Berufungsverfahren wegen Vergewaltigung

Zur Verurteilung fehlt die Sicherheit

Walsrode/Verden - In dem Berufungsverfahren gegen einen wegen Vergewaltigung angeklagten 41 Jahre alten Mann aus Walsrode hat das Landgericht Verden am Dienstag den Freispruch aus erster Instanz bestätigt. Die Berufungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin wurden von der 12. Kleinen Strafkammer verworfen.

„Wir wissen schlichtweg nicht, was passiert ist“, betonte der Vorsitzende Richter Lars Engelke in der mündlichen Urteilsbegründung. Für eine Verurteilung fehle es an der notwendigen Sicherheit.

Es ging um ein Geschehen am Pfingstwochenende 2016 in der Wohnung eines weiteren 41 Jahre alten Mannes in der Quintusstraße. Dieser Mann saß beim Amtsgericht Walsrode und zu Beginn des Berufungsverfahrens am 7. Dezember 2017 noch mit auf der Anklagebank. Doch sein Urteil war nach einer Berufungsrücknahme der Gegenseite bereits am ersten Verhandlungstag rechtskräftig geworden.

Die Männer und die Frau kannten sich aus einer Spielothek. Es entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung. An jenem Abend im Mai hatten sich der gestern freigesprochene Mann und die Frau verabredet. Gemeinsam besuchten sie spätabends den anderen 41-Jährigen in dessen Wohnung.

Frau hielt am Vorwurf einer Vergewaltigung fest

Dort sollte es laut Anklageschrift im Wohnzimmer zu der Vergewaltigung gekommen sein, während sich der andere Mann ebenfalls in der Wohnung aufhielt. Dieser habe danach auch noch sexuelle Handlungen gefordert, aber nicht erzwungen, so der ursprüngliche Vorwurf.

Der Angeklagte hatte alles als einvernehmlich dargestellt, die Frau aber am Vorwurf einer Vergewaltigung festgehalten. Keinen Zweifel an einem Tatgeschehen hatte die Staatsanwaltschaft und stützte sich dabei unter anderem auf die Ausführungen einer psychiatrischen Sachverständigen, die von einer erlebnisbezogenen Aussage berichtet hatte. Drei Jahre und vier Monate Haft lautete gestern die Forderung der Staatsanwältin.

Weiterer Vergewaltigungsprozess mit Freispruch beendet

Die Verteidiger hielten dagegen und viele Argumente ließen sich problemlos auf andere gleich gelagerte Fälle, bei denen es Aussage gegen Aussage steht, übertragen. Zeitgleich wurde Dienstag in einem anderen Saal des Landgerichts auch wegen einer angeklagten Vergewaltigung verhandelt. Ebenfalls nur zwei Beteiligte, keine direkten Tatzeugen, und auch dieser Prozess endete mit einem Freispruch.

„Wir haben einfach das Problem, taugliche Feststellungen für einen Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Frau treffen zu können“, betonte der Vorsitzende in dem Walsroder Fall. „Wir bezichtigen die Nebenklägerin keiner Lüge und keiner unwahren Aussage“, betonte Engelke abschließend. Es fehle an der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit. Staatsanwaltschaft und Nebenklage haben die Möglichkeit, das Urteil anzufechten. - wb

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