Umnutzung der Walsroder Gänseweide: Gewinnerentwurf steht fest

Unkonventionell, nicht unrealistisch

Flanieren, shoppen, arbeiten, wohnen, essen und trinken – all das könnte an der Walsroder Gänseweide bald möglich sein. Dieses Bild findet sich im Siegerentwurf.

Walsrode – Ganz viele Fragen mussten die Architektur-Studenten beantworten. Politiker und Anwohner waren in großer Zahl in den Walsroder Ratssaal gekommen und wollten alles über die Entwürfe für die Umnutzung der Gänseweide, dem ehemaligen Raiffeisengelände, wissen. Der studentische Ideenwettbewerb fand am Donnerstagabend mit der Entscheidung über den Siegerentwurf seinen Höhepunkt.

Die Studierenden der Hochschule 21 in Buxtehude waren natürlich aufgeregt. Sie wollten – angesichts von Ehre und Preisgeld – alle gern gewinnen. Doch noch mehr steht für die Walsroder auf dem Spiel: Schließlich handelt es sich bei der Entwicklung der Gänseweide um das größte Wohnbauprojekt der Stadt seit mindestens 30 Jahren.

Die Aufgabe, die den Nachwuchsarchitekten gestellt wurde, lautete: Das ehemals gewerblich genutzte, rund 3,5 Hektar große größtenteils brachliegende Gelände im Süden der Kernstadt in ein urbanes Quartier zu verwandeln, mit einem Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten sowie kulturellem und sozialem Leben. Statt dem für Walsrode typischen Einfamilienhausgebiet waren hier architektonisch innovative Konzepte gefragt. Verdichtete, auch mehrgeschossige Bauweise war ausdrücklich gewünscht, ebenso eine ökologisch nachhaltige Konzeptionierung.

„Wir sind als Hochschule sehr froh über so eine tolle Aufgabenstellung“, sagte Prof. Dr. Karsten Ley. Er berichtete, dass die Nachwuchsarchitekten allesamt einen dualen Studiengang absolvierten und somit bereits in Architekturbüros oder in Verwaltungen arbeiteten. „Sie sind also geerdet und wissen, was geht und was nicht. Sie kommen nicht aus dem Elfenbeinturm.“

Eigentümer der Flächen sind die Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft Südheide (GES) der Kreissparkasse, die Kommunalservice Böhmetal und die Stadt Walsrode. Matthias Schröder, Sparkassendirektor, sagte: „Uns war seit dem Umzug der Raiffeisen nach Kirchboitzen klar: Dieses Filetstück von Walsrode sollte kein fremder Investor bekommen.“ Von den studentischen Entwürfen zeigte er sich begeistert: „Darin steckt viel Herzblut.“ Die KSK spendete ein Preisgeld in Höhe von 5 000 Euro. 1 500 legte das Architekturbüro Planungsgemeinschaft Nord (PGN) obendrauf.

Für die Gäste bestand am Donnerstag die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre mit den Studierenden über die Planungen ins Gespräch zu kommen. Professionell, mit 3D-Modellen, Plakaten und schicken Booklets warben die Studenten für ihre Ideen und legten sich bei ihrer Argumentation richtig ins Zeug.

Und irgendwann zog sich die Jury, bestehend aus den Stadtratsmitgliedern, Vertretern der GES, der Stadtwerke, der Hochschule, der PGN sowie der Stadtverwaltung, zurück. Nach längerer Diskussion und einer Stichwahl stand fest: Der Entwurf von Clara Droop und Kenneth Friedrich hat gewonnen. Ganz knapp auf dem zweiten Platz landete die Idee von Anika Weigan, gefolgt von Entwürfen von Leon Behnke und Philip Pascal Kürble sowie Luise Hartung und Jona Rauchmann.

„Insbesondere das durchdachte Gesamtkonzept des Siegerentwurfs hat die Jury überzeugt“, berichtete hinterher Michael Süßmann, Abteilungsleiter Stadtentwicklung aus der Walsroder Verwaltung. Der Entwurf mit 97 Wohn- und 50 Arbeitseinheiten sowie 96 Parkplätzen habe eine interessante architektonische Konzeption, die sich zum Waldrand hin auflockere. Clara Droop: „Wir wollen den Blick auf den Wald nicht versperren, sondern Sichtachsen schaffen.“ Auch viele der industriellen Bestandsgebäude, vom Flockenturm bis zum alten Fachwerkgebäude, seien im Entwurf erhalten geblieben und sollen vor allem für Gastronomie, Kultur und Erholung konzeptioniert werden. Kenneth Friedrich: „Unsere Idee war, diese interessanten historischen Gebäude für wirklich alle Menschen im Quartier erlebbar zu machen.“

Nun müssen die Ideenentwürfe der Studenten konkretisiert und über ein Bebauungsplanverfahren die rechtlichen Grundlagen geschaffen werden. Norbert Behrens, Geschäftsführer der PGN, zeigte sich überzeugt: „Das wird auf jeden Fall ein Vorzeigeprojekt für Walsrode werden.“ Er riet der Stadt Walsrode abschließend, „den Schwung aus dem Wettbewerb mitzunehmen“ und möglichst schnell in die Entwicklung einzusteigen. „Es ist eine Riesenchance, die zeitnah umgesetzt werden muss.“ Bürgermeisterin Helma Spöring: „Es wird ein neuer Weg für Walsrode. Ich freue mich drauf.“    rei

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