Kruse Logistik: Corona-Pandemie sorgt für Unruhe / Föderalismus bereitet Probleme

„Wirtschaftliche Achterbahnfahrt“

Geschäftsführer Jens Kruse.
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Geschäftsführer Jens Kruse.

Walsrode – „Wir sind ein sehr flexibles Unternehmen und haben viele Herausforderungen meistern können. Und Corona wird uns nicht von unserem Weg abbringen. Aber die Situation ist auch für die Speditionen sehr angespannt“, sagt Jens Kruse, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Kruse Logistik. Im Gespräch mit unserer Zeitung erwartet Kruse, der in Walsrode ein internationales Speditionsunternehmen aufgebaut hat, eine „schwarze Null“.

„Wir haben einige wirtschaftliche Achterbahnfahrten in diesem Jahr durch die sehr gute Entwicklung bei den Transporten für Lebensmittelgroßhändler ausgleichen können, aber dafür erhebliche Einbußen bei den Wohnungsumzügen gehabt“, erzählt Kruse. Während des ersten Lockdowns seien viele Umzüge abgesagt worden, weil die Menschen Angst bekommen hätten. „Ich rechne stark damit, dass eine solche Situation auch im Januar und Februar eintreten wird.“ 2021 werde nicht leicht werden, so der Diplom-Betriebswirt.

Auch wenn das Unternehmen mit seinen 170 Mitarbeitern auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, wird der Firmenchef tagtäglich mit Problemen aus ganz Deutschland konfrontiert. „Das ist wie eine Achterbahn“, schüttelt er den Kopf über die verschiedenen Vorschriften der Bundesländer zum Thema Speditionen. Kruse spricht von einem „Flickenteppich“. Hier zeige der Föderalismus in Deutschland deutliche Probleme auf, die die Politik endlich gemeinsam lösen müsse. „In Niedersachsen haben unsere 140 Kraftfahrer die Möglichkeit, an den Tankstellen der Autobahnen in Restaurants zu speisen, wenn sie ihren Führerschein vorlegen. Aber gleich nebenan, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, funktioniert das schon nicht mehr. Da darf Essen nur noch an der Tür ausgegeben werden. Die sanitären Anlagen können allerdings überall genutzt werden“, berichtet Kruse.

Noch viel schlimmer stelle sich die Situation in „Risikoländern“ dar. Hier müsse das Land innerhalb von 72 Stunden wieder verlassen werden, sonst gebe es ein Problem mit Quarantäne. Die Lage könne sich noch dramatisch verschlimmern, wenn es zum Brexit komme. Kruse: „Das bedeutet, dass der Lkw-Fahrer manchmal zwei, drei Tage vor der Grenze stehen muss. Und dann geht gar nichts mehr.“

Der Unternehmer setzt seinen Schwerpunkt auf das Fahren für die Lebensmitteldiscounter. „Wir konnten mit ihnen ein gutes Jahr hinlegen und sind für die Unternehmen deutschlandweit unterwegs gewesen“, erklärt er.

Ganzheitlich ist das ausgeklügelte Hygieneprogramm, das das Walsroder Unternehmen für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „unterwegs“ und im Geschäftsgebäude entwickelt hat. Kruse: „Unser Fahrer sind bestens mit Gesichtsmasken, Einmal-Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgestattet. Dazu kommt der deutliche Hinweis, immer Abstand zu halten.“

Am Stammsitz des Unternehmens in der Walsroder Vorbrück sei in Absprache mit dem Betriebsarzt ein besonderes Schutzprogramm entwickelt worden. Die Zahl der Mitarbeiter in den Büros wurde verkleinert, einige ins Homeoffice geschickt. Trotzdem herrsche dank eines geschickten, umsichtigen Managements ein gutes und vernünftiges Arbeitsklima. „Wir ziehen doch alle an einem Strang“, unterstreicht Kruse.

„Wir sehen Ansätze für eine wieder bessere Zukunft“, so der Geschäftsmann. Und vielleicht kann das Unternehmen im kommenden Jahr nachträglich sein 125-jähriges Bestehen feiern.  mü

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