Berufungsprozess vor dem Landgericht Verden

Vier Monate Haft wegen Betruges

Walsrode/Verden - Weil der Vater kein Konto mehr bei der Bank bekommen hatte, eröffnete sein Sohn eines auf seinen Namen und stellte es dem Vater zur Verfügung. Was der junge Mann nicht ahnte: Der Vater beantragte eine Tankkarte und gab für die Abbuchungen das auf den Namen des Sohnes laufende Konto an. Der Schwindel flog auf, der Sohn erfuhr jedoch erst davon, als der Gerichtsvollzieher bei ihm vor der Tür stand. Strafrechtlich wurde der 56 Jahre alte Vater belangt. Wegen Betrugs muss er vier Monate in Haft.

In erster Instanz hatte der Angeklagte noch behauptet, dass er davon ausgegangen sei, sein Sohn würde die Schulden in Höhe von rund 600 Euro bei dem Tankstellenbetreiber begleichen. „Ich dachte das, weil er ein netter Mensch ist“, soll der 56-Jährige in dem Prozess am Amtsgericht Walsrode behauptet haben.

Der Sohn hatte ausgesagt, dass er sich bei dem Konto zu einer Dummheit habe hinreißen lassen. Aber von der Tankkarte und den Schulden habe er nichts gewusst.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts Walsrode hatte der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt und stellte sich in der Berufungsverhandlung zunächst auch wieder als unschuldiger und liebender Vater dar. „Ich finde es nicht lustig, dass ich hier sitze, aber ich mache meinem Sohn keine Vorwürfe“, so der Angeklagte. Wenigstens räumte er ein, dass der Sohn von der Karte nichts gewusst habe. Mit dieser hatte der Arbeitslose nicht nur getankt, sondern bei der Tankstelle auch eingekauft. Milch, Bockwurst, Kaffee, Zigaretten – die Rechnungen wurden bis zur Berufungsverhandlung nicht beglichen. „Ich habe es von der Priorität her in die Ecken gestellt“, so der Angeklagte.

Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt schien zunehmend die Geduld zu verlieren. Als der Angeklagte dann noch als Ziel seiner Berufung eine Strafaussetzung zur Bewährung angab, platzte ihr fast der Kragen. „Sie wollen mit mir über Bewährung diskutieren? Da muss ich lachen. Sie haben einen Bundeszentralregisterauszug wie ein Buch. Wenn ich schon höre: „Von der Priorität her in die Ecken gestellt. Sie standen unter laufender Bewährung“, so der verbale Gegenschlag der Juristin.

Der Vorsitzende Richter Jürgen Seiffert ging sanfter vor, verdeutlichte dem Angeklagten aber ebenfalls, dass die Berufung keine Erfolgsaussichten habe. Der 56-Jährige tat sich schwer, nahm dann aber das Urteil des Amtsgerichts Walsrode an. Der Sohn musste als Zeuge nicht mehr gehört werden. - wb

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