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Welt-Frühgeborenentag: „Ich konnte es gar nicht glauben“

Die frühgeborenen Zwillinge Luise und Fritz, hier noch mit Magensonde zur unterstützenden Ernährung. Foto: Maria Hämmerling/ Heidekreis-Klinikum

Walsrode – Ramona ist nicht zum ersten Mal schwanger. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie bereits eine Tochter. Die Schwangerschaft der Zwillinge verlief anfangs normal. In der 26. Schwangerschaftswoche (SSW) stellte die niedergelassene Gynäkologin bei einer Routineuntersuchungen fest, dass Ramonas Gebärmutterhals verkürzt war. Ramona: „Mir wurde erklärt, dass dieser sich durch den Druck der beiden Babys öffnen könne, bevor sie für die Geburt bereit sind und eine Frühgeburt droht.“

Da die Neonatologie des Heidekreis-Klinikums erst Frühgeburten ab der 32. SSW betreut, verbrachte Ramona sechs Wochen in der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort bekam sie wehenhemmende Medikamente, um die Geburt, so lange es geht, hinauszuzögern.

Über diese Zeit erzählt Ramona: „Da ich ein absoluter Familienmensch und sehr heimatgebunden bin und meine Familie anderthalb Stunden fahren musste, um mich zu besuchen, kamen mir diese sechs Wochen wie eine halbe Ewigkeit vor.“ In der 32. SSW entließ sich Ramona auf eigene Verantwortung selbst, „da ich wusste, dass ich ab dieser Zeit in der Neonatologie des HKK aufgenommen werden konnte.“

Lange konnte Ramona die Zeit zuhause bei ihrer Familie nicht genießen. „Ich hatte drei Tage Frieden“, grinst sie. „Als ich vom Sofa aufstand, war unter mir der Boden plötzlich etwas nass.“ Ramona fuhr vorsorglich zum Arzt und war sehr erstaunt, „als ich hörte, dass meine Fruchtblase geplatzt ist. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben, ich war doch erst in der 33. SSW. Ich war mir sicher, dass sich meine Frauenärztin einfach verrechnet haben muss.“ Mit dem Rettungswagen schickte der Arzt Ramona sofort ins Krankenhaus: „Er hatte Angst, dass ich auf seinem Praxisflur entbinde.“

Kaum im Kreißsaal angekommen, traf Ramona auf Dr. med. Anne Arning, die Leitende Oberärztin. „Sie hat mir genau erklärt, wie nun die Abläufe sein werden – und dann ging alles ziemlich schnell. Fritz (1796 Gramm) hatte es sehr eilig, er war bereits nach 20 Minuten auf der Welt.“ Luise (1990 Gramm) jedoch drehte sich in die Querlage, sodass Ramona sie nicht auf natürlichem Weg entbinden konnte. Ein Notkaiserschnitt folgte. „Auch hier hatte ich keine Angst, da mich das Team vor der Entbindung schon auf diese mögliche Notwendigkeit vorbereitet hatte.“

Nach der Geburt kamen Fritz und Luise auf die Neonatologie, die Neugeborenen-Intensivstation. Arning: „Jedes Frühchen kommt auf die Neonatologie. Die kleinen ‚Neo-Spätze‘, wie wir sie gerne nennen, brauchen besondere Fürsorge und Beobachtung, die wir nur hier auf der Neonatologie in vollem Umfang leisten können.“

Ramona war neugierig, wie ihre Kleinen wohl aussehen würden: „Ich war erstaunt, wie fertig sie aussahen, so ausgereift. Als ich sie im Inkubator mit der Magensonde gesehen habe, habe ich mir erst große Sorgen gemacht. Aber die Schwestern und Pfleger haben uns alles erklärt: Wie man die Windeln wechselt und auch, wie man sie überhaupt anfasst: Die beiden waren so winzig, so zerbrechlich. Man will sie ja nicht kaputtmachen“, erinnert sich Ramona lächelnd. „Es gab keine Grenzen von Seiten des Neo-Teams, wir hatten alle Freiheiten, die wir brauchten. Die Schwestern haben uns jederzeit geholfen, egal zu welcher Uhrzeit.“

Nach ungefähr einer Woche durften Fritz und Luise zu Ramona auf die Normalstation, ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. „Das war ein guter Übergang“, erinnert sich Ramona. „Dort konnte ich wunderbar für Zuhause üben. In der einen Nacht haben Fritz und Luise zum Beispiel gleichzeitig geweint, weil sie Hunger hatten. Da war ich kurz überfordert und dachte mir dann ‚Wir muckeln uns das jetzt irgendwie zurecht.‘ Ich habe sie dann eingewickelt, in mein Bett gelegt und stereogefüttert. Das Wissen, in dieser, wie auch in anderen Situationen, jederzeit nach Hilfe klingeln zu können, wenn es nicht gleich geklappt hätte, hat mir die nötige Sicherheit gegeben, es einfach selbst zu versuchen.“

Mittlerweile meistern Ramona, Fritz und Luise gemeinsam mit der ganzen Familie den Alltag. Wie in diesem Fall, war und ist es oft nicht vorhersehbar, dass eine Frühgeburt droht. Arning: „Dann gerät der Zeitplan durcheinander und die Situation an sich versetzt die Eltern in große Sorge. Es ist alles ungewiss, vieles noch nicht fertig organisiert. Wir versuchen als Team, die Eltern zu unterstützen, zum Beispiel mit frühen Hilfen.“

Weltweit ist jedes neunte bis zehnte Kind ein Frühgeborenes („Frühchen“). In Deutschland kommen jedes Jahr rund 65  000 Neugeborene zu früh auf die Welt. Es handelt sich um Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Sie und ihre Familien brauchen von Anfang an eine besondere Unterstützung, auf die sich das Team der Neonatologie des Heidekreis-Klinikums (HKK) Walsrode als perinatologischer Schwerpunkt für Frühgeborene ab der 32. Schwangerschaftswoche (SSW) und/oder einem Geburtsgewicht ab 1 500 Gramm spezialisiert hat.

Am Sonntag, 17. November, ist Welt-Frühgeborenentag. An diesem Tag möchte das Team der Neonatologie über das Thema Frühgeburtlichkeit informieren. Es steht zwischen 11 und 16 Uhr für alle Fragen in der Eingangshalle des Krankenhauses Walsrode zur Verfügung. Es gibt Kekse, Kaffee und ein Bällebad für wartende Kleinkinder.

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