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Benefeld: Strom aus Kompost für 800 Haushalte

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Von: Klaus Müller

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Außenansicht eines Betriebsgeländes.
Gewinnt immer mehr an Konturen: Die Biovergärungsanlage am Bayerhofer Weg in Benefeld, deren Baustart erst ein Jahr zurückliegt. © Müller

Ein ungewöhnlicher Stromproduzent ist an den Start gegangen: Eine Anlage, die aus Kompost elektrische Energie macht. 

Benefeld – Es ist ein Gigant, der zurzeit fast im Wasser zu versinken scheint: „Wir haben rund um das Gelände herum kräftig Gräben schaffen müssen, um dem Feuchtgelände Herr zu werden. Das Wasser fließt kaum ab, dicke Lehmschichten verhindern gerade in dieser sehr nassen Zeit das Versickern.“ Aber Cord Utermann, Betriebsleiter der neuen Bioabfall-Vergärungsanlage am Bayershofer Weg, kann sich trotzdem freuen:

„Die Produktion von grünem Strom haben wir bereits aufnehmen können. Nun sind, bedingt durch die Pandemie und Lieferschwierigkeiten, noch Restarbeiten zu machen.“ Der Zaun sei vernünftig herzustellen und die Anlage rundherum zu gestalten. „Aber wir liegen gut im Plan.“ Diese einzigartige Anlage für die Region ermöglicht es der Abfallwirtschaft Heidekreis, Strom aus Bioabfällen im großen Rahmen zu produzieren, für bis zu 800 Haushalte. Der Strom wird dazu in das Netz eingespeist.

Die Arbeit auf der neuen Anlage, die aus Corona-Gründen erst einmal ohne offizielle Einweihung gestartet ist, läuft. „Vielleicht führen wir im Sommer einen Tag der offenen Tür durch“, sagt Pressesprecher Thomas Heinecke, der sich ebenfalls vor Ort über den Fortgang der Arbeiten informierte. Ganze Besucherscharen am Zaun seien schon dagewesen, berichtet der Betriebsleiter, der aus Eickeloh kommt und dort die Alte Schmiede besitzt. Er arbeitet schon 26 Jahre im „grünen“ Job, ist Diplom-Ingenieur, fast so ein bisschen Weltenbummler und „kann mit Menschen,“ wie er schmunzelnd ergänzt. Am Nachmittag wird Utermann Besuchergruppen aus Litauen und Italien empfangen, die sich über diese neue Idee der Abfallentsorgung informieren wollen.

Drei Leute sind heute auf der Anlage beschäftigt. „Das ist schon sportlich“, sagt der bärtige Betriebsleiter, der sich jeden Tag wieder begeistern kann an dieser Technik, „nur nicht am feuchten Untergrund. Uns ist in der letzten Woche gleich zweimal eine Raupe versunken, die wir wieder aufwändig ausbuddeln mussten.“ Probleme mit Geruch aus der Anlage gibt es an diesem Tag nicht. Ein kleiner feiner Rauch steigt auf –man riecht aber nichts.

Außenansicht einer Maschine.
Als erstes landet der Kompost im Misch- und Auflockerungs-Aggregat (Bild). Am Ende wird Strom für 800 Haushalte erzeugt. © Müller

Vor einem Jahr war hier noch Acker. Nichts deutete auf die neue Großanlage hin. Der erste Spatenstich im neuen Energie- und Umweltpark fand im Beisein zahlreicher interessierter Gäste statt und war mit Spannung erwartet worden.

Errichtet worden ist die Anlage durch die Bioabfallverwertung Heidekreis GmbH (BVH), eine gemeinsame gemischtwirtschaftliche Gesellschaft der Abfallwirtschaft Heidekreis AöR, die 51 Prozent der Anteile hält, und der Kompotec Kompostierungsanlagen GmbH mit 49 Prozent, eine Tochtergesellschaft der Eggersmann-Gruppe. Das Unternehmen aus dem Kreis Gütersloh war 2019 als Sieger aus einem europaweiten Auswahlverfahren hervorgegangen. Das Investitionsvolumen beträgt rund elf Millionen Euro, die Anlage hat jetzt ihren Betrieb aufgenommen, um die Bioabfälle des Heidekreises zu verwerten. Durch die Errichtung der Anlage wurde für die Verwertung der Bioabfälle eine langfristige Entsorgungssicherheit geschaffen. Mit der Kaskadennutzung, die eine kombinierte energetische und stoffliche Verwertung vorsieht, werde zudem eine hochwertige Verwertung der Abfälle erreicht, so Betriebsleiter Utermann.

Die neue Anlage ist für eine Kapazität von 25. 000 Tonnen Bioabfall pro Jahr ausgelegt. Verwertet wird der Inhalt der Biotonne aus dem gesamten Landkreis Heidekreis sowie ein Kontingent aus dem Landkreis Diepholz, der im Rahmen interkommunaler Zusammenarbeit bereits seit etlichen Jahren die Restabfälle aus dem Heidekreis behandelt.

Die Bioabfallvergärungsanlage ist nach dem BEKON-Verfahren mit fünf Trockenfermentern (Garagenverfahren) und drei Rottetunneln ausgestattet. Die Anlieferung der Abfälle, die Vergärung in den Fermentern und der Intensivrotte erfolgt in einem gekapselten, geschlossenen Verfahren. Die gesamte Abluft der Anlage wird zweistufig gereinigt. Die Anlage erfüllt die Anforderungen der Bioabfallverordnung an eine seuchen- und phytohygienisch unbedenkliche Behandlung von Bioabfällen. Nach der Intensivrotte werden die bereits hygienisierten Abfälle (Frischkompost) in einem offenen Verfahren zu Fertigkompost verarbeitet. Dieses Nachrotteverfahren erfolgt auf den beiden vorhandenen Kompostanlagen in Benefeld (direkt gegenüber der neuen Anlage) und Alvern, die als Subunternehmer der Firma Kompotec in das Behandlungsverfahren eingebunden sind und auch die lokale Verwertung der hochwertigen Komposte organisieren. Eine Auslastung der im Heidekreis bestehenden Kompostanlagen bleibe somit gewährleistet.

Das bei der Vergärung gewonnene Biogas wird in einem Biogasspeicher zwischengespeichert und vorzugsweise in Zeiten erhöhten Strombedarfs über zwei Blockheizkraftwerke verstromt und in das Stromnetz eingespeist. Hierdurch wird Strom für mindestens 800 Haushalte gewonnen. Die beim Vergärungsprozess gewonnene Abwärme wird zum Teil in die Rottetunnel eingespeist, um dort den Rotteprozess zu unterstützen.

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