Zehn Jahre Geburtshaus und Hebammenpraxis Walsrode / Heute Sommerfest

Individuelle Betreuung in einem intimen Moment

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Vor zehn Jahren wurde das Geburtshaus Walsrode an der Hannoverschen Straße eröffnet

Walsrode - Ein Geburtshaus, das 2005 eröffnet wurde, fünf Hebammen mit zusammen mehr als 100 Jahren Berufserfahrung und inzwischen 378 Entbindungen, die die Expertinnen im zurückliegenden Jahrzehnt begleiteten. So weit das schnöde Zahlenwerk, wie man es zu einem runden Geburtstag gerne einmal bemüht. Dabei gibt es über das Geburtshaus Walsrode viel mehr zu berichten, nicht nur, dass es heute mit einem Sommerfest sein zehnjähriges Bestehen feiert.

„Kinder kriegen können Frauen überall“, sagt Hebamme Myriam Borchardt. Das Wissen darum sei nur aus den Köpfen verschwunden. Der Geburt ihre Natürlichkeit zurückzugeben, die Frauen mit Respekt, Humor, Herz und Freude zu begleiten, dieses Anliegen treibt Borchardt und ihre Mitstreiterinnen an.

Die gemeinsame Berufsauffassung habe sie zur Gründung des Geburtshauses bewogen, erklären Johanna Schuck, Grit Weise, Rahel Hansen, Ute Maltz-Fricke und Myriam Borchardt. „Eine Geburt ist eine sehr intime Situation. Wir finden, Frauen sollen sich aussuchen können, wer sie betreut“, verdeutlicht Myriam Borchardt dabei den Unterschied zur Entbindung im Krankenhaus. Während sich dort die jeweils diensthabende Hebamme um die Gebärende kümmert, bleibt im Geburtshaus alles in einer Hand. Ohne Schichtwechsel und ohne Mehrfachbelastung der Fachkraft, wenn mehrere Schwangere gleichzeitig in den Wehen liegen.

Im Geburtshaus begegnen sich die Frauen nicht erst bei der Niederkunft. Bereits während der Schwangerschaft baut sich das Vertrauensverhältnis zwischen der werdenden Mutter und der Hebamme auf. Und die kümmert sich anschließend natürlich auch um die Wöchnerin und das Neugeborene.

Diese 1:1-Betreuung, die individuelle Niederkunft, ob daheim oder im Geburtshaus, und dabei der Blick in das vertraute Gesicht einer kompetenten Geburtshelferin, das sei es, was die angehenden Eltern zu schätzen wüssten, weiß Myriam Borchardt.

Sollte es doch zu Komplikationen kommen, ist der Weg ins Walsroder Heidekreis-Klinikum samt Kinder- und Jugendklinik nicht weit. „Von uns bis zum Kreißsaal sind es sieben bis zehn Minuten“, flachst Borchardt.

Dieses Versorgungspaket kommt nicht nur im Heidekreis an. Auch in den Landkreisen Verden, Rotenburg und Nienburg sind die Walsroderinnen tätig. Zumindest, wenn es um Entbindungen geht. Angebote wie die Geburtsvorbereitung, die Rückbildungsgymnastik oder Babymassage seien in ihrem Zulauf eher regional begrenzt, erklärt Borchardt und verweist auf entsprechende Kurse von Kolleginnen in den Nachbarkreisen.

„Aktuell haben wir gut zu tun“, freut sich Borchardt. Die Entscheidung, als selbstständige Hebamme zu arbeiten, hat sie nie bereut. Auch wenn es mal Tage und Nächte mit wenig Schlaf gibt, „nach jeder Geburt weiß man wieder, warum man das tut“, sagt sie.

Böse werden kann sie aber angesichts der drohenden massiven Erhöhung der Berufshaftpflicht für selbstständige Hebammen. Dadurch sei die Grund- und Basisversorgung der Bevölkerung, zu der auch das Kinderkriegen gehöre, in Gefahr.

kp

Geburtshaus und Hebammenpraxis WaIsrode an der Hannoverschen Straße 46 laden heute, am Sonnabend, von 14 bis 18 Uhr, zum Geburtstagsfest ein. Bei strahlendem Sonnenschein, Kaffee und Kuchen möchten die fünf Hebammen mit vielen Gästen einen schönen Nachmittag verbringen. „Wir freuen uns auf viele bekannte Gesichter, die immer größer werdenden Kinder und ganz herzlich auf alle zukünftigen Mütter und Väter“, sagen sie. Für die Kleinen kommen Zauberer und Schminkfee, für die Großen gibt es Musik. Außerdem ist reichlich Gelegenheit, das Haus mit Geburts- und Kursräumen zu besicchtigen.

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