Neues Verfahren der „sanften Blutwäsche“ im HKK

Für viele Patienten besser verträglich

Freuen sich über die neuen Behandlungsmöglichkeiten: Pflegerin Agnes Baron, Internist und Nephrologe Jörg Hamann, Chefarzt Dr. Ulrich Blumenthal und Stationsleiter Carsten Schedwill (von links). Foto: Heidekreis-Klinikum/Marielle Wegener

Walsrode – Jedes Jahr werden auf der Intensivstation des Heidekreis-Klinikums Walsrode mehr als 1 400 Patienten behandelt. Etwa 200 von ihnen müssen dialysiert werden.

Bei der Dialyse (Nierenersatzbehandlung), die im Volksmund auch Blutwäsche genannt wird, werden nicht nur schädliche Stoffe oder Abbauprodukte, wie Kreatinin oder Harnstoff, aus dem Blut entfernt. Meistens muss darüber auch Wasser ausgeschieden werden, da häufig bei einem akuten Nierenversagen nur sehr geringe Harnmengen ausgeschieden werden. Chefarzt Dr. Ulrich Blumenthal: „Bis Mitte 2018 hatten wir für unsere Patienten auf der Intensivstation mit unseren Partnern aus dem Dialysezentrum Jörg Hamann das sogenannte intermittierende Hämodialyse-Verfahren genutzt. Das heißt: Dialysepflichtige Patienten wurden an drei Tagen in der Woche für maximal vier Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen. In sehr kurzer Zeit wurde also viel Blut ,gewaschen’ und Wasser entzogen.“

Der sich bei diesem Verfahren jedoch schnell ändernde Wassergehalt im Körper der Patienten und die dazu kommenden Verschiebungen von größeren Blutmengen aus dem Patienten in die Maschine und wieder zurück sei für schwerstkranke und instabile Intensivpatienten eine sehr schwere Belastung. Blumenthal: „Außerdem wird bei der Hämodialyse die Blutgerinnung der Patienten durch Medikamentengabe gehemmt. Das heißt, dass es – vor allem bei frisch operierten Patienten – zu einem Blutungsrisiko kommt.“

Deshalb wird seit einem halben Jahr ein weiteres Dialyseverfahren im Klinikum genutzt: Die kontinuierliche venovenöse Hämodiafiltration, Kurzform: CVVHDF (aus dem Englischen = continuous, veno-venous hemodiafiltration). Blumenthal: „Bei der Hämofiltration müssen Patienten keine Blutgerinnungshemmer gegeben werden. Außerdem wird sanfter dialysiert, nämlich kontinuierlich: Unsere bettlägerigen Patienten sind rund um die Uhr an diese Maschine angeschlossen. Der Entzug von Wasser und Giftstoffen erfolgt langsam und gleichmäßig über 24 Stunden.“

Herkömmliche Dialyse weiterhin möglich

Nicht immer ist das langsame Verfahren für alle Patienten besser. Blumenthal: „Selbstverständlich bieten wir in enger Zusammenarbeit mit dem Dialysezentrum weiterhin die herkömmliche Behandlung an. Jederzeit steht mit Jörg Hamann ein Facharzt für Nephrologie für Patienten mit Nierenproblematiken zur Seite. Doch jetzt besteht die Möglichkeit, jedem Patienten das für ihn beste Verfahren zur Verfügung zu stellen.“

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