Superfood schmeckt auch im Sommer

Kirchboitzer Gartenexperte Heinz Zündorf gibt Tipps für Grünkohlfreunde

Warum nur im Winter? Aus den besonders großen Blättern könnte man feine Rouladen wickeln, schlägt Heinz Zündorf vor.
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Warum nur im Winter? Aus den besonders großen Blättern könnte man feine Rouladen wickeln, schlägt Heinz Zündorf vor.

Kirchboitzen – Heinz Zündorf und seiner Frau Ingrid aus Kirchboitzen geht es im Moment wie vielen Nutzgartenbesitzern: „Wir wissen gar nicht, was wir zuerst essen sollen. Es ist jetzt so vieles zur gleichen Zeit erntereif.“ Und nun ist noch ein weiteres Gemüse dazu gekommen, dass er und seine Frau in der Sommerküche nicht mehr missen wollen: Der Grünkohl. In vielen anderen Ländern auf der Welt längst ganzjährig als „Superfood“ verspeist, hat der gesunde Kohl in Deutschland immer noch den Ruf, ein reines Wintergemüse zu sein. Zu unrecht, findet Zündorf und wirbt: „Essen Sie das Gemüse jetzt schon!“

Zündorf, der seit 30 Jahren seinen Mulchgarten bewirtschaftet, ist in der Region bei vielen Gartenfreunden gut bekannt, denn regelmäßig gibt „der schlaue Faule“, wie er sich im Internet nennt, Seminare. Darin geht es zumeist darum, wie eine Grünfläche mit möglichst wenig Aufwand ein ertragreicher Nutzgarten wird. „Es ist einfach schade, wenn Menschen sagen, ein Gemüsegarten sei ihnen zu anstrengend.“ Er selbst beschäftige sich zum Beispiel fast gar nicht mit Unkräutern oder Umgraben. „In einem Mulchgarten ist das kein Problem“, sagt er.

Leider musste das April-Seminar in diesem Jahr coronabedingt ausfallen. Zündorf hofft, dass er es im Oktober nachholen kann. Aber bis dahin will er mit diesem Grünkohl-Tipp zumindest etwas Kontakt halten zu anderen Gartenfreunden unter den Lesern der Verdener-Aller-Zeitung.

Der schöne dunkelgrüne Kohl sprießt im Kirchboitzer Garten, dass es eine wahre Freude ist. Ausgepflanzt hat Zündorf diese Pflanzen im Juni.

„Natürlich kann man im Sommer Grünkohl essen“, sagt er. Erfahrene Gärtner wüssten, dass man das Gemüse nie ganz erntet, sondern immer nur die unteren Blätter nimmt. „Wenn man das Herz der Pflanze stehen lässt, wächst sie immer wieder nach.“ So könne man fast das ganze Jahr hindurch das gesunde Grünzeug ernten.

Zündorf erzählt: „Im vergangenen Jahr bekamen wir ein Rezept für Grünkohlauflauf. Das hat bei uns großen Anklang gefunden und wir haben es mehrfach zubereitet.“ Auch im Frühjahr hatten die Zündorfs Lust auf dieses Gericht. Kein Problem, denn wenn der Gärtner die Pflanzen nach der Winterernte stehen lässt, bilden sie im Frühjahr am Strunk kleine Schösslinge aus. „Auch diesen sogenannten Sprutenkohl haben wir als Auflauf genossen.“

Nachdem Zünddorf dann im Juni circa 100 neue Grünkohlpflanzen ausgepflanzt hatte, standen immer noch viele überzählige Kohlköpfe in der Saatreihe. „Was damit machen? Die erste Idee war, sie anderen Gärtnern anzubieten. Die hatten alle selber genug. Dann wollte ich sie einem Nachbarn für die Kaninchen geben. Doch da sie schon eine beachtliche Größe angenommen hatten, kam die Frage auf: Warum nicht auch selber essen? Grünkohl im Juni? Aber warum denn eigentlich nicht?“ Also gab es mal wieder den beliebten Auflauf – mitten im Hochsommer. „Es war köstlich.“

Auch viele weitere Gerichte könne man aus dem Sommergrünkohl zaubern. Zündorf hat mittlerweile eine ganze Reihe von Ideen gesammelt und auch schon einiges ausprobiert. „Eine Frau aus Kenia, die ich eher aus Verlegenheit gefragt hatte, ob sie Grünkohl haben möchte, steuerte auch ein Rezept bei. Und da einige der Grünkohlstauden sehr große Blätter haben, kam der Gedanke auf, ob man auch Grünkohlrouladen davon machen kann. Im Internet gibt es eine Fülle von entsprechenden Rezepten, doch die müssen wir noch ausprobieren.“

Mittlerweile kann der Gemüsefreund nicht mehr nachvollziehen, warum es immer heißt, der Grünkohl müsse erst Frost bekommen. „Es hat sich ja inzwischen herumgesprochen, dass die Pflanzenzüchtung längst soweit ist, dass es diese Frostbehandlung am Grünkohl nicht braucht.“ Wenn man die Blätter bis zum Herbst wachsen lasse, müsse man sie sowieso entsorgen. „Warum nicht lieber knackig frisch zubereiten?“ Dieser Weg sei sicher nachhaltiger, ist Zündorf überzeugt. Er zeigt die Kohlpflanzen. Sie seien ausgesprochen anspruchslos. Dunkelgrün breiten sich die schönen Blätter in der Saatreihe aus. „Ich muss sie nicht gießen, sie wachsen ganz von allein. Die Stauden, die ich letzte Woche abgerupft hatte, sind wieder so nachgewachsen, dass man kaum sehen kann, dass sie beerntet wurden.“

Zündorf weiß, dass der Grünkohl in anderen Ländern, wie beispielsweise den USA, in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt hat. Dort essen ihn die Gesundheitsbewussten und Fitnessfreaks wegen seiner vielen gesunden Inhaltsstoffe längst ganzjährig, gerne als Rohkost oder als Zutat in Smoothies. Ein echtes Superfood eben. Zündorf schmunzelt. „Ach, naja. Wissen Sie, für mich ist eigentlich alles, was wächst, ein Superfood.“

Mehr Infos

über den Kirchboitzer Mulchgarten und Kontakt zu Heinz Zündorf über http://www.der-schlaue-faule.de/

Von Reike Raczkowski

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