Strafprozess: Tatort lag nicht auf der vorgegebenen Route

Walsrode/Verden – Es klang nach einem lukrativen Auftrag, was der ehemalige Betreiber eines Sicherheitsunternehmens aus dem Heidekreis am Donnerstag am Landgericht Verden schilderte. Im Jahr 2016 sollte der Geschädigte zweimal wöchentlich für das niedersächsische Innenministerium Geld von der Sparkasse Fallingbostel ins Flüchtlingscamp nach Oerbke transportieren. Doch 50 000 Euro kamen abhanden. Zu klären ist im aktuellen Strafprozess, ob der 45 Jahre alte Angeklagte aus Walsrode als damaliger Mitarbeiter des Geschädigten das Geld unterschlagen hat.

Enttäuschung klang in der Aussage des 75 Jahre alten Geschädigten mit. Er berichtete von einem Vertrauensverhältnis, das sich zum Angeklagten entwickelt habe. Sie hätten sich vom Sport gekannt, und als der 45-Jährige nach Arbeit gefragt habe, sei er bei Aufträgen eingesetzt worden. Er habe ihm sogar mal 3 500 Euro geliehen, aber das Geld nie wieder gesehen.

Im März 2016 betraute er den Angeklagten mit dem Transport von 50 000 Euro. Unterwegs setzte der Angeklagte einen Notruf ab. Er sei überfallen und das Geld geraubt worden. Der Angeklagte schilderte der Polizei einen Überfall durch zwei Personen auf einem Motorrad und eine Bedrohung mit einer Schusswaffe. Der genannte Tatort wurde von der Videokamera eines Unternehmens gefilmt. Auf den Aufnahmen war kein Motorrad zu sehen, aber laut Anklageschrift eine scheinbar auf den Angeklagten wartende Person in einem Auto. Wie der Zeuge gestern aussagte, lag der Tatort nicht auf der von ihm vorgegebenen Route.

Mittlerweile summierten sich seine Verluste auf 60 000 Euro, berichtete der Rentner, denn er habe den Schaden ausgleichen müssen. „Ich wäre versichert gewesen, wenn es tatsächlich ein Überfall gewesen wäre. Weil es ein Angestellter und Unterschlagung war, musste ich selber haften“, sagte er. Außerdem belasteten ihn die Ladungen. Er habe zum fünften Mal ausgesagt. Zwingend erforderlich war dies, weil der Angeklagte gegen eine Verurteilung durch das Amtsgericht Walsrode zu zehn Monaten auf Bewährung wegen veruntreuender Unterschlagung Rechtsmittel eingelegt hat.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.  wb

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