Michael Haake betreibt in Altenboitzen eine Börse für Gebrauchtmöbel

Was noch nicht auf den Sperrmüll gehört

Zwei Männer stehen nebeneinander in einem Raum voller Gebrauchsgegenstände.
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Gebrauchsfähigen Gegenständen aus zweiter Hand bietet die Sperrgutbörse in Altenboitzen, die 1995 von Michael Haacke (links) gemeinsam mit Wolfgang Quer gegründet wurde. Sechsmal im Jahr ist ein Abholtag und sechsmal iim Jahr ein Bringetag.

Möbeln und Gebrauchsgegenstände sammelt Michael Haake auf dem Sperrmüll oder nimmt sie von Menschen an, die ihre unversehrten Dinge zwar ersetzen, aber nicht wegwerfen wollen. Zu ihm kommen dann Kunden, die sich in sozialen Notlagen befinden und ihr Zuhause etwas wohnlicher einrichten wollten.

Altenboitzen – „Damals hat es mich immer mehr geärgert, dass im Sperrmüll oft noch brauchbare und teils auch neuwertige Gegenstände wie Möbel oder andere Sachen zur Abfuhr bereitstanden, die durchaus noch weiter hätten verwendet werden können“, begründet Michael Haake seinen 1995 gefassten Entschluss, in Altenboitzen eine Sperrgut-Börse aufzubauen.

Trotz anfänglicher Zweifel bewährte sich das Konzept und aus den Erlösen konnten etliche soziale Maßnahmen gefördert werden.

Die Idee des selbstständigen Tischlers war es, diese Börse als eine Einrichtung zu sehen, bei der jeder kostenlos Gegenstände des täglichen Bedarfs abgeben und abholen kann. Nach seiner Einschätzung gibt es in vielen Haushalten nicht mehr genutzte Dinge, die abgestellt werden, aber zum Wegwerfen zu schade sind. Die Börse sollte eine Möglichkeit sein, die Dinge dem weiteren Gebrauch zuzuführen, anstatt dass sie vor sich hin rotten, um sie dann doch in die Sperrmüllabfuhr zu geben.

Neben einem ökologischen Zweck hat die Sperrgutbörse auch eine soziale Bedeutung, die Haacke durch sein schon damals ausgeprägtes Engagement im sozialen Bereich immer wieder bewusst war. So benötigten Menschen in einer sozialen Notlage oft genug Sachen wie Einrichtungsgegenstände für den täglichen Haushalt, die sie nicht finanzieren könnten. Dieser Gruppe war eine Neuanschaffung kaum möglich und daher sollte diese Einrichtung eine gute Lösung für eine Anschaffung sein.

Es sind inzwischen oft Migranten, die sich beim Michael Haacke mit Möbel versorgen

Der Secondhand-Bereich ist aber auch für Studenten, die sich kostengünstig für einen überschaubaren Zeitraum einrichten wollen, eine willkommene Alternative. Eine weitere Gruppe von Menschen, die 1995 noch nicht groß in Erscheinung getreten war, schaut sich seit einigen Jahren an den Holtagen in der Halle um: Es sind die Migranten in den Wohnzentren, die hier ihre Unterkunft etwas wohnlicher gestalten wollen. Haacke erzählt in diesem Zusammenhang von einer anderen Aktion auf privater Basis, die mit dem Export von etlichen Einrichtungsgegenständen nach Sri Lanka (Ceylon) endete.

Aber nicht nur die Menschen, die über jeden Cent froh sind, den sie bei den Lebenshaltungskosten einsparen können, schauen sich bei den Holtagen um. Auch für „Gutsituierte“ kann die Börse zu mitunter überraschenden Funden führen, die aktuell im Handel nicht mehr zu finden sind. Normal umfasst die Angebotspalette das Mobiliar fast jeder Art sowie unter anderem eben auch Geschirr und Taschen oder Taschenbücher. Elektrogeräte gibt es jedoch nicht.

Michael Haacke nimmt nur gebrauchsfähige Stücke an.

Die angelieferten Sachen, die beispielsweise auch aus Haushaltsauflösungen stammen, müssen noch gut nutzbar sein. Nicht mehr gebrauchsfähige Gegenstände werden nicht angenommen. „Damit soll diesen Anliefernden auch bewusst werden, dass sich ihre abgegebenen Haushalts-Gegenstände in einem Wirtschaftskreislauf einer sehr viel längeren Nutzung zugeführt werden, die eine Sensibilisierung für eine notwendige Müllvermeidung und Wiederverwertung zur Folge haben kann“, sagt Haacke.

Eine strikte Trennung von Bring- und Holtagen wurde von der Gründung her eingehalten: Jeden dritten Sonnabend in den ungeraden Monaten gibt es seither einen Bring- und an jedem dritten Sonnabend in den graden Monaten einen Abholtag, jeweils von 10 bis 12 Uhr. Vor Ort überwachen Michael Haacke und Wolfgang Quer, von Beginn an ein bewährter Mitstreiter, die angelieferten Gegenstände auf Qualität. Dabei werden schon mal Sachen abgewiesen, die bereits mehrmals oder schon längere Zeit im Bestand sind und nicht abgesetzt werden können. Regelmäßig holt auch der Abfalldienst des Heidekreises die Dinge ab, die absolut keinen Abnehmer finden.

Gegen einen Eintritt von aktuell drei Euro pro Person können sich Interessierte in der Halle umschauen und aussuchen, was man gebrauchen kann: Möbel, Lampen, Bücher sowie Haushaltsgegenstände oder auch Spielsachen. Für besonders schöne Stücke oder eine größere Sammlung freut sich die Börse auch über eine zusätzliche Spende.

Mit dem Erlös unterstützt die Börse verschiedene soziale Maßnahmen, wie beispielsweise die ihr besonders am Herz liegende Kinderhilfe Kovel/Ukraine. Auskünfte zur Sperrmüllbörse gibt es von Michael Haacke unter der Telefonnummer 05166/368 oder mobil unter 0171/8507159.

Von Harald Röttjer

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