Urteil im Berufungsverfahren in Verden

4800 Euro Strafe und Fahrverbot

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Walsrode - Ein überraschendes Ende fand gestern am Landgericht Verden der Prozess gegen einen 46 Jahre alten Angeklagten aus Walsrode. Der selbstständige Handwerker hatte bis zum Schluss vehement bestritten, ohne Fahrerlaubnis gefahren zu sein, als es im Januar 2012 zu einem Unfall auf der A27 gekommen war. Kurz vor dem Ende des Berufungsverfahren lenkte er ein, um seinen neuen Führerschein nicht zu gefährden.

Zunächst wurden am zweiten Verhandlungstag noch der Fahrer des gegnerischen Unfallfahrzeugs und ein Ersthelfer gehört. Beide Männer sagten aus, dass sie an dem rund 200 Meter entfernt liegen gebliebenen Unfallwagen des Angeklagten keine zweite Person gesehen hätten. Der 46-Jährige habe ihnen gegenüber behauptet, der Fahrer sei gerade „ausgetreten“. Laut dem ebenfalls in Walsrode wohnenden Geschädigten, habe der Angeklagte auf ein Haus gedeutet, wohin der angebliche Fahrer auf Toilette habe gehen wollen. „Wir standen da zehn bis zwölf Minuten, in der Zeit kam aber niemand wieder“, berichtete der 44 Jahre alte Ersthelfer aus Ahlden. Als der Zeuge weitergefahren war, kam ein Bus mit drei Männern. Sie hätten sich mit dem Angeklagten in einer Sprache unterhalten, die er nicht verstehe, berichtete der Geschädigte. Die Männer stammen aus Polen. Dann habe sich einer von ihnen als Fahrer zu erkennen gegeben.

Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Walsrode hatten das für eine Schutzbehauptung gehalten, weil der Angeklagte zum Unfallzeitpunkt keinen Führerschein hatte. Der Handwerker war in erster Instanz wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Geldstrafe in Höhe von 5600 Euro verurteilt worden. Außerdem war eine einjährige Sperrfrist verhängt worden, vor deren Ablauf ein Führerschein nicht wieder erlangt werden darf. Das Urteil war jedoch nicht rechtskräftig geworden, deshalb die Berufungsverhandlung am Landgericht.

Die Beweisaufnahme war abgeschlossen, ein Beweisantrag auf einen Ortstermin abgelehnt und die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten thematisiert, da wurden die Vorstrafen erörtert. Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft und erklärte auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Andrea Ramsauer, dass der Grund für den Verlust des Führerscheins zu viele Punkte in Flensburg gewesen seien. Mittlerweile habe er den Führerschein neu gemacht, was für Unsicherheit bei den Juristen sorgte. Was würde aus der einjährigen Sperrfrist, wenn die Berufung verworfen werden sollte?

Ohne Führerschein

in Unfall verwickelt

Das Risiko war dem Angeklagten offenbar zu groß und es kam zu einer Verständigung, die inhaltlich einem Geständnis gleichkommt. Wegen veränderter finanzieller Verhältnisse wurde im gestrigen Urteil die Tagessatzhöhe und damit die Geldstrafe auf 4800 Euro reduziert und weil die Tat mittlerweile drei Jahre zurückliegt, die einjährige Sperrfrist auf ein einmonatiges Fahrverbot verringert.

Dem Angeklagten drohen jetzt Regressforderungen der Versicherung und „seinen“ Zeugen Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage beziehungsweise Strafvereitelung. Genau davor hatte die Vorsitzende den Angeklagten und die Zeugen vor deren Aussagen eindringlich gewarnt.

wb

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