Schwache Infrastruktur im ländlichen Raum

Digitalisierung als Notwendigkeit

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Moderatorin Alexa von Busse, Prof. Dr. Ludger Frerichs und Jochen Oestmann (von links).

Walsrode - Die Digitalisierung nimmt im Heidekreis zu, gebremst bisher nur durch eine mehr als schwache Infrastruktur. Das Landesbüro Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung hatte auf Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil in die Walsroder Stadthalle eingeladen. Es ging darum, wo die Entwicklung hingeht und ob der Heidekreis digital vernetzt werden muss. Exemplarisch wurden die Bereiche Landwirtschaft, Tourismus und Open Government behandelt.

Nach einer Einführung durch Klingbeil, Medien- und Digitalisierungsexperte seiner Fraktion, referierten und diskutierten der Erste Kreisrat des Heidekreises Oliver Schulze, Tourismusmanager Ulrich von dem Bruch, Lüneburger Heide GmbH, sowie Professor Dr. Ludger Frerichs von der Technischen Universität Braunschweig.

Frerichs machte deutlich, dass Landwirte zunehmend auf Digitalisierung zur Unterstützung bei der Bodenbearbeitung oder in den Ställen bei der Fütterung setzen. Der Wissenschaftler zeigte am Beispiel der Traktorenentwicklung auf, wie weit seit 1950, als bei den Maschinen noch weitgehend auf Mechanik gesetzt wurde, die digitale Welt Einzug gehalten hat. Computerbildschirme und eine Steuerung der Zugmaschine samt angebauter Bearbeitungsgeräte über das Tablet gebe es immer öfter.

Landvolkvorsitzender Jochen Oestmann gab zu bedenken, dass Landwirte bereit seien, sich auf diese Zukunft einzulassen. Er forderte seitens der Politik ein Bekenntnis für die deutsche Landwirtschaft. Außerdem müsse die digitale Infrastruktur auf dem Lande erheblich ausgebaut werden.

Wer im Tourismus als Anbieter Erfolg haben und Gäste gewinnen wolle, der komme an digitalen Auftritten nicht mehr vorbei, machte von dem Bruch deutlich. 90 Prozent aller Buchungen kämen über das Smartphone. Digitale, professionell gestaltete Werbung sei unumgänglich und die entsprechenden Plattformen müssten zum Dialog einladen. „Wer heute nicht digital auftritt, der ist bald weg vom Fenster“ so der Tourismuschef. Viele, vor allem kleine Vermieter hätten dies noch nicht erkannt oder sähen die Notwendigkeit eines digitalen Werbeauftrittes nicht ein, beklagte er.

Verwaltung setzt auf

Open Government

Schulze erläuterte, was der Landkreis zum Thema Open Government auf den Weg gebracht hat. Als Beispiel nannte er die vollständige digitale Abbildung des Baugenehmigungsverfahrens im Netz, vom digital gestellten Antrag bis zur Baugenehmigung. In Arbeit sei die vorgeschriebene Beteiligung von Kommunen und sonstigen Institutionen bei der Aufstellung des Raumordnungsprogramms auf digitalem Wege. Stellungnahmen könnten so schneller eingereicht werden. Angekommen beim Bürger sei eine Beschwerde- und Anfrage-Plattform im Netz. Bei weiter steigenden Anforderungen an die Verwaltung werde man um eine Ausweitung der Digitalisierung nicht herumkommen, sagte Schulze.

Klingbeil sieht den Heidekreis auf dem richtigen Weg, den Breitbandausbau voranzubringen. Aber auch das könne nur ein erster Schritt sein.

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