Prozess wegen schweren Raubes und räuberischen Diebstahls vor dem Landgericht Verden

Todesdrohungen und falsche Personalien

Walsrode/Verden - Die drei Angeklagten, die sich derzeit wegen schweren Raubes und räuberischen Diebstahls in einem Walsroder Bekleidungsgeschäft vor dem Landgericht Verden verantworten müssen, waren Dank der Hilfe einer Gruppe von Jugendlichen kurz nach der Tat geschnappt worden. Es geht in dem Prozess hauptsächlich darum, wie die Tat strafrechtlich zu bewerten ist.

Eine Verteidigerin aus dem Verfahren hat jedoch aufgedeckt, dass einer der Angeklagten unter falschen Personalien angeklagt worden ist.

Der vierte Verhandlungstag hatte normal begonnen. Dann ergriff Verteidigerin Daniela Post das Wort. Sie fragte den angeblich 22-Jährigen nach seinem Namen und seinem Geburtsdatum. Beides blieb unbeantwortet. Der offensichtlich nichts ahnende Verteidiger sagte, dass sein Mandant die Personalien bereits angegeben habe.

„Wie können Sie hier sitzen, wenn sie vor zwei Wochen in Montenegro geheiratet haben?“, wollte die Juristin wissen. Der Angeklagte heißt offensichtlich nicht Nikola J., sondern Bosko J. und soll zwölf Jahre älter sein. Bei Nikola J. soll es sich um seinen Bruder handeln, der im Internet Fotos von seiner Hochzeit gepostet hat. In der Anklageschrift sind bereits mehrere Alias-Namen angegeben, der offenbar richtige Name ist nicht dabei.

Der Angeklagte wurde wütend und drohte dem Mandanten der Verdener Anwältin. „Du bist tot und deine Kinder auch“, übersetzte der Dolmetscher des bedrohten 20 Jahre alten Angeklagten. Es soll noch der Begriff „Geldwäsche“ gefallen sein.

Auf die falsche Identität gekommen war die Verteidigerin, weil sie bezüglich ihres Mandanten im Internet recherchiert hatte. Dabei war sie in einem sozialen Netzwerk auf ein Foto gestoßen, das die drei Angeklagten zeigt, allerdings passte ein Name nicht. Dort stand nicht Nikola, sondern Bosko J. Unter diesem Namen fand sie ein Facebookprofil mit Fotos des 34-Jährigen sowie jede Menge Fotos. Auf einem wedelt er mit einem weiteren Mann mit ein paar tausend Euro. Ein anderes Mal posiert er in einer Gruppe bewaffneter Männer oder trägt zum Spaß eine Weste mit der Aufschrift Polizei.

Alleine schon wegen der im Gerichtssaal ausgesprochenen Bedrohung dürfte ein weiteres Strafverfahren folgen. Etwas Recherchearbeit bei Polizei und Justiz zur Identität des Angeklagten erscheint angebracht. Verteidigerin Daniela Post sah sich in der Pflicht, die Ergebnisse ihrer Recherche offenzulegen. „Sonst begehe ich Strafvereitelung“, erklärte sie. Wie das Gericht damit umgeht, bleibt abzuwarten.

Der Landgerichtsprozess wurde mit Zeugenbefragungen fortgesetzt.

wb

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