An die 100 Besucher amüsieren sich 

Theater und Brot: Das passt im Heidebackhaus zusammen

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Hoch her geht es auf der Bühne, wenn das Ensemble um Sigrid Rosebrock, Bernd Hartmann, Petra Newark und Engelbert Schlee (von rechts) so richtig in Fahrt kommt. 

Walsrode - „Das riecht aber gut hier“, freuten sich mehrere Besucher beim Eintreten in das lang gestreckte und festlich dekorierte Foyer im Heidebackhaus in Walsrode. Und tatsächlich: Der Duft frischer Backwaren durchzog sämtliche Räume. Weihnachtliche Stimmung machte sich im Theatersaal, im Restaurant und im Laden breit.

„Es gab Zeiten, da roch es hier noch viel intensiver“, erinnert sich Geschäftsführer Bernd Hartmann. Bis zum Jahr 2003 habe man 22 Filialen und zahlreiche Großkunden beliefert. Aber dann habe sich durch die strukturelle Situation des Marktes das Blatt dramatisch gewendet. „Wir mussten uns etwas einfallen lassen“, so Bernd Hartmann. In einer Zeit, in der renommierte Theater schließen, fusionieren und auf jeden Fall öffentlich subventioniert werden, schrieb er sein erstes Bühnenstück. Ein Drittel der 90 Arbeitsplätze konnte erhalten werden.

„Himmlische Bescherung“ heißt die ebenfalls Bernd Hartmanns Feder entflossene Komödie, die das Backtheater-Team seit 2006 jährlich ab Mitte November auf die Bühne bringt. Sozialer „Brennpunkt“ ist wie in den meisten anderen Stücken der Haushalt einer Bäckerfamilie mit dem üblichen aus dem Leben gegriffenen Konfliktpotenzial. Hier dreht es sich in erster Linie um den Besuch der „heiß geliebten“ Oma Sylvia, die vor 25 Jahren nach Südafrika ausgewandert war und jetzt für immer bei den Kindern bleiben will. Zu allem Überfluss kommt in der Familie ein falsch zugestelltes Paket an. Durch seinen delikaten Inhalt sorgt es für zusätzlichen Wirbel zum Fest des Friedens…

Die nahezu 100 Besucher empfanden vom ersten Moment an den Funken, der von der kleinen Bühne übersprang. Im Moment des Auftritts von Bernd Hartmann werden sofort die Lachmuskeln gereizt. Er spielt den etwas naiven und immer präsenten Haustyrannen, der alles andere als erfreut auf die Ankunft seiner Schwiegermutter reagiert. Der 69-Jährige, der keinerlei schauspielerische Ausbildung kennengelernt hat, hat eine hervorragende Bühnenpräsenz. Körperarbeit und Sprache sind aufeinander abgestimmt. Er findet den Draht zum Publikum und weiß, welche Nuancen in der Sprache ein Schmunzeln auf den Gesichtern der Besucher erzeugen oder auch laute Lacher hervorrufen. Auch die Gürtellinie wird angekratzt, ohne dabei ins Ordinäre abzugleiten. Ein Szenenapplaus nach dem anderen ist der Crew auf den Brettern sicher.

„Postmann“ Rainer Pientka neben der Schauspielergalerie im Theater des Heidebackhauses Walsrode.

„Bereits 238 Aufführungen haben wir mit diesem Stück hinter uns gebracht“, weiß Sigrid Rosebrock. Wie auch Engelbert Schlee gehört sie zum Urgestein der Mannschaft. Seit Anbeginn spielt sie die Rolle der Ehefrau des Bäckermeisters. Als „us Modder“ wird sie nicht nur während des Spiels auf der Bühne bezeichnet; sie ist verantwortlich für die vielen organisatorischen Dinge, die täglich vor und während der Aufführungen bedacht werden müssen. Mit ihrer enormen Textsicherheit hilft sie so manchem Kollegen auf der Bühne über immer wieder auftretende Hänger hinweg.

„Danke für diesen wunderschönen Nachmittag“, hörte Verwaltungsleiterin Sigrid Gliese immer wieder, wenn sie den Besuchern zum Abschied ein Knustbrot in die Hand drückt. Ein Satz, der auch in nahezu jedem Kommentar im Gästebuch nachzulesen ist. Es sind inzwischen mehr als 300. 000 Gäste, die während fast 15 Jahren Backtheater das Gebäude glücklich und zufrieden verlassen haben.

Im Januar bleiben die Pforten geschlossen. Nicht aber für die elf Darsteller. Bernd Hartmann sprudelt vor neuen Ideen, die in etlichen Proben der Darsteller für die Karnevalssaison umgesetzt werden wollen. 

jh

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