Musik und Texte aus der Lutherzeit in der Klosterkapelle in Walsrode

Zünftiger Abend: „Sauff aus und machs nit lang“

Das Barockflötenquartett „Ut Re Mi“ unter der Leitung von Ulrike Volkhardt (links). - Foto: Leeske

Walsrode - „Sauff aus und machs nit lang“. Es ging derb zu zur Zeit des Reformators Martin Luther. Niemand nahm ein Blatt vor den Mund, wenn es galt, seinen Mitmenschen die Meinung über die Sicht der Dinge mitzuteilen.

Dementsprechend war es ein recht zünftiger Abend, zu dem das Kloster Walsrode zusammen mit dem Ensemble „Ut Re Mi“ im Rahmen der Reihe „Kirche Ma(h)l anders“ in die Kapelle eingeladen hatte. Das Barockflötenquartett, bestehend aus den Musikerinnen Bärbel Hanslik, Anette Padberg-Böhm, Maria Kemtum und der Musikwissenschaftlerin Ulrike Volkhardt, spielte Stücke aus dem Glogauer Liederbuch und die rhythmisch anspruchsvolle Musica speculativa aus der anglikanischen Kirche. Volkhardt vermittelte die Zusammenhänge und Verbindungen zu Luther.

Zur musikalischen Unterhaltung wurden herzhafte Speisen aus der Region und Walsroder Schnuckenbräu gereicht. Sprecher Christoph Linder trug von Luther überlieferte Tischreden in einem sehr erfrischenden Stil vor. So fühlten sich die Besucher des Klosters Walsrode wie bei Luthers zu Tisch und in eine ganz andere Zeit zurückversetzt – in die Zeit der Reformation vor 500 Jahren.

Der Reformator, dargestellt von Linder, mahnte seine Schäfchen „Ich habe schon eine scharfe Predigt gegen das Saufen gehalten.“ Auch Luthers Zeitgenosse Erasmus von Rotterdam schaute vorbei und erinnerte mit „Was ist das Menschliche anders als das Schauspiel?“ an die theatralischen Aspekte des menschlichen Lebens. Sehr aktuell erscheint die Aussage: „Vom Monde betrachtet sehen die Menschen wie Flöhe oder Mücken aus, wenn sie sich bekriegen oder nachstellen.“

Dann meldete sich wieder Luther zu Wort und stellte klar, dass er den nicht möge der die Musik verachte, denn „Die Musik vertreibt den Teufel“. In der Tat nahm die Musik bei Luthers einen großen Stellenwert ein und kam gleich nach der Theologie. Trotzdem sei das mit unserer Erde so eine Sache, da die Welt sei wie ein trunkender Bauer, „hilft man ihm auf den Sattel, fällt er auf der anderen Seite wieder herunter“, stellte der Reformator konsterniert fest.

Nach einer Zugabe ernteten das Ensemble unter der Leitung von Ulrike Volkhardt und der Schauspieler Christoph Linder tosenden Applaus vom satten und begeisterten Publikum.

lee

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