1. Startseite
  2. Lokales
  3. Heidekreis
  4. Walsrode

Verdoppelung der Strom- und Gaskosten im Heidekreis

Erstellt:

Von: Klaus Müller

Kommentare

Zwei Männer in einem Büro.
Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Claus-Jürgen Bruhn (r.) und Vertriebsleiter Thomas Heine im Pressegespräch. © Müller

Harte Zeiten. Vor allem für die Kunden und Mitarbeiter der Stadtwerke Böhmetal. Vertriebsleiter Thomas Heine kämpft an vielen Fronten, um auch künftig ein seriöses Angebot, das für alle vertretbar ist, abzugeben. „Ich kann kaum noch eine Nacht ruhig schlafen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Walsrode – Er und sein Team führen zahlreiche Gespräche mit den Kunden, die gerade ihr Angebot für Gas und Strom für 2023 bekommen haben und versuchen zu beantworten, wie es weitergehen kann. „Teilweise liegen unsere Zahlen bei einer Erhöhung von bis zu 140 Prozent.“ Die angekündigten Gas- und Strompreisbremsen nicht eingerechnet. „Das wird seine Zeit brauchen. Am Dienstag kam die Meldung aus Kreisen der Bundesregierung, dass es eine Deckelung der Kosten ab 2023 geben werde. Die solle allerdings erst im März rückwirkend bis Januar an die Kunden gezahlt werden. „Wie wir das logistisch umsetzen sollen, wissen wir noch nicht, aber es muss irgendwie klappen.“

Von Glück sprach Heine angesichts der bisher überwiegend milden Temperaturen. Darum seien die Gaslager randvoll, was sich aber durch einen strengen Winter schnell wieder ändern könne. „Gaspreisdeckelung, die Reduzierung der Mehrwertsteuer, sie werden den Gaskunden in diesem Jahr helfen, über die Runden zu kommen, sogar mit einem kleinen Guthaben“, sagt der Experte.

Handelspreise weiterhin auf einem sehr hohen Niveau

Wie Geschäftsführer Claus-Peter Bruhn und Thomas Heine im Gespräch mit der Verdener Aller-Zeitung feststellten, habe sich an der grundlegenden energiewirtschaftlichen Situation wenig verändert. Die Handelspreise für Strom und Erdgas seien weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Da die Heizperiode bevorstehe, werde es keine Entwarnung geben können und weiterhin von einer Gasmangellage ausgegangen, obwohl die Erdgasspeicher gut gefüllt seien und das erste Anlandungsterminal in Wilhelmshaven bereits im Dezember Flüssigerdgas aufnehmen solle.

Großes Thema seien die steigenden Preise für Strom und Erdgas. „Der Gesetzgeber sorgt mit dem Soforthilfegesetz und weiteren Maßnahmen für Entlastung.“ So habe die Bundesregierung jüngst beschlossen, Erdgaslieferungen mit 7 statt mit 19 Prozent zu besteuern. Die Stadtwerke Böhmetal werden die Vorgaben des Bundesministeriums der Finanzen umsetzen: „Sofern die Ablesezeiträume zu einem Zeitpunkt nach dem 30. September 2022 und vor dem 1. April 2024 enden, sind die Lieferungen des gesamten Ablesezeitraums dem ab 1. Oktober 2022 geltenden Umsatzsteuersatz von 7 Prozent zu unterwerfen.“

Daneben werde es für Erdgaslieferungen eine „Dezemberhilfe“ geben. Der Abschlag Erdgas mit Fälligkeit zum 1. oder 15. Dezember entfällt und wird nicht durch die Stadtwerke Böhmetal abgebucht. Selbstzahler werden gebeten den Abschlag nicht zu überweisen.

Appell zum Energiesparen

Die zunächst guten Nachrichten werden mit Blick auf die Preise für das Lieferjahr 2023 getrübt. Ab dem 1. Januar werden alle Strom- und Erdgaskunden der Stadtwerke Böhmetal mit Preissteigerungen rechnen müssen, mit Ausnahme der Kunden in der Erdgasgrundversorgung und mit dem Tarif böhmeGas FIX. „Die Preisanpassungsschreiben werden in dieser Woche an die Kunden verschickt.“

Für einen Musterhaushalt (vier Personen) mit einem Jahresverbrauch von 3 000 Kilowattstunden (kWh) Strom (böhmeStrom Haushalt) und 20 000 kWh Erdgas (böhmeGas Haushalt) würden sich unter Berücksichtigung der Strom- und Gaspreisbremse die monatlichen Kosten für Strom von 63 auf 117 Euro und bei Erdgas von 119 auf 227 Euro erhöhen.

Nach neuesten Informationen soll für jeweils 80 Prozent einer noch zu bestimmenden Jahresmenge der Strompreisdeckel bei 40 Cent brutto und der Gaspreisdeckel bei 12 Cent brutto pro Kilowattstunde liegen. Mit Einführung der Deckel soll den Kunden ein Anreiz zum Einsparen von Strom und Erdgas geboten werden.

Claus-Jürgen Bruhn: „Wir können nur hoffen, dass sich die allgemeine Situation zumindest mittelfristig verbessern wird und schließen uns den Appellen der Bundesbehörden an: Wenn möglich, so viel Energie wie möglich einzusparen.“ Die Stadtwerke Walsrode ständen, wie Bruhn auf Nachfrage sagte, auf „gesunden“ Beinen, auch in dieser Situation.  

Auch interessant

Kommentare