Team in der Holzwerkstatt, Menschen mit leichten Behinderungen, die selbstständig kommen und arbeiten können. Seit Tagen stellen sie jetzt schon Paletten für ein Bomlitzer Unternehmen her. „Wir haben noch gute Aufträge, aber wir haben auch große Bedenken, dass es weniger wird“, sagt Pröhl. Aber jetzt gehe es erst einmal darum, die strengen Hygienevorschriften umzusetzen, „damit wir überhaupt arbeiten dürfen.“

Markus aus Altenboitzen ist schon zehn Jahre in der Holzwerkstatt. Elf Wochen war Pause für ihn. „Ich habe in der Landwirtschaft ausgeholfen, hab viel zuhause gemacht, aber der Job hat mir jeden Tag mehr gefehlt.“ Er atmet tief durch, als er über die Corona-Zeit ganz ohne Werkstatt nachdenkt. Klar, jetzt muss er wie alle anderen Mundschutz tragen, in den Speiseraum geht es nur in kleinen Gruppen. Abstand ist das Gebot der Stunde.

„Aber das müssen wir durchhalten“, weiß auch Frank Wolkenhauer. Er ist für den Sozialdienst zuständig und rechnet mit tief greifenden Veränderungen. „Dabei geht es auch um das Thema Mensch. Es wird schwierig sein, einem Mitarbeiter, der seit über 20 Jahren an der gleichen Stelle gearbeitet hat, zu erklären, warum er nun nicht mehr dort sein darf, weil die Gruppe zu groß ist.“

Die Heide-Werkstätten haben sich auf den Neustart gut eingestellt. Den Anfang machten sie mit 45 Personen an und steigerten den Einsatz auf 200. Das Samocca, das beliebte Restaurant in der Stadtmitte, läuft in zwei Schichten, problemlos und mit dem Verständnis vieler Gäste.

Die Werkstätten seien, so Rath im Gespräch mit unserer Zeitung, in unterschiedlicher Weise von der Corona-Krise betroffen. Das Fachpersonal leiste viel für die Beschäftigten. Bildungsangebote werden modifiziert, Betreuung, soziale Kontakte und vieles mehr. Alles, damit Arbeitsplätze für die Menschen mit Beeinträchtigungen sicher bleiben. Rath: „Nicht zuletzt sichern Werkstätten den Menschen mit Beeinträchtigungen so auch in der Krise ein Einkommen.“

Seit dem 8. Juni haben die Heide-Werkstätten mit den ersten Schritten zur Wiedereröffnung begonnen. Maximal die Hälfte der Arbeitsplätze dürfen belegt werden. So erhalten einige der Beschäftigten endlich wieder Arbeit und Tagesstruktur. „Unsere Beschäftigten haben sich sehr gefreut, dass die Werkstätten, Samocca, Bistro-Restaurant 37 und Werqart wieder geöffnet haben. Arbeit bedeutet eben auch, dass man seine Freunde und Bekannte wieder trifft und dass der Alltag zurückkehrt“, so der Geschäftsführer.

Mit der Öffnung seien sehr strenge Vorgaben verbunden. Neben Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln ist dauerhaft Maskenpflicht. Pröhl erklärt: „In den Werkstätten sind häufiger als an anderen Arbeitsplätzen Menschen tätig, bei denen chronische Erkrankungen, Immunschwäche und andere Vorerkrankungen vorliegen. Viele gehören somit zu einer Risikogruppe.“

Gerade in der aktuellen Situation sollen sie eine verlässliche Unterstützung, soziale Kontakte, Betreuung, Beschäftigung und berufliche Qualifizierung durch Werkstätten erhalten. Das behördlich angeordnete Betretungs- und Beschäftigungsverbot führe zu großen finanziellen Unsicherheiten.  mü

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Georgias Filmorten auf der Spur

Georgias Filmorten auf der Spur

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Straßburg abseits der Selfie-Spots

Proteste gegen Sicherheitsgesetz für Hongkong

Proteste gegen Sicherheitsgesetz für Hongkong

Autotest: Was den Mazda MX-30 so besonders macht

Autotest: Was den Mazda MX-30 so besonders macht

Meistgelesene Artikel

Flüchtender Motorradfahrer

Flüchtender Motorradfahrer

Der Weg vom Ei bis ins Pasta-Mobil

Der Weg vom Ei bis ins Pasta-Mobil

Motorradfahrer schwer verletzt

Motorradfahrer schwer verletzt

Zur Arbeit in die Heidewerkstätten

Zur Arbeit in die Heidewerkstätten

Kommentare