Der Walsroder Thomas Bartsch:

Von der Beglückung des Schreibens

Porträt  des  Psychotherapeuten und Autoren Thomas Bartsch
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Schon zu Schulzeiten entdeckte Thomas Bartsch seine Liebe zur Lyrik. Sie ist ihm Berufung und hat ihn zum Beruf als Mediziner und Psychotherapeut geführt.

Von Beruf ist Thomas Bartsch Psychotherapeut, aus Berufung ist er Autor. Vor allem die Lyrik hat es dem Walsroder angetan, und das bereits seit Schülertagen. Er liebt es, sie zu lesen - und zu schreiben. Unter dem Titel „Von Übergang zu Übergang“ ist nun im Geest-Verlag ein Band mit Gedichten des 63-Jährigen erschienen.

Walsrode – „Nein“, sagt Thomas Bartsch und lacht herzlich. Er habe noch kein Bungee-Jumping gemacht. Das gleichnamige Gedicht, dessen Inhalt – „es war für mich eine Metapher“, erklärt er und ist gleich mittendrin im Thema, der Lyrik. Denn die bildhafte Sprache, das sei schließlich „das Wesen der Lyrik“.

Thomas Bartsch ist Psychotherapeut mit Praxis in Walsrode. Im, „Zweitberuf“ und aus Berufung schreibt der 63-Jährige Gedichte. Eine Auslese seiner Werke, entstanden über mehrere Jahre, ist jetzt unter dem Titel „Von Übergang zu Übergang“ in Buchform im Geest-Verlag erschienen.

In zumeist kurzen, sehr verknappten Versen greift Thomas Bartsch eine Vielzahl von Themen auf. Zwischenmenschliches, Selbstreflektierendes, auch Sozialkritisches wie in „Up to date“: „Gestern heißt heut – Obsolet – Wer noch nachsinnt – kommt zu spät. Langsam heißt – Nicht schnell genug – Nur wer eilt – ist lebensklug (...)“.

Auch mal mit einem Augenzwinkern, zum Beispiel in „Diplomatie“: „Ein Auge zudrückend – Ein wenig nachgeben – Ein Kichern und Lächeln zur rechten Zeit – Ein geduldiges Warten und Plaudern – Ein warmer Händedruck – Eine kleine Krümmung – Und Drehung nur – Wären bloß nicht – Diese Schmerzen – Im Rückgrat...“

Zeitlos sind seine Themen. Manches arbeitet lange in ihm, dann ploppt es auf, will in Worte gefasst werden. Das Klischee vom Dichter, der in Klausur geht, um sich einzig seinem literarischen Wirken zu widmen, erfülle er nicht, sagt Bartsch. Er beschreibt es vielmehr als „sich nach außen abzuschließen, um sich nach innen zu öffnen“.

Befriedigung und Beglückung empfinde er bei seinem dichterischen Tun. „Beim Schreiben sind Sie frei. Es sind keine Inhalte vorgegeben. Und auch die Form ist eine autonome Entscheidung“, schwärmt der Walsroder.

Aber: Was auf den ersten Blick wirkt wie von leichter Hand zu Papier gebracht, ist in Wirklichkeit das Ergebnis stringenter Arbeit. „Es ist selten so, dass ich einen Text schreibe und der bleibt dann so stehen“, erklärt er. Stattdessen wird gefeilt an den Worten, abstrahiert und reduziert.

„Ich bin von meiner Struktur her kein Perfektionist“, betont Thomas Bartsch. Dennoch beendet erst die Veröffentlichung den von großer Akribie begleiteten Schaffensprozess. „Ich sehe darin keinen Makel.“ Aber man müsse sich dann auch wieder lösen vom eigenen Anspruch, ehe sich eine „gärende Unzufriedenheit“ breitmache.

„Lyrik ist immer auf ein Du ausgerichtet“, verdeutlicht der Autor. Sie sei keine Nabelschau, kein Schreiben vom Elfenbeinturm aus.

Dem Leser steht es so frei zu interpretieren. „Lyrik ist immer vielschichtig“, sagt Thomas Bartsch. „Assoziationen können und und dürfen nicht vorgegeben sein.“ So unterschiedlich die Menschen seien, so unterschiedlich seien die Arten der Wahrnehmung.

Seine Liebe zu Gedichten entdeckte der 63-Jährige bereits in seiner Schulzeit. Diese Leidenschaft „hat nie wirklich aufgehört“, sagt er heute. Der Autor kommt ins Schwärmen – und bricht eine Lanze für diese von ihm so geschätzte literarische Gattung.

„Lyrik ist eine Kunstform“, macht er deutlich. Und so stört es ihn, wenn über jemanden gesagt wird, er oder sie schreibe „auch“ Gedichte, so als seien dies Anhängsel und kein eigenständiges Genre.

Anders als manch anderen Pennäler schreckten ihn als Jugendlichen Gedichte nicht ab. Im Gegenteil. „Die Romantiker haben mich durchaus beeindruckt“, berichtet der Walsroder vom früh erwachten Interesse. Später habe er auch Hermann Hesse für sich entdeckt, dazu die Sprache Robert Musils und Franz Kafkas. Und Liedermacher wie Hannes Wader, der sich in einigen seiner Texte ebenfalls der Romantik zugewandt habe.

Der Gedichtband „Von Übergang zu Übergang“ ist im Buchhandel für elf Euro erhältlich.

Die Lyrik, auch im vielzitierten „Land der Dichter und Denker“ führt sie ein Nischendasein. Vielleicht mag dies auch an der Art liegen, wie Gedichte lange Jahre im Unterricht behandelt wurden: durch das Auswendiglernen und Vortragen. „Dieses Aufsagen vor der Klasse ist natürlich eine ausgesprochene Stresssituation.“

„Große Verlage nehmen Lyrik gar nicht mehr auf“, berichtet Bartsch. Mit Gedichten ist kein großer Umsatz zu machen. Die Hoffnung, es möge wieder besser werden, es mögen sich ihr wieder mehr Menschen zuwenden, mag der Walsroder aber nicht aufgeben.

Die Lyrik gehe in die Tiefe, meint der Autor und blickt dabei auch als Therapeut auf die in seinen Augen so wichtige Auseinandersetzung mit der Literatur. Die Kommunikation über WhatsApp, Twitter, Instagram und Co. verstümmele die Sprache. „Einfache deutsche Wörter brechen weg“, hat er bei seiner Arbeit festgestellt, dass die Bedeutung von Begriffen oft gar nicht mehr bekannt ist.

Sprache aber sei wichtig. Für die Selbstreflexion. Und für die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, die Perspektive zu wechseln..

Vielleicht aber behält Thomas Bartsch ja recht, wenn er an eine Renaissance der Lyrik glaubt. Der Bremer Literaturpreis jedenfalls ging in diesen Tagen an die Berliner Autorin Marion Poschmann für „Nimbus“, einen Gedichtband.

Von Katrin Preuss

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